Kultur | 22.06.2009

Choreografische Festnahme

Text von Samy Ebneter
Nach einer mehrmonatigen Drehpause traf sich die Crew von «SAMovie Pictures« zu einem weiteren Dreh. Dieses Mal stand ein Sturm der Polizei auf eine Drogenwohnung auf dem Plan. Auch hier fehlt es nicht an Authentizität.
Eine etwas vernachlässigte WG dient als Drehort. Fotos: Samy Ebneter Genauestens wurden die einzelnen Schritte abgesprochen. Eine Verletzung aus einer Schiesserei? Zum Glück nur das Kunstwerkeiner Visagistin. Drogenjunkies mussten an diesem Drehtag festgenommen werden.

Der Drehtermin war am Sonntagmorgen auf acht Uhr angesetzt worden. Die Statisten, die an diesem Tag die Drogenjunkies mimen sollten, erhielten im Vorfeld die Anweisung, auch mal tiefer ins Glas schauen zu können. Dies reichte aber nicht, so dass Visagisten Silvia Zingg den Rest übernahm.

In der Wohnung, die für den Dreh zur Verfügung gestellt wurde, musste der (positive) Schock verarbeitet werden. Die Bewohner vernachlässigten für einen authentischen Anblick den Haushalt: Die Küche war voll mit dreckigem Geschirr, am Boden klebte mindestens ein halber Liter Sirup. Ungefähr zehn Papiertaschen,  prall gefüllt mit Sperrgut und Abfall, zierten den Küchenboden, neben dem Stubentisch fand man vereinsamte leere Bierdosen. Man hatte wirklich den Eindruck, in eine Drogenparty reinzuplatzen. Aber das war ja genau nach unserem Geschmack.

Schiesserei in der Wohnung
Die Polizeitruppe war zusammengestellt und mit den Requisiten ausgerüstet worden. Dieses Mal waren erneut richtige Schusswaffen am Set. Einer der Polizeistatisten, der sich auf den Verkauf von Sicherheitsbekleidung und Waffen spezialisiert hatte, stellte uns diese zur Verfügung. Natürlich alles in Absprache mit der richtigen Polizei. Die Ordnungshüter erteilten uns die Erlaubnis, auf privatem Gelände auch ohne Waffentragschein zu schiessen.

Die Stürmung der Wohnung war nicht ganz einfach zu gestalten. Mit dem Sicherheits-Spezialisten wurde regelrecht eine Choreographie erstellt. Wer stürmt wohin, wer wird von wem festgenommen und woher kommt welcher Junkie? Die grösste Herausforderung war allerdings eine Schiesserei in der Wohnung darzustellen. Alleine den Mut aufzubringen, auf sich schiessen zu lassen, brauchte Überwindung. Auch wenn da „nur“ Platzpatronen drin waren, die Waffen waren echt!

Nach einem ganzen Drehtag waren dann endlich alle Junkies verhaftet, das Beweismaterial sichergestellt und die Waffen wieder gesichert. Der Dreh war äusserst erfolgreich und auch spannend.  Und als der Drehort wieder „freigegeben“ war, ging sogar in dieser Wohnung, man glaubt es kaum, der Putzfimmel los.

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