Kultur | 27.07.2009

Das Fahrrad in der Hauptrolle

Die "Filmgerberei GmbH" aus Zürich wagt etwas. Ihr Roadmovie entsteht auf einer Reise, auf der sich die Filmcrew in die gleiche Situation wie die Schauspieler begibt. Sie sind mit dem Fahrrad durch das Baltikum unterwegs.
Täglich 50 bis 70 Kilometer durch das Baltikum.
Bild: Filmgerberei GmbH

So ein Filmset kann gross sein. Aus den Making-Ofs der DVDs mag es der eine oder andere schon gesehen haben. Es wimmelt von Leuten, die umgeben sind von urwaldartigen Kabeleien. Befehle werden geschrien, das Scheinwerferlicht noch heller gedreht. Doch dieser Film ist anders. Es wird ein Roadmovie. Nicht nur für den Zuschauer, sondern auch für Crew und Cast. Sie reisen und erleben ein Abenteuer.

Die Story basiert auf dem Drehbuch von Alicia Romero. Vier sich völlig fremde Menschen begeben sich gemeinsam auf eine Reise ins Baltikum. Ohne konkrete Pläne im Kopf aber mit ihren Fahrrädern ausgerüstet, steigen sie in den erstbesten Zug. Erst im Laufe der Zeit wird ihnen bewusst, worauf sie sich eingelassen haben: Auf Menschen angewiesen zu sein, die man nicht kennt und denen man nicht vertrauen kann. Schnell wird klar, dass alle vier Reisenden vor ihrer Vergangenheit zu flüchten versuchen. Fehlender Luxus macht sich bemerkbar. Mit Gelegenheitsdiebstählen versuchen sie, sich über Wasser zu halten und müssen bald einmal feststellen, dass ihr Abenteuer ins Ungewisse sie nicht automatisch vor Langeweile bewahrt. In der Stadt Riga verlieren sich die vier und eine der Reisenden bleibt zurück. Die Stimmung unter den verbleibenden drei verbessert sich daraufhin von Stunde zu Stunde und sie geniessen eine gemeinsame Zeit, welche Erlebnisse teilen und Freundschaften entstehen lässt. Gleichzeitig erlebt die allein Zurückgelassene eine harte Zeit. Und sie ist nach wie vor gewillt, das ehemals gemeinsam gesteckte Ziel zu erreichen: Die Fähre von Tallinn nach Helsinki.

Alles mit dem Velo transportiert

In der filmischen Reise hat nebst den vier Hauptakteuren das Fahrrad als ganz gewöhnliches Alltagsobjekt seinen grossen Auftritt. Für die Umsetzung des Drehbuchs radelt die gesamte Crew durch die baltischen Staaten. Auf Begleitfahrzeuge wird konsequent verzichtet; das benötigte Equipment wird mit Fahrradanhängern transportiert. Drehorte, Statisten und benötigte Requisiten – alles wird vor Ort organisiert. Nebst den Drehs gilt es, täglich eine Strecke von 50 bis 70 Kilometer zurückzulegen, wobei nur der Ausgangsort, die Zwischenstationen und das Ziel der Reise festgelegt sind. Die genaue Route wird von Tag zu Tag neu geplant. Durch diese Vorgehensweise erhält der Film einen dokumentarisch-realistischen Charakter und lässt viel Raum für Improvisationen und Unvorhersehbares. Entstehen soll ein interessanter, kulturverbindender, nachhaltiger und umweltfreundlicher Film.

Nicht zuletzt den abwechslungsreichen Landschaften und den Menschen wegen hat sich die „Filmgerberei GmbH“ für das Baltikum entschieden. Auch stimmt der Bezug zur Handlung, da die Stimmung der drei Länder – Litauen, Lettland und Estland – sehr gut zum Innenleben der Protagonisten passt. Vom 8. bis 30. August schwingen sich auch Tink.ch-Reporter Jessica Hefti und Daniel Grunder auf die Räder. Sie sind für die Aufnahmeleitung und Kamera verantwortlich. Während dieser Zeit berichten sie wöchentlich auf Tink.ch.

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