Kultur | 08.06.2009

Musik auch für Männer mit Bartwuchs

Der Schotte Paolo Nutini wühlte für sein zweites Album tief in der musikalischen Vergangenheit. Obwohl er das musikalische Rad so nicht neu erfindet, dürfte er damit viele überraschen.
Paolo Nutini mit kurzem Haarschnitt und deutlich gereift. Fotos: www.paolonutini.com

Was darf man über Männer mit Gitarren noch sagen, ohne gleich ganz tief in der Singer-Songwriter-Klischee-Schublade zu wühlen? „Ehrlich“? Geht ja wohl gar nicht mehr. „Anders?“ Immer gleich. Paolo Nutinis Sequel zu „These Streets“ ist es mir dennoch (oder gerade deshalb) wert, einen Umschreibungsversuch zu wagen.  Wie klingt „Sunny Side Up“? Gleich mal vorweg: Das Album dürfte die Pole-Position der kreischenden Teenies an Nutinis Konzerten ernsthaft gefährden. Denn diese Musik gefällt auch Männern mit vollständig entwickeltem Bartwuchs.

Wie eine Liebeserklärung
Sie ist so klug wie lebensfreudig und deckt alle Facetten des Sommers ab. Paolo Nutinis schlafumwolkte Stimme schlingert zwischen Nostalgie und Enthusiasmus, Hängematte und Road Trip, Parkbank und Zirkusmanege. Er vereint frühen Rock’n’Roll mit Country, Slowdance-Soul mit Tropical-Akkorden und einer Prise Ska. Das ist so herzwärmend wie die Liebeserklärung an seine Jugendfreundin, die in die Wand des Holzhäuschens auf dem Cover geritzt ist. Eine selbsterklärende Textstelle aus „Simple Things“: „My father is a wealthy self-made man, but his wealth does not consist of riches or acres of land, and instead he has a family who are his biggest fans, that’s something that I one day hope to have.“ Das ist doch mal was.

Und wie so oft bei Nutini steckt in „Sunny Side Up“ jede Menge Sex. Und zwar nicht der Ich-verführ-dich-im-windumschmiegten-Kornfeld-Sex eines James Blunt oder das aalglatte Pheromongesprühe eines Justin Timberlake, sondern spontaner, kopfloser Sex nach zuviel Wein, nach einem Fest mit guten Freunden. Was will man mehr vom Sommer.

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