Kultur | 15.06.2009

„Bier anstatt Wein“

Einmal im Jahr steht Interlaken Kopf. Dann nämlich, wenn die ruhige 5000-Seelen Gemeinde im Berner Oberland für drei Tage in die Hand einer wilden Horde Rockbegeisterten gerät. Vom Ansturm der Greenfield-Besucher besonders betroffen ist Coop.
Die Massen sind durstig: Menschenmenge am Greenfield Festival.
Bild: Thomas Hirsbrunner

Das Greenfield Festival – Wie bereits in den vergangenen Jahren lockte das grösste nationale Rockereignis auch bei seiner fünften Ausgabe wieder weit über 20’000 Besucher nach Interlaken. Untergebracht wird die Menschenmasse in Zelten auf dem Areal des alten Militärflughafens, rund 20 Gehminuten vom Dorfkern entfernt.  

Billig muss es sein

Natürlich geht der Grossanlass am Herzen Interlakens nicht spurlos vorbei. Und das nicht nur bei der Ankunft oder der Abreise der Musikfans. Vor allem am Samstagmorgen – wenn auf dem Festivalgelände noch keine Bands auftreten und die Läden in Interlaken geöffnet sind – zieht es Jahr für Jahr mehrere tausend Festivalbesucher ins Dorfinnere. Viele pilgern zu Fuss ins Zentrum, andere greifen auf das kostenlose Angebot der Shuttle-Busse zurück. Das Ziel in Interlaken: Billiger einkaufen als in den überteuerten Shops auf dem Festivalgelände. Dabei steht die Coop-Verkaufsstelle direkt am Bahnhof Interlaken Ost inmitten des Schussfeldes. 

Bei Premiere überrannt

„Beim ersten Greenfield wurden wir gnadenlos überrannt. Wir konnten einen solchen Ansturm nicht ahnen und waren in allen Belangen überfordert“, erinnert sich Peter Neuenschwander, Verkaufsleiter der Coop-Filiale Interlaken ans 2005 zurück. Mittlerweile hat Coop den alljährlichen Ausnahmezustand aber fest im Griff und bereitet sich entsprechend darauf vor. Die Leute werden gestaffelt in den Supermarkt eingelassen, kontrolliert wird die Lage durch den Sicherheitsdienst Securitas. Um die Regale in vollem Zustand zu halten, arbeiten zehn Coop-Angestellte mehr in Interlaken als dies an einem normalen Wochenende der Fall ist.  

Nur Weihnachten lukrativer

Der durchschnittliche Festivalbesucher ist jedoch auch nicht auf die selben Produkte aus wie der Durchschnittsbürger aus Interlaken. Wie Neuenschwander sagt, wird das Sortiment vollständig den veränderten Ansprüchen angepasst: „Bier und Wasser ersetzen beispielsweise zu einem grossen Teil das Weinsortiment, das Gemüseangebot weicht einer breiten Auswahl an Früchten.“ Natürlich ist das Ausnahmewochenende für Coop auch entsprechend lukrativ. Laut Neuenschwander ist es ein sehr rentables Wochenende, allerdings nicht das Beste im Jahr: „Über Weihnachten und Neujahr verzeichnen wir grössere Einnahmen. Zwar haben wir dann weniger Kunden, allerdings setzen wir teurere Produkte ab.“

Stille im Westen

Nur eine Zugminute von Interlaken Ost entfernt präsentiert sich die Lage im Westen des Dorfes am thematisierten Samstagmorgen in einem gänzlich anderen Licht. Festivalbesucher sind zwar auch dort anzutreffen, allerdings nur vereinzelt. In der Filiale des anderen Grossverteilers, der Migros, sind die Einheimischen den Rockern zahlenmässig überlegen. Ob dies am längeren Einkaufsweg oder am fehlenden Alkohol liegt, bleibe dahingestellt.