Kultur | 30.06.2009

Was ist wichtig?

Die Hamburger Band feierte in den Neunzigern einen riesigen Erfolg. Das Comeback nach zehn Jahren war umso härter. Wir sprachen mit Gitarrist Christian Neander darüber, was «wichtig ist« und über sein Verhältnis zur Musik.
Auftritt am Openair St. Gallen (
Bild: Tim Broddin) Die Münchner Band Selig ist zurück ( pd)

Wie ist es, nach zehn Jahren wieder vereint auf der Bühne zu stehen?

Christian Neander: Es fühlt sich grandios an! Am Anfang waren wir sehr nervös, aber jetzt ist es einfach nur toll.

 

Wir haben uns für dieses Interview von euren Songs inspirieren lassen und machen jetzt ein „Ist es wichtig“-Interview.

Da bin ich mal gespannt.

 

Ist es wichtig, alle Konzerte an einem Festival zu sehen?

Nein. Man geht ja hauptsächlich für die Bands an ein Festival, die man ausgesucht hat. (Überlegt kurz.) Nein, stimmt doch nicht. Der schönste Moment ist, wenn man überrascht wird von einem Konzert, das man nicht erwartet.

 

Ist es wichtig den Namen der Stadt zu kennen, in der man spielt?

Ja, es wäre ganz gut. Ansonsten ist es ein Indiz, dass man zu fertig ist.

 

Ist euch das schon mal passiert?

Eine Zeit lang haben wir so viele Konzerte gespielt, dass es richtiggehende Aussetzer gab. Das war eine blöde Zeit.

 

Wann hattest du das letzte Mal einen Faustkampf oder Streit? Wer war im Recht und wer hat gewonnen?

Faustkampf passt ganz gut, da ich früher viel Kampfsport gemacht habe. Aber der letzte Streit war etwa zwei Jahre her. Jeder Mensch meint, er sei im Recht, wenn etwas schief läuft. Aber, wenn man ein wenig nachdenkt, merkt man oft, dass man doch im Unrecht ist.

 

Ist es wichtig, nüchtern zu sein, wenn man arbeitet?

Ich finde, ja. Die Wirkung von Nüchternheit kann grösser sein als die einer Droge. Vor allem beim Spielen. Man kann sich besser in die Musik fallen lassen und es entsteht eine Trance.

 

Was ist das Schlimmste an Festivalgigs?

Dass man oft nicht in Ruhe Soundcheck machen kann. Oft gibt es Komplikationen, die man nicht beheben kann. Wir haben am Rock am Ring gespielt, was total super war, aber mit ziemlich schlimmem Bühnensound. Es hätte viel schöner sein können. Aber in der Hektik fehlt die Zeit, um eine gewisse Atmosphäre aufzubauen.

 

Ist es wichtiger Musik zu machen, die ihr mögt, oder solche, die das Publikum mag?

Es ist auf jeden Fall wichtig, Musik zu machen, die wir mögen. Wenn man das Glück hat, dass das Publikum diese Musik auch liebt, ist das umso besser. Ich glaube, das verbindet sich automatisch.

 

Was ist das Wichtigste an einem Comeback?

Dass es wahrhaftig ist. Wir haben schon viel darüber nachgedacht. Wir hatten eine besondere Zeit, die für uns alle sehr wichtig war. Wenn man dann nur noch schlechte Musik produziert, müde ist und den alten Kram wieder präsentiert, sollte man ein Comeback bleiben lassen. Bei uns war es zum Glück nicht so.

 

 

Wie funktioniert die Band heute?

Wie wenn man zusammen kocht. Man erhebt sich gleichzeitig und sagt: „Ja, da fehlt glaube ich noch Salz“. Und der, welcher es nun holt, bringt ein ganz besonderes Salz. So einfach ist das.

 

Michael Jackson ist ja gestorben.

Ja, heute Morgen um zwei Uhr! Wir sind um vier Uhr aufgestanden und haben eine SMS bekommen mit dem Wortlaut „Michael Jackson ist tot“. Mich stimmt das traurig. Doch seine Erscheinung zuletzt war schrecklich, ja ein Desaster. Vielleicht war der Tod gut für ihn.

 

Warst du ein Fan?

Fan nicht, aber ich mochte ihn immer gerne.

 

Welche Ära beschreibt dich am besten?

Die Siebziger. Ich begann als Kind Gitarre zu spielen. Dann habe ich Jimi Hendrix auf den Kassetten meines Vaters entdeckt. Das war für mich die totale Offenbarung. Ich wusste: „Da komme ich her“.

 

Hast du ein spezielles Lebensmotto?

Ich möchte im Jetzt sein. Also nicht zu viel nach hinten schauen, sondern den aktuellen Moment spüren. Ich habe eine kleine Tochter (15 Monate). Das ist so „jetzt“. Ich kann es gar nicht beschreiben. Es ist einfach jeden Tag neuartig und spannend.

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