Gesellschaft | 29.06.2009

Badeplausch

Text von MZ
Das Marzili ist wunderschön, es bietet einen gemütlichen Rasenplatz, Schleckeis und eine kühle Erfrischung in der Aare, doch manchmal ist es sehr überfüllt. Auf der Suche nach Alternativen.
Fast wie am Meer. Fotos: Manuela Zeiter Frischer Wind am See. Zum Aufsteigen einladene Schiffe. Blick durch die Schiffsluke. Paradiesisches Flair.

Stadtberner sind einfach verwöhnt: An heissen Sommertagen können sie nach einer rasanten Shoppingtour im Freischwimmbad Marzili ihre Schweissperlen abkühlen und je nach Lust und Laune im Angesicht der Machtzentrale der Schweiz ein Sonnenbad nehmen. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass ein solches Luxusgut auch Pendler und Migranten zu nutzen wissen und nun das Marzili innerhalb der bernischen Reihen nicht mehr als Erholungsgeheimtipp gilt. In Stosszeiten, das heisst vor allem an den Wochenenden, wünschen sich viele Bernerinnen und Berner ein ruhigeres Stückchen Erde, eine alternative Wohlfühloase zum Marzili. Um sich diesen nostalgischen Wunsch zu erfüllen, nehmen sie auch längere An- und Rückreisen in Kauf; sofern sie nicht selber am Steuer sitzen müssen. Eine Alternative: ein Schweizer See!

 

Via ÖV zum Paradies

Begutachtet man die Schweizer Landeskarte etwas genauer, dann fallen die vielen Seen im nordwestlichen Teil des Kantons Bern auf. Als Erkundschafter der alternativen Wohlfühloasen und Eigentümer eines SBB-Generalabonnements stellt man sich nicht zweimal die Frage, ob an einem Hitzetag die Reise zu einem abkühlenden Ort sich lohnen würde oder nicht. Das T-Shirt und die kurzen Hosen montiert, der Rucksack samt notwendigem Inhalt auf dem Rücken, geht es vom menschenvollen Hauptbahnhof Bern in Richtung Biel mit dem Zug, um schliesslich mittels dem Bielerseekreuzfahrtschiff „Berna“ das charmante Örtchen Erlach zu erreichen. Auf dem 115-minütigen Weg dorthin kann man den Rucksack mit kulinarischen Leckerbissen auffüllen, zurücklehnend und entspannt die malerische Seelandschaft aus dem Zugfenster betrachten, vor der Schifffahrt die Albinohaut mit einer tüchtigen Portion Sonnencreme einschmieren, auf dem Schiff durch die Sonnenbrille die Tier-Formationen der Schönwetterwolken erraten und die wehende Bieler Seeluft durch die durchwirbelten Haare spüren. Die Vorstellung, nun im bernischen Marzili zu weilen und dort um einen sonnigen Platz mit einer fremden Person zu kämpfen, wird von der Realität eingeholt, als der Schiffskapitän eine Durchsage macht; das Ziel erreicht, das Paradies vor Augen!

 

Erlach – Ein alternatives Plätzchen

Schon vom Bug aus kann man den feinen Kieselsteinstrand von Erlach entdecken, der von einer Camping- und Parkanlage umgeben wird. Das Wissen allein, dass man nun bald dort einen schattigen oder sonnigen Platz finden wird, wirkt schon abkühlend. Spätestens nachdem man die mitgeschleppte Decke ausgebreitet hat und die eingekauften Häppchen sich wie auf dem Präsentierteller zurecht gestapelt haben, weiss man, dass sich die relativ lange Anreisezeit gelohnt hat und dass die nahezu perfekte Stimmung nur noch von verlaufenen Marziligästen getrübt werden kann.