Gesellschaft | 08.06.2009

Die Rückseite der weissen Weste

Der Autor macht sich Gedanken über das Leben in Luzern nach Inkrafttreten des Wegweisungsartikels und den neuen Massnahmen gegen Littering. Ein Reiseführer für alle, die Spass haben möchten, ohne das Gesetz zu brechen.
So ein Schild sucht man in Luzern noch vergebens, aber wer weiss, vielleicht montiert die Stadt demnächst eines.
Bild: http://ljplus.ru Auch Skater haben es in Luzern neuerdings schwer. Bella Krahl

Die staatliche Putztruppe schreitet munter voran: nachdem in den vergangenen Jahren bereits in mehreren Schweizer Städten Wegweisungsartikel eingeführt wurden, ist anfangs Mai auch in Luzern eine solche Regelung in Kraft getreten. Diese macht es möglich, dass Personen, die auf öffentlichen Plätzen in Luzern negativ auffallen, für unbestimmte Zeit von dort verwiesen werden können. Der Wegweisungsartikel richtet sich vor allem gegen Jugendliche, Punks und einige Obdachlose, für die der Bahnhof und seine zahlreichen Sitzbänke sozusagen zum zweiten Wohnzimmer wurde.

Praktischerweise wurde der Wegweisungsartikel kombiniert mit einem Gesetz gegen Littering, welches verbietet, das Kaugummis und Zigarettenstummel auf dem Boden landen. Abfall und ungewöhnliche Menschen sind in den Augen der Gesetzgeber und der Bevölkerung offenbar Dasselbe: Schmutz der gefälligst nicht das öffentliche Strassenbild trüben soll. Damit sich aber all diese nicht alltagskonformen Subjekte trotzdem weiterhin frei in Luzern bewegen können, hat der Autor einen alternativen Reiseführer zusammengestellt, der anhand von praktischen Beispielen erläutert wie mit den neuen Regelungen umgegangen werden soll. Der Autor empfiehlt die Ratschläge so zu betrachten wie das Abstimmungsergebnis das zu dieser Regelung geführt hat – mit Ironie.

Tipps fürs Abendprogramm

Wer sich mit einem Bier an die Ufer des Vierwaldstädtersees setzen möchte, sollte die Lederjacke mit Nieten und die Second Hand-Garderobe besser zu Hause lassen. Das gilt ebenso für etwaige Rastafrisuren oder kunstvolle Langhaarkreationen (vor allem bei den männlichen Reisenden). Polizisten haben keine Vorurteile, aber wenn sie jemanden wegen allfälligen Alkoholmissbrauchs rügen oder nach eventuellen Drogen durchsuchen, dann sind es bestimmt nicht junge Menschen in teuren Designer-Kleidern.

Wer also die Lederjacke mit den Nieten anbehalten möchte, der sollte, sobald das Bier gekauft ist, das Bahnhofsareal verlassen. Gesellschaftliches Trinken ist  auf dem Gelände natürlich nicht genrell verboten, auch hier macht die Polizei Ausnahmen für spezielle Fälle. Zum Beispiel die Fasnacht. Dann, wenn selbst der Stadtrat die Festbänke mit dem einfachem Volk teilt und die Welt durch grosse Kafi-Schnaps-Gläser betrachtet wird, das Botéllon-Verbot zeitweilig aufgehoben.

Wer sich mit seinen Kollegen beim KKL (Kunst- und Kongresszentrum Luzern, gleich neben dem Bahnhof) treffen möchte, dem empfiehlt der Reiseführer vorher den KKL-Veranstaltungskalender auf Events mit Konfliktpotenzial zu prüfen. Am besten geht man Veranstaltungen aus dem Weg, die ein Publikum anlocken das den guten Geschmack des Lesers nicht teilt. Da er sonst, laut § 19 Absatz 1d des Wegweisungs und Fernhaltungs Gesetzes, das Pietätsgefühl dieser Personen verletzt oder gefährdet. Weiter schlägt der  Reiseführer vor, Kehrichtsäcke von zu Hause mitzunehmen. Auch wenn die Stadt unglaublich viele Abfalleimer zur Verfügung stellt, kann es in Ausnahmefällen vorkommen, dass diese überquellen. Und man will ja keine Busse kassieren, nur weil sich die leere Chipstüte nirgends entsorgen lässt.

Verhalten bei Wegweisung

Bei einer Wegweisung durch die Ordnungshüter, muss man sich nur nächstgelegenen Wegweisungszone begeben. Der Reiseführer empfiehlt, sich vorher im Internet über deren Standorte zu erkundigen. In der entsprechenden Zone wird ein Ticket gelöst auf dem steht, in welchen Stadtabschnitt man sich begeben muß. Bei weggewiesenen in Gruppen kann es vorkommen,  dass sie getrennt und auf verschieden Abschnitte verteilt werden. Der Reiseführer bittet um Verständnis. Zu viele Weggewiesene auf zu engem Raum verunsichern die Touristen und die Polizei. Aber, don’t panic!

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