Kultur | 15.06.2009

Der Kritik getrotzt

Überzeugende Hauptacts, ein reibungsloser Programmablauf und sommerliche Temperaturen: Trotz geringem Besucherrückgang entpuppte sich das Greenfield Festival 2009 als Erfolg.
Sie waren eines der Highlights am diesjährigen Greenfield: Billy Talent aus Kanada. Fotos: Thomas Hirsbrunner und Julian Perrenoud Billy Talent-Bassist Jonathan Gallant. Auf Comeback-Tour: Faith No More. Faith No More-Sänger Mike Patton schwitze ganz offensichtlich ordentlich. Richtig heiss wurde es mit den finnischen Nightwish und deren Pyroshow. Gitarrist Emppu Vuorinen genoss den Auftritt sichtlich. Bassist Marco Hietala und Sängerin Anette Olzon gewannen das Publikum für sich.

Zu metallastig, zu wenig grosse Namen – Vor Festivalbeginn wurde von vielen Seiten Kritik am Line-Up des Greenfield geübt. Dass der härtere Musikstil das Festival jedoch keinesfalls mindert, bewies das vergangene Wochenende. Nachdem am Freitag die Band Social Distortion mit schnörkellosem Punkrock das dreitägige Rockfest so richtig eröffnet hatte, erfüllten auch die finnischen Nightwish mit einem soliden Auftritt und einer bemerkenswerten Pyroshow ihre Pflicht. Fürs Highlight im Freitags-Programm sorgte jedoch die irische Folk-Band Flogging Molly. Beim eineinhalbstündigen Auftritt im proppevollen und brütend heissen Zelt blieb kein Bein ruhig und kein Shirt trocken.  

Gelungenes Comeback

Auch am Samstag wurden allen voran die Aushängeschilder ihren Namen gerecht. Nach etwas eintönigen, dafür umso härteren Auftritten von Volbeat und Soulfly erntete sich Billy Talent mit einem energiegeladenen Konzert mächtig Applaus aus dem zahlreichen Publikum. Und dann war es auch schon soweit: Die nach elf Jahren Pause sehnlichst zurückerwarteten Herren von Faith No More betraten die Hauptbühne. Was dann folgte, war – auf den Musikstil bezogen – eine fast zweistündige Berg und Talfahrt. Ihr hochgepriesener Crossover bewies, wie facettenreich Rock sein kann. Einzig Probleme mit dem Mikrofon liessen Sänger Mike Patton während des Auftritts immer wieder Techniker auf die Bühne holen.  

Turbulentes Festivalende

Dunkle Wolken zogen zum Festivalende am Sonntagabend über dem alten Militärflugplatz auf. Doch dafür waren weder Korn noch der Headliner Slipknot verantwortlich. Obwohl die beiden Nu-Metal Bands für heftige Musikgewitter sorgten, war es Petrus, der mit einem Platzregen noch eine lupenreine Wetterbilanz platzen liess. Doch beklagen durfte sich der Festivalgänger trotzdem nicht. Zum ersten Mal in der fünfjährigen Geschichte des Greenfields, fiel über weite Strecken der drei Tage kein Regen. Im Gegenteil: Die Sonne brannte beinahe pausenlos mit bis zu 30 Grad auf die Interlakner Musikstätte nieder.  

Erfolgreich trotz Besucherschwund

Genau 24’188 Besucher zählte das Organisationskomitee am diesjährigen Greenfield. Das sind rund 2000 weniger als im Vorjahr. Programmchef Dieter Bös erklärt sich den Rückgang mit „dem Konsequent harten Line-Up, das ein weniger breites Publikum anspricht.“ Als Kritikpunkt an die Organisation ist einzig das ungelöste Problem mit den enormen Müllmengen aufzuführen. Heuer entwickelten sich grosse Abfallberge aufgrund verschiedener Werbeaktionen. Mit einem breiten Angebot hob sich das Greenfield 2009 jedoch von vorhergegangenen Ausgaben ab. Tagsüber stand den Festivalgängern erstmals ein „Playground“ mit Attraktionen wie Skate-Anlagen, Kletterwänden oder einer Fahrradvermietung zur Verfügung. Mit neuen Festzelten und Bars wurde auch die Lounge- und Partyzone optimiert.

Interlaken rockt weiter

Nach diesem erneut erfolgreichen Greenfield steht fest: Auch im nächsten Jahr findet das Festival eine Fortsetzung. Dies bestätigt Programmmanager Bös an der Pressekonferenz am Sonntag. Trotz schwindender Besucherzahl wolle man zudem am eingeschlagenen Weg des härteren Musikstils festhalten.

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