Gesellschaft | 29.06.2009

Lieblingsplätze XI: Mitten im Geschehen

Text von Jasmin Back
In der Steinenvorstadt lässt es sich schlendern, geniessen und vor allem beobachten. Von ihrem Lieblingsplatz aus erhascht die Tink.ch-Reporterin einen Blick auf frisch oder seit Ewigkeiten Verliebte sowie auf junge und alte Freundschaften.
Auf einen Kaffee in eines der zahlreichen Cafés. Fotos: Jasmin Back Das "Küchlin" zieht am Abend die Menschen vor die Kinoleinwand.

Ein Duftgemisch aus asiatischem Essen und Räucherstäbchen weht mir vom Chinesen entgegen. Ich bin soeben in die Steinenvorstadt – im Basler Volksmund als „Steine“ bekannt – eingebogen und schlendere gemütlich in Richtung Heuwaage. Es ist ein sommerlicher Nachmittag und im Vergleich zum Abend noch ruhig. Ein kleiner Laster bringt die nächste Lieferung für eines der Geschäfte und eie älterer Herr fährt – das Fahrverbot praktischerweise unbeachtet lassend – mit dem Fahrrad vorbei. In einem Café sitzen zwei Frauen und diskutieren bei Kaffee und Zigarette angeregt den neuesten Klatsch und Tratsch. „Die Henriette ist ja jetzt mit dem Rolf zusammen. Du, ich sag dir…“.

Links erhebt sich die alte Kulisse des ehemaligen Varieté-Theaters Küchlin. Heute ist es ein Kinokomplex und lockt zu späteren Stunden die Bevölkerung vor die Leinwand. Es ist nicht das Kino einzige in der Strasse. Aber die Steine hat weit mehr als vier verschiedene Kinos zu bieten. Kleine Bars und Cafés, Boutiquen für jeden Kleidergeschmack, Restaurants und Läden für alles, was Mann und Frau brauchen, wechseln sich ab. Genauso vielseitig wie das Angebot sind auch die Passanten.
Sobald es eindunkelt, halten sich Menschen verschiedenster Herkunft, Berufe, Interessen und Alter hier auf. Handwerker trinken ein Feierabendbier, während zwei Schülerinnen zum ersten Mal in die Abendvorstellung eines Films gehen durften und bei einer Cola nun vom süssen Hauptdarsteller schwärmen. Ehemalige Schulfreundinnen treffen sich auf einen Drink und sprechen von den „guten alten Zeiten“. Am Nebentisch sitzt ein älteres Ehepaar und feiert seinen Hochzeitstag. 20 Meter weiter gehen zwei frischverliebte Studenten Hand in Hand, als sie eine Gruppe von grölenden Jugendlichen auf dem Weg in den nächsten Klub überholt.
Und ich sitze ein wenig versteckt an einem kleinen grünen Tisch, beobachte und geniesse. Vor mir Block und Stift für die Kolumne über die wohl vielfältigste Strasse in Basel.

So kommst du hin


Am Bahnhof Basel mit den Tramlinien  8 oder 11 bis zum Barfüsserplatz oder mit der Linie 10 bis zur Heuwaage.