Gesellschaft | 20.07.2009

Brechts Traum wird wahr

Immergleiche Songs, abgedroschene Moderationen, dämliche Gewinnspiele und Claims (Sender-Slogans) - das UKW-Radio steckt in einer Krise der Anspruchslosigkeit. Vielfältiges Internetradio schafft Abhilfe.
Internetradio: über 30'000 Sender weltweit.
Bild: Sarah Borowski/pixelio.de

Schriftsteller Bertolt Brecht meinte einst in seiner „Radiotheorie“:

„Der Rundfunk ist aus einem Distributionsapparat in einen Kommunikationsapparat zu verwandeln. Der Rundfunk wäre der denkbar großartigste Kommunikationsapparat des öffentlichen Lebens, ein ungeheures Kanalsystem, das heißt, er wäre es, wenn er es verstünde, nicht nur auszusenden, sondern auch zu empfangen, also den Zuhörer nicht nur zu hören, sondern auch sprechen zu machen und ihn nicht zu isolieren, sondern ihn auch in Beziehung zu setzen.“ Mit dem jungen Medium Internetradio wird Brechts Traum wahr: Die Macher von Internetradios nutzen mit Telefon, Chat und Mail neue Kommunikationswege. Die Hörerinnen und Hörer gestalten so aktiv das Programm mit.  

Moderatoren mit Ecken und Kanten

Internetradiosendungen werden oft von Amateurinnen oder Semiprofessionellen zuhause am PC produziert und ins weltweite Netz gestreamt (gesendet). Dementsprechend unterschiedlich ist auch die technische Qualität der Sendungen: Von der Moderatorin mit eigenem Heimstudio bis zum Besserwisser mit Billigheadset senden alle ihr Internetprogramm. Über 30’000 Websender, vom Studentensender bis zum Kommerzprojekt, strahlen derzeit ein Programm aus – die Vielfalt für die Hörerinnen und Hörer ist enorm.  

Internetradio immer mit dabei

Internetradio hören ist bubileicht: Man geht auf die Internetseite des Senders, drückt einen virtuellen Einschaltknopf und schon öffnet sich auf dem PC ein Player, der das Radioprogramm empfängt. Im Gegensatz zum UKW-Radio ist Internetradio nicht ortsgebunden. Es kann also überall gehört werden, wo Internet existiert. Via Handy, Computer oder neuerdings auch Autoradio kann man Programme von allen Kontinenten empfangen. Und, hörst du schon Internetradio?  

Einschalttipps


Der Autor dieses Artikels ist selbst ein begeisterter Internetradiomacher- und hörer. Im Folgenden stellt er einige seiner Lieblingsstationen vor.

 

Rautemusik.fm – Europas grösstes Internetradio

Über 200 freiwillige Mitarbeitende produzieren ein Programm für neun Kanäle (Mainstream, Hip Hop, Funk u.a.). Unglaublich professionell für ein Hobbyprojekt und trotzdem jugendlich und unerwartet klingen die Sendungen auf Rautemusik.fm.

www.rautemusik.fm

 

Byte.fm – alternative Klänge

Unter der Leitung des Hamburger Journalisten Ruben Jonas Schnell gestalten Musikjournalisten und andere Verrückte ein musikalisch und inhaltlich anspruchsvolles Programm jenseits des Mainstreams.

www.byte.fm

 

Technobase.fm – für Freunde der elektronischen Musik

Wer auf harte Bässe und elektronische Klänge steht, wird hier rund um die Uhr mit "Uhn Tiss"-Lauten verwöhnt. DJs stehen live an den Plattentellern.

www.technobase.fm

 

Kantipark.ch – Schulradio

Das kleine Schulradio der Kantonsschule am Burggraben, St. Gallen. Schülerinnen und Schüler im Alter von 13 bis 19 Jahren produzieren ein extrem abwechslungsreiches Programm.

www.kantipark.ch

 

Shouted.fm – schräges Radio

Bietet verschiedene Musikkanäle mit abendlicher Moderation. Auf dem Mainstream sind teilweise ziemliche Freaks am Werk.

www.shouted.fm

 

Virus.ch – professionell und schweizerisch

Jugendsender von Schweizer Radio DRS im Internet und auf DAB. Wir von einem professionellen Team gemacht und spielt viel Schweizer Musik.

www.virus.ch

 

Radio.de – die Qual der Wahl

Die Website für alle, die nicht wissen, welchen Sender sie hören sollen. Direkt auf der Website können Radioprogramme nach Genre, Herkunft und Sprache durchsucht werden.

www.radio.de