Kultur | 22.06.2009

Ausgang auf Serbisch

Die serbische Stadt Subotica hatte einst ein richtiges Kulturangebot. Nun ist nicht mehr viel davon übrig und die Jugendlichen suchen nach Alternativen. Eine Tink.ch-Reporterin verschaffte sich einen Überblick.
Es läuft nicht sehr viel in Subotica, aber wenn, dann wirds grossflächig mit Plakaten beworben. In diesem Fall weisen die Plakate auf das alljährliche Trenchtown-Festival an, das am Palic-See stattfindet. Fotos: Noemi Anne Helfenstein Kreativität wäre genug da: Eine Hauswand voller Grafittis. Cocktails kosten auch für junge Leute in Subotica eine Menge. Deswegen mixt man sie sich lieber Zuhause. Junge Menschen in Subotica beim Tanzen in einem Café.

Am 6. Juni, begann in der serbischen Stadt Novi Sad das Kino-und Mediafestival „Cinema City“. Für die rund 120 Veranstaltungen in acht Tagen wurden zahlreiche Besucherinnen und Besucher erwartet. Abgesehen davon aber hat Novi Sad, mit mehr als 300’000 Einwohnern immerhin die zweitgrösste Stadt Serbiens, kein funktionierendes Kino mehr. Der letzte Saal wurde im Winter geschlossen, weil der Besitzer die Gasrechnungen nicht bezahlt hatte. In Subotica, der Stadt wo ich lebe, bleibt noch ein letztes Kino übrig. Bereits aber kursieren Gerüchte über die baldige Schliessung. Meist werden Filme vom Internet heruntergeladen oder als DVDs gekauft und zu Hause angeschaut, erklärt Ivana. Es gäbe kaum Kinokultur unter den Jugendlichen, sagt sie. Dies obwohl Sandor Lifka hier 1919 das erste Kino im heutigen Serbien eröffnet hatte. Aber wohin laden denn die serbischen Jungs Mädchen zum ersten Rendez-vous ein? „Uff, die laden einen überhaupt nirgendwohin ein“, sagt Ivana, „das ist alles zu teuer“.


Die Bürokratie verhindert oft Innovationen

Eine Option wäre allenfalls das Theater. Obwohl das berühmte und beliebte alte Stadttheater im Zentrum abgerissen worden ist, finden noch immer regelmässig Vorstellungen im Jugendtheater, einem schlichten sozialistischen Backsteinbau am Ende des Korsos, statt. Besonders zahlreich ist das Publikum bei den Vorpremieren, wo kein Eintritt bezahlt wird. Die Bars in Subotica wo abends etwas läuft und zwischendurch Live-Musik gespielt wird, lassen sich an einer Hand abzählen. Diskos gibt es nicht, höchstens einige Klubs, die Ivana und Oskar als „fancy“ einstufen. Eine alternative Kulturszene fehlt fast gänzlich. Subotica ist eine multikulturelle Stadt. So gibt es zwar mindestens ein ungarisches, ein kroatisches und ein serbisches Kulturzentrum, ein Raum für gemeinsame interkulturelle Veranstaltungen fehlt allerdings.

Trotz fortschrittlicher Minderheitenpolitik und dem Label «Europäische interkulturelle Stadt«, leben Ungaren, Serbinnen, Kroaten, Bosnierinnen und Roma in Subotica weitgehend separat. Der städtische Jugendtreff, ein Versuch zumindest für Jugendliche einen Begegnungs-Ort zu schaffen, wurde vor einem Jahr ersatzlos geschlossen. Verschiedene NGOs versuchen  seither Abhilfe zu schaffen. Sie organisieren Gratis-Filmvorführungen, Ausstellungen und Konzerte. Leider finden sie wenig Unterstützung von offizieller Seite und viele innovative Projekte scheitern an einer zu langwierigen Bürokratie.

Mangels interessanterer Angebote, treffen sich die Jugendlichen in Subotica für ihren Ausgang weiterhin mit Vorliebe auf einigen Sitzbänken in einem Park oder auf der „Radialza“, einer weiten Spazierallee im Stadtzentrum. In einem der kleinen Kioske, die bis spät in die Nacht geöffnet sind kaufen sie dazu Bier in 2-Leiter-Petflaschen, Fruchsäfte und Plastickbecher zum Stückpreis.

Mehr zur Autorin und zu „Jugend in Aktion“


Noemi Anne Helfenstein (23 Jahre), wohnt in der Schweiz und hat an den Unis Neuchatel Fribourg und Bern einen Bachelor-Abschluss in Geschichte und Slavistik gemacht. Seit März 2009 ist sie mit dem European Volunteer Service (Eine Aktion des Programms "Jugend in Aktion") in Subotica, wo sie für die Local Democracy Agency arbeitet. Ab September diesen Jahres kehrt sie vermutlich wieder in die Schweiz zurück, um in Genf ihren Master in Internationaler Geschichte und Politik zu machen.

 

Willst auch du an einem Seminar, Trainingskurs oder einer Jugendbegegnung teilnehmen oder selber ein Projekt durchführen? Mehr Infos dazu findest du auf der Homepage der Schweizerischen Koordinationsstelle Jugend für Europa unter www.jugendfuereuropa.ch oder info@jfeuropa.ch.

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