Kultur | 20.07.2009

Bänz Friedli in Aktion

Mal ernst, aber meistens witzig las der Hausmann Bänz Friedli aus seinen Werken vor. Lebensnah und mit vielen "Aber är het ja rächt!"-Momenten, konnte er die Menschen im mehr als vollen Carré Noir für sich gewinnen und begeistern.
Bänz Friedli in Aktion,
Bild: Beat Roder und Sabine Burger

Eigentlich sollte die Lesung im Hof stattfinden, doch das Wetter machte dem einen Strich durch die Rechnung. Stattdessen bot das gemütliche Carré Noir Schutz vor dem Regen. Diesem Aufruf gingen auch viele nach: Das kleine Theater war bis auf den letzten Platz besetzt und die Literaturfreunde sassen auf der Treppe oder blieben einfach stehen, um doch noch den meistgelesenen Kolumnisten der Schweiz live mitzuerleben. Dann begann Bänz Friedli, der in Biel übrigens den ersten „Summer of Love“ mit seiner Frau erlebt hatte, mit seiner satirischen Lesung. Und wie er begann: Mit seiner ersten Kolumne für das Migros-Magazin in der es auch gleich um ein wirklich relevantes Thema ging, nämlich um das Hodenbaden.

 

Sadistische Kinderspielzeughersteller

Von diesem Aspekt im Leben eines Hausmannes lag der Wechsel zu seinen Kindern, die ebenfalls im Publikum sassen, nahe. Energisch wetterte er über das 0,9cm kleine Funkgerät des Kranführers und den winzigen Barbieschuh, den er unter Verlust des letzten für seinen Staubsauger passenden Beutel noch einmal retten konnte. Mit berndeutschen Randnotizen kommentierte er das eben Gelesene auf eine noch persönlichere Weise als die Kolumnen ohnehin schon sind.

 

Der Künstler witzelte über bescheuerte Namen wie Marilyn Blocher oder Praise und Blessing Nötzli und über die Schwarzmalerei der Politiker und Medien betreffend der Jugendlichen, die Friedlis Meinung nach „eigentlich gut drauf sind“, bis er bei der Schweizer Sprache angelangte. Als ein in Bern aufgewachsener Wahlzürcher beherrscht der Autor beide Dialekte – sogar Jugoslang. In einwandfreiem Slang verglich er Gespräche von Berner Jugendlichen mit denen der Zürcher Jugend und sorgte damit für massenhaft Lacher aus dem Publikum. Apropos Sprache und Kniffe: Friedli erwähnte seine Mühen mit einer rätoromanisch sprechenden Waschmaschine und wie er dadurch das Fluchen auch in der vierten Sprache der Schweiz gelernt hatte.

 

Pendlernöte

Eindrücklich war, wie Bänz Friedli das Spiel mit dem Wechsel zwischen lustigen und ernsten Themen beherrschte. Lachte das Publikum in der einen Sekunde noch lauthals, so verstummte es sofort, als Friedli Themenbereiche ansprach, die ihn nachdenklich stimmten, wie Vergewaltigungen und Morde. Doch sofort hob sich die Stimmung wieder zu einer fröhlicheren, als er über seine Erfahrungen als Pendler berichtete. In der Gratiszeitung „20 Minuten“ veröffentlichte er vier Jahre lang seine „Pendlerregeln“. Sein Erlebnis mit der älteren Dame in der ersten Klasse, die völlig entzückt schien, als ihr Pudel im fahrenden Zug „Gaga“ musste, ekelte das Publikum im Carré Noir und entlockte einiges Kopfschütteln. Nach etlichen Sportverletzungen schloss Bänz Friedli seine Lesung schliesslich mit dem immer anwesenden und tausendmal diskutierten Thema, dem Altern.