Kultur | 11.05.2009

Wo kleines plötzlich gross und wichtig erscheint

Text von Luzia Tschirky
Manuel Stahlberger und seine Band traten im Buchser Kleintheater "Fabriggli" auf. Mit ihrem aktuellen Programm lassen sie das Publikum in den Spiegel schauen und Alltagssituationen wieder erkennen. Tink.ch war dabei.
Stahlberger und Band machen aus Kleinigkeiten des Alltags Poesie mit Wiedererkennungseffekt. Fotos: stahlberger.ch

„Setzen Sie sich mit Stahlberger auf einen nassen Baumstamm. Ein sanftes Licht wird sich über Ihr Leben und Ihre Welt legen und auf einmal wird Ihnen alles klar.“ Liest man so etwas auf der Rückseite eines CD Covers, so wundert man sich im ersten Moment vermutlich ziemlich über die Bedeutung dieser Sätze. Stahlberger, ist das ein Esoterik-Guru, ein Sektenführer? Nein und nochmals nein. Stahlberger, das ist ein Musiker mit Texten, die tiefer gehen und einen nicht kalt lassen. Über grosse Gefühle und wichtige Ereignisse im Leben singen viele Musiker. Viel zu unbeachtet bleiben da die kleinen Dinge im Leben, deren Wirkung auf uns vermutlich grösser ist, als wir es uns vorstellen können. Über diese Dinge vermag Stahlberger so packend, so mitreissend zu texten, dass man das Gefühl hat, gerade das zu erleben, wovon er singt.

Provokativ und sarkastisch
Siedlungen, bunt bemalt, können ihr kaltes Gesicht nicht vor ihm verstecken. Kommt man demnächst an einer Hochhaussiedlung vorbei, so ist die Kälte förmlich zu spüren. Die Musik lässt die Zuhörer sich selbst darin wieder erkennen. Wer bis anhin meinte, mit offenen Augen durchs Leben zu gehen, wird schnell merken, dass Blicke allein vermutlich nicht reichen, die Tiefe eines Momentes so erfassen zu können wie Stahlberger das kann. Jedem erdenklichen Moment haucht er ungeahnte Poesie ein. Nicht nett und adrett, nein, auch durchaus provokativ und sarkastisch. Als ob die Musik noch nicht hörenswert genug wäre, schafft er es auch noch anzuklagen. Unserer Gesellschaft mit ihren Missständen wird unmissverständlich der Spiegel vorgehalten. Manuel Stahlberger hält dem Publikum die eigene Spiessigkeit in Texten vor. Was wirklich nicht zu Unrecht geschieht. Denn verfällt man nicht leicht den überall geltenden Verhaltensmustern, übernimmt sie schleichend ins eigene Leben, ohne es wirklich zu merken?

Lange Instrumentenliste
Stahlberger gewann den diesjährigen Salzburger Stier, einer der grössten Kleinkünstlerpreise des deutschsprachigen Raumes. Im Schweizer Fernsehen waren Stahlberger und seine Band auch schon zu sehen. Obwohl er auf Schweizerdeutsch singt, reist er für Konzerte auch auf Deutschland. Die Band hinter dem Sänger, der auch Ukulele und Casio spielt, besteht aus Christian Kesseli an der Gitarre, Wurlitzer, Rhodes, Klavier, Hawaiigitarre oder der Bluesharp, Michael Gallusser am Schlagzeug, Perkussionsinstrumenten, Gitarre, Rhodes und Marcel Gschwend am Bass. Nach dieser langen Instrumentenliste braucht nicht mehr gesagt zu werden, wie vielfältig die Musik ist. Der Text und die Musik harmonisieren derart miteinander, dass es unvorstellbar scheint, dass es sich bei der Band um eine Formation handelt, die noch nicht lange gemeinsam auftritt und erst dieses Jahr ihr Debütalbum veröffentlicht hat. Während des Spielens verfallen die Musiker in eine Art Trance, unerreichbar tief scheinen sie in die Klänge abzutauchen, nur Stahlberger steht vorne, hinter dem Mikrofon.

Auf Showeinlagen kann der gebürtige St.Galler verzichten, die Aufmerksamkeit ist ihm gewiss. Während er singt, wird man das Gefühl nicht los, diese Augen würden wieder etwas für ein neues Lied sehen. Wer weiss, ob er nicht nach dem Auftritt von der Bühne steigt und beginnt über die Leute aus dem Publikum zu texten. Was einzig und allein zu kurz war die Länge des Konzerts. Vielleicht ist das Repertoire der Band noch nicht abendfüllend, was man sich bei diesen Talenten aber nur schlecht vorstellen kann. Die Strassen draussen sind noch nass vom Gewitterregen und das frühlingshafte Abendlicht schimmert nur spärlich durch die Wolkenschicht. Wäre es nicht wunderbar, eben genau über solche Momente schreiben zu können, wie Manuel Stahlberger das kann? Kaum vorstellbar, dass es für ihn lange so aussah, als ob er seinen Lebensunterhalt mit Comiczeichnen verdienen würde.

Neugierig geworden? Manuel Stahlberger stellt vier seiner Songs zum Hören zur Verfügung. Weitere Hörproben gibt es auf der Website von Stahlberger und Band.

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