Kultur | 08.06.2009

Vorfreude aufs Sittertobel

Text von David Weber
Das Openair St. Gallen steht kurz vor der Tür. Traditionsgemäss gab es deshalb am vergangenen Wochenende die Möglichkeit, sich am Festival "Musig uf dä Gass" auf das Kult-Ereignis im Sittertobel einzustimmen. Der Tink.ch-Reporter war mit Kamerafrau vor Ort.
The Skrufs eröffneten den Konzertabend in der Grabenhalle Fotos: Rubina Silvestrin Mizan begeisterte ein älteres Publikum mit östlichen Klängen. Friends with Displays tauschten Gitarren mit Turntables... ...und brachten die Grabenhalle zum Kochen.

Aus der Region…

Eröffnet wurde die Konzertreihe „Musig uf dä Gass“ bereits am Donnerstag, 4. Juni, im Waaghaus. Für freien Eintritt bot sich den Zuschauern mit Call Me Frog (Pop-Rock), Marius Tschirky (Singer-Songwriter) und dem Pullup-Orchestra (Hip-Hop, Jazz und Brass) bereits ein abwechslungsreiches Programm. So richtig los ging es dann aber am Freitag. Auf fünf Bühnen in der Stadt St. Gallen zeigten 15 Bands und zwei DJs, was die Ostschweiz musikalisch alles zu bieten hat.

…für die Region

Nach neun Uhr eröffnete die junge Band The Skrufs den Konzertabend in der Grabenhalle, während im Waaghaus das Duo Tomaten und Beeren und im Talhof die Hip-Hop-Formation Reim Rammler bereits auf der Bühne standen. The Skrufs bewiesen in der Folge, dass der Schein manchmal trügen kann: Obwohl man den Band-Mitgliedern ihr junges Alter ansieht, wissen sie mit ihren Instrumenten etwas anzufangen und performen ihre selbst geschrieben Stücke, als hätten sie in ihrem Leben kaum etwas anderes getan. Wenn man sie nach ihren Einflüssen fragt, nennen sie verschiedene aktuelle Indie-Rock-Bands und in der Tat klingen ihre rockigen, frechen Lieder ganz nach den frühen Arctic Monkeys. Das Publikum in der Grabenhalle, das offensichtlich vor allem aus mitgereisten Fans und Freunden aus Degersheim bestand, honorierte die Show-Qualitäten des Leadsängers Hiro deshalb auch mit hemmungslosem Pogen.

Eine Reise ostwärts

Kurz vor elf Uhr war dann Mizan an der Reihe. Die dreiköpfige Band um Frontmann Can Isik gehörte zu den eher erfahreneren Bands des Festivals; mit Angelized und Avrasia können sie zwei veröffentlichte Alben vorweisen, die mit anspruchsvollen Kompositionen vollgepackt sind. Es erstaunt deshalb auch nicht, dass die Grabenhalle im zweiten Durchgang deutlich ältere Zuschauer anlockte. Für rund eine Stunde entführte Mizan das Publikum mit ihrer Musik in den Osten Europas. Ihr Sound ist ein kreativer Mix aus klassischem Rock und orientalischem Folk, der in den verschiedensten Facetten schillert. Düstere Episoden wechseln sich ab mit dem typisch orientalischem Feuer und dem bisweilen andächtigen, durchdringenden Gesang von Can Isik.

Tanzend in die Nacht

Auch der dritte Act in der Grabenhalle sorgte noch einmal für Abwechslung. Nach Mitternacht stellte sich das DJ-Duo Friends with Displays vor, das üblicherweise als Dreier-Formation auftritt. Die Gitarren und Drumsets waren in der Zwischenzeit eingetauscht worden durch Mac-Books und Turntables. Die Grabenhalle hatte sich mit tanzwütigem Publikum gefüllt. Friends with Display zündeten auch gleich ihre „Disco Bomben“ und „Elektro Böller“ und brachten die ohnehin schon überhitzte Grabenhalle endgültig zum Kochen. Ihre Mixes, die Stücke von unterschiedlichsten Acts wie The Whitest Boy Alive oder auch Justice enthalten, begannen anfangs eingängig und melodiös, um sich anschliessend stetig zu steigern und die Besucher tanzend in die Nacht zu entlassen.

Die Veranstalter können auf ein gut besuchtes Vorspiel zum Openair St. Gallen zurückblicken und hoffen, dass das Wetter am 26.-28. Juni so gut mitmacht wie am vergangenen Wochenende.