Sport | 22.06.2009

Gegensätzliche Komponenten

Nachdem im ersten Teil der Serie über das Hornussen die geschichtlichen Hintergründe thematisiert wurden, sollen nun die Spielgeräte und der Spielablauf vorgestellt werden.
Ein Hornuss von Nahem, Fotos: Mathias Leuenberger Der viel geübte Schlag Blick auf den Ries

Hornussen besteht in zweierlei Hinsicht aus gegensätzlichen Komponenten. Zum einen ist es zum Teil ein Teamwettkampf, beinhaltet aber auch Elemente eines Einzelsportes. Zum anderen setzt sich das Hornussen sowohl aus einem Angriffsteil als auch aus einem Verteidigungsteil zusammen. Diese Gegensätze sind es, die diese Sportart interessant und faszinierend machen. Eine Hornussermannschaft besteht je nach Liga aus 16 oder 18 Spielern. Das Spezielle an der Mannschaftszusammensetzung ist, dass die Spieler aus allen sozialen Schichten und aus jeder Alterskategorie stammen. Es gibt wohl fast keine andere Sportart, bei der Grossvater, Vater und Enkel in derselben Mannschaft spielen. Bei einem Spiel treten zwei Mannschaften gegeneinander an. Die Auswärtsmannschaft hat zuerst den defensiven Part – das Abtun – zu erledigen, die Heimmannschaft darf zuerst den offensiven Part – das Schlagen – ausführen. Von der Schlagpartei hat jeder Spieler in der ersten Schlagrunde, in der Fachsprache Umgang genannt, zwei Schläge auszuführen. Ziel der Schläger (abschlagender Spieler) ist es, den Hornuss, ein aus Hartgummigranulat gespritzter Puck, möglichst weit nach hinten ins Ries (Spielfeld) zu schlagen. Dies geschieht mit Hilfe des Steckens, ein bis zu drei Meter langer, biegsamer Stock aus Kohlefasern, an dessen Ende ein gepresstes Holzstück (Träff genannt) angebracht ist. Die Schlagtechnik ist ähnlich wie beim Baseball, wobei beim Hornussen das Schlagwerkzeug aufgrund seiner Flexibilität schwieriger zu kontrollieren ist. Ist ein Schlag ausgeführt, wird seine Länge gemessen. Ab einer Länge von 100m werden sowohl dem Schläger für sein persönliches Resultat wie auch der Mannschaft für das Mannschaftsresultat für jede weiteren 10 Meter Weite ein Punkt gutgeschrieben. Landet ein Hornuss beispielsweise nach 270 Metern, ergibt dieser Schlag 17 Punkte.

Schlagen und Abtun

Das Schlagen ist der Individualteil des Hornussens. Jeder Spieler ist beim Abschlagen auf sich alleine gestellt. Das Interessante am Schlagen ist der Mix aus Technik, Kraft und mentaler Stärke, die benötigt wird, um einen optimalen Schlag auszuführen. Haben alle 18 Spieler der einen Partei ihre ersten zwei Schläge ausgeführt, wird gewechselt. Die Heimmannschaft hat nun den defensiven Part zu erfüllen, während die Gastmannschaft ans Schlagen kommt. Beim Abtun verteilen sich die 18 Spieler der verteidigenden Mannschaft im Ries, wie das Spielfeld beim Hornussen genannt wird. Das Ries beginnt 100m nach der Abschlagsstelle, wird nach hinten immer breiter und ist in der Länge in zehn Meter lange Abschnitte unterteilt, welche die Bewertung der Schlaglänge erlauben. Ziel der Abtuer ist es, alle von der Gegnermannschaft geschlagenen Hornusse, welche innerhalb des Rieses herangeflogen kommen, mit Hilfe eines Holzbrettes mit Stiel (Schindel genannt) abzutun. Jeder Hornuss muss somit zuerst auf Holz treffen, bevor er endgültig auf den Boden fällt. Fliegt ein Hornuss innerhalb des Rieses unabgetan, also direkt, zu Boden, wird der abtuenden Partei ein Strafpunkt (Numero) notiert. Beim Abtun ist eine perfekte Teamleistung notwendig. Die Hornusser, die vorne im Ries stehen, sehen die Hornusse zuerst und zeigen sie den hinter ihnen stehenden Kameraden. Dies geschieht mittels lauten Zurufen, indem die Richtung und ungefähre Länge des heranfliegenden Hornusses bekanntgegeben wird. Der Zyklus des Spieles, dem Wechsel aus Schlagen und Abtun, wird noch ein zweites Mal wiederholt. Nach Spielende werden die Schlaglängen (gesamthaft werden 72 Schläge geschlagen) jeder Mannschaft addiert und verglichen. In der NLA betragen diese Totalresultate zwischen 1200 und 1500 Punkten, in der 2.Liga zwischen 800 und 1000 Punkten. Wichtigeres Kriterium der Schlussbilanz sind jedoch die Strafpunkte vom Abtun. Es gewinnt, unabhängig von der Schlagpunktzahl, immer diejenige Mannschaft, welche weniger Strafpunkte auf ihrem Konto hat. Dieser Umstand macht auch Spiele zwischen einer NLA-Mannschaft und einer 5. Ligamannschaft interessant.

Individual- und Mannschaftsleistung

Sowohl das Schlagen wie auch das Abtun setzen Erfahrung voraus. Beim Schlagen braucht es viel Training, um die Technik des Abschlags zu erlernen und zu perfektionieren. Beim Abtun braucht es Routine, um die Hornusse zu sehen und ihre Flugbahn einschätzen zu können. Ein interessanter Aspekt des Hornussens ist das Zusammenspiel zwischen Individual- und Mannschaftsleistung. Ein einzelner Hornusser hat beim Schlagen seinen Erfolg selbst in den Händen, beim Abtun braucht es aber ein funktionierendes Team, um zu gewinnen. „Ein Team ist immer so stark wie sein schlechtestes Mitglied“. Dieses Sprichwort trifft auf das Schlagen weniger zu, dafür auf das Abtun umso mehr. Eine kleine Unkonzentriertheit eines einzelnen Hornussers im Ries genügt oftmals um ein Numero zu kassieren und somit den Teamerfolg unter Umständen zu verunmöglichen.

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