Kultur | 22.06.2009

Am Anfang war die Katze

Im Roman "Samuel und die Liebe zu den kleinen Dingen" verhilft das Schicksal einem gelangweilten Literaturdozenten zu neuem Schwung in seinem Leben.
Bild: www.amazon.de Der Autor Francesc Miralles ist hierzulande eher unbekannt. Mit viel Liebe zum Detail: Der Roman "Samuel und die Liebe zu den kleinen Dingen". Shoppingtipp für Buchliebhaber: Buchhandlung Beer in Zürich.

Der katalane Francesc Miralles schrieb mit „Samuel und die Liebe zu den kleinen Dingen“  einen faszinierenden Roman. Der naiv klingende Titel steht dabei im Gegensatz zum philosophischen und inspirierenden Inhalt. Die Geschichte spielt in Barcelona, der Geburtsstadt des 1968 geborenen Autoren. Der Protagonist Samuel ist Literaturdozent an der Universität, auch hier spiegelt sich eine Parallele zu Francesc Miralles, der Germanistik studierte.

Eine Katze am Anfang des Schicksals

Samuel ist Mitte dreissig, alleinstehend und erwartet von seinem bisher recht eintönig verlaufenen Leben nicht viel und vor allem keine positiven Veränderungen mehr. An einem Neujahrsmorgen wird er durch seltsame Geräusche gestört und kann diese schliesslich einer Katze, die auf den Treppenstufen vor seiner Wohnung weilt, zuordnen. Zu seinem Verdruss entschwindet diese gleich in seine Wohnung. Hier beginnt eine Kette von neuen Ereignissen. Durch die Katze lernt er einen bisher unbekannten Nachbarn kennen und durch den er wiederum fast seiner einstigen Jugendliebe in die Arme läuft. Nach und nach wird das bisher fade Leben von Samuel reichlich verändert. Mit viel Ironie beschreibt der Autor einzelne Situationen so genau, dass der Leser sich gut in diese hineinversetzen kann und köstlich amüsiert wird.

Das Spezielle an diesem Buch ist, dass es eine gewisse Leichtigkeit des Lebens zeigt, ohne oberflächlich zu sein. Melancholische Stellen voller Musse sind passend eingewoben, so liest Samuel gerne in einem kuriosen Wörterbuch mit Wörtern, die es nur in einer Sprache gibt und die nicht zu übersetzen sind. Zum Beispiel das japanische Wort „ah-un“, welches eine stillschweigende  Verständigung zwischen zwei Freunden umschreibt.

Verweise auf die Literaturgeschichte

Neben Samuels Privatleben, geht das Buch auf seine Tätigkeit als Literaturdozent ein. Dadurch wird der Leser mit einigen interessanten Überlegungen zu bekannten Klassikern konfrontiert. Hier kommt das Literaturstudium des Autoren zum Vorschein. Nebenbei erfährt man, dass „Die Leiden des jungen Werther“ schon damals in zwölf Sprachen übersetzt wurde. Beim Lesen des Buches kam ich an eine Stelle, die mich stocken liess, da mir die geäusserte Philosophie bekannt vorkam. Francesc Miralles lässt Samuels kranken Nachbarn eine Art Abschiedsbotschaft erklären. Schwerkrank liegt der arme Mann im Krankenhaus und trichtert Samuel ein, dass die Menschheit niemals etwas wissen wird, da es „keine Art von echtem, unumstösslichem Wissen gibt“.  Während Goethe Faust sinnieren lässt, dass wir nichts wissen können und dieser sich daher der Magie ergeben wird, lässt Miralles die Welt der Gefühle leben.

Wo man das Buch bekommt


Wer kleine, speziell sortierte Buchläden sucht, auf die Meinung von einem Pfeife rauchenden Buchhändler zählt, der ist im 1837 (!) gegründeten Buchladen Beer, in der Zürcher Innenstadt goldrichtig. Die Beratung des etwas eigenbrötlerisch wirkenden Buchhändler am St. Peterhof ist sehr facettenreich – Zeit und Interesse müssen auf jeden Fall mitgenommen werden und Buchliebhaber sind mehr als Willkommen. Bücher aus der Bestsellerliste findet man hier eher selten, dafür gut sortierte Fachbücher (u.a. Psychologie/ Pädagogik) und besondere Belletristik, oft Neuankömmlinge. So passt das vorgestellte Buch genau zu diesem Buchladen. Gefunden habe ich das Buch nur beim "Beer". Andere Buchläden konnten nicht einmal etwas mit dem Namen des Autoren anfangen.

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