Gesellschaft | 15.06.2009

„Onlinejournalisten sollten etwas verrückt sein“

Das Internet verändert die Medienlandschaft nachhaltig. Doch leidet unter den neuen Geschwindigkeit die Qualität des Journalismus? In einer Podiumsdiskussion wurde debattiert.
Die Hermes Baby hat im Journalimus schon längst ausgedient. Der Journalimus wird zunehmend digitalisiert - auch für den Leser.
Bild: Martin Sturzenegger Die "Zeit"-Journalistin Marlis Prinzing leitete die Podiumsdiskussion. Foto: www.medienwahrheit.ch "Schnelligkeit ist ein Qualitätsmerkmal": Chefredaktor "20 Minuten Online", Hansi Voigt. Foto: www.linguistik.zhaw.ch Urs Gossweiler - Verleger der "Jungfrau Zeitung". Foto: www.publicitas-forum.com

Der Verein „Qualität im Journalismus“ veranstaltete im Juni im Tamedia Gebäude in Zürich eine Podiumsdiskussion. Das Thema lautete „Schöne neue Online-Welt: Lässt sich im Netz journalistische Qualität umsetzen, ohne zu verfangen?“ Es diskutierten Urs Gossweiler, Verleger der MikrozeitungJungfrau Zeitung“, der Chefredakteur von „20 Minuten Online“, Hansi Voigt, sowie der Basler Lokaljournalist und Chefredakteur des „Online Reports“ Peter Knechtli. Die „Zeit“-Journalistin, Marlis Prinzing, führte durch den Abend.

„Es braucht den Knall“

Gleich zu Beginn der kurzweiligen Diskussion setzte sich der Berner Urs Gossweiler von seinem Basler Kollegen ab, indem er betonte, dass er nicht zwischen Onlinejournalisten und Printjournalisten unterscheide. Urs Gossweiler gibt zwei Mal pro Woche eine Printausgabe der „Jungfrau Zeitung“ heraus. So macht er vor, was er vertritt: Online- und Printjournalismus nicht getrennt zu betrachten und bei beiden die gleichen Qualitätsmerkmale anzuwenden. Peter Knechtli setzte leicht polemisch dagegen, dass Onlinejournalismus einen speziellen „Knall“ haben müsse. Zudem sollte der Journalist etwas verrückt und bereit sein, von der Norm abzuweichen. „Wir spüren den Leser, in dem wir sehen, welche Geschichten wie oft angeklickt werden. Das ist das Besondere am Onlinejournalismus“, betonte der „20 Minuten Online“ Chefredakteur Hansi Voigt. Geschichten schreiben. Geschichten aus der Region, die etwas Spezielles haben und von Peter Knechtli „Minderheitsgeschichten“ genannt werden, das ist die inhaltliche Gemeinsamkeit der drei Diskussionsteilnehmer.

Onlinetexte überschreiben?

Grosse Unterschiede fanden sich vor allem beim Korrekturstandard. Hansi Voigt und Urs Gossweiler verfolgen ein mindestens „Vier-Augenprinzip“. Dennoch veröffentlichte fehlerhafte Texte werden korrigiert, aber nur dann, wenn es sich um peinliche Tippfehler oder Kommafehler handelt. Inhaltliche Fehler werden von beiden nicht überschrieben, es folgt ein neuer Text oder ein Informationskasten neben dem Text. „Da gilt bei uns die knallharte Regel: Geschichten sind nicht veränderbar“, erörterte der Verleger der „Jungfrauzeitung“. Peter Knechtli hingegen sah genau hier das Schöne vom Onlinejournalismus. Inhalte, die nicht korrekt sind, kann man sofort verändern. Er überschreibt Texte, egal ob es sich um Schreibfehler oder um inhaltliche Fehler handelt. Betont werden muss an dieser Stelle, dass „Online Reports“ von dem Basler als Kleinstbetrieb geführt wird. Er selbst ist der einzig fest angestellte Journalist.

Schnelligkeit als Qualitätsmerkmal

Einen grösseren gemeinsamen Nenner wurde bei den inhaltlichen Qualitätsstandards gefunden. Hier wird mit den gleichen Kriterien wie im Printjournalismus gearbeitet. „Ein Chefredakteur einer Printzeitung kann und muss auch einen Artikel schnell herunterschreiben“, erinnerte Hansi Voigt. Schnelligkeit ist also kein absolutes Qualitätsmerkmal. Hansi Voigt und Peter Knechtli sehen durch die grosse Leserschaft eine Qualitätssicherung und Urs Gossweiler fügte an, dass bei lokalen Nachrichten der Leser meist sehr gut informiert sei und daher eher kritisch lese. Summa summarum sind die zwei Chefredakteure und der Verleger der Ansicht, dass sich die journalistische Qualität von Onlinezeitungen sehr wohl mit denen der Printmedien vergleichen lasse.

Zu überprüfen ist dies unter:

www.20min.ch

www.jungfrauzeitung.ch

www.onlinereports.ch

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