Kultur | 02.06.2009

Wenn aus Klängen Sandstrände werden

Text von Daniel Grunder
Nicht mit Loungemusik zu verwechseln: Die Klänge des Trios Hellmüller Sisera Renold, die Ende Mai in der Klibühni spielten.
Hellmüller, Sisera und Renold: "Eine musikalische und natürliche Einheit", wie es auf der Website heisst. Fotos: hsr-trio.com Jenseits von schwarz-weissem Denken.

Das Trio „Hellmüller Sisera Renold“ tourt derzeit mit seinem neuesten Album „9 Views Of A Landscape“ durch die Lande. Letztens traten sie in der Churer Klibühni auf. Der Luzerner Gitarrist Franz Hellmüller, der Churer Luca Sisera am Kontrabass und der Perkussionsvirtuose Tony Renold aus Scuol gaben den Ton an und entführten das Publikum in Jazz-Landschaften.

 

Da betraten sie also die Klibühni ohne Worte und begannen stumm, ihre Instrumente zu stimmen. Das erste Stück trug den französischen Titel „Miroitement“, was soviel bedeutet wie: „Das Glitzern des Meeres in aller morgendlichen Herrgottsfrühe, wenn die Sonne das Antlitz des noch finsteren Tages sanft zu streicheln beginnt“. So klang es auch. Sanft und verspielt, regelmässige Unregelmässigkeit, langsam übergehend in hellere und schärfere Teile, getrost dem Vorbild eines Tagesanbruches an irgendeiner französischen Côte de Soleil, oder wie der klanggewordene, malerische Strand auch immer heissen mag. Urban angehauchte People würden besagte Soundkulisse wohl als „Loungemusic“ einschubladisieren, was jedoch dem, was darauf noch folgen sollte, kaum gerecht werden würde.

 

 

Sicherer Hafen

In absoluter Perfektion von sich ekstatisch bewegenden Vollblutmusikern gespielter Jazz ohne auf den ersten Blick erkennbaren roten Faden war, was folgte. Keine Spur von hippem Loungegesäusel. Nach jedem auch noch so langen Abheben und Abschweifen fanden sich die Instrumente immer wieder auf einen gemeinsamen musikalischen Nenner und brachten ihr Schiff gezielt in den sicheren Hafen. Wo der nach jeder Darbietung sich noch überzeugter gebende Applaus des Publikums bereits auf sie wartete. Man merkte, dass hier musikalische Könner ihr Werk darbringen, die sich untereinander so gut verstehen und kennen wie Blutsbrüder. Was hier im Vordergrund steht, ist jedoch die Musik, nicht das Entertainment. Wer einfach unterhalten werden will, soll sich All-Inclusive buchen. An einem Strand an der Côte de Bonnemusique vielleicht?

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