Gesellschaft | 18.05.2009

Wir warten auf die Krise

Wir alle stecken mit drin, doch niemand ist sich wirklich sicher: Ist sie das, die grosse Krise? Länder wie Brasilien sind über diese Zweifel bereits hinweg.
Ebenso unkontrollierbar wie die Märkte: Die Wellen des Meeres.
Bild: Ines Saalbert/ youthmedia.eu

Wir sind alles Ferientouristen irgendwo am Meer, die von einem Tsunami gehört haben, an den Strand stehen und warten bis wir ihn sehen. Wie es um einen steht, wenn man einen Tsunami auch nur von weitem erkennt, das wissen die Meisten. Doch es bewegt sich niemand.

Genauso scheint die Wirtschaftskrise derzeit in der Schweiz abzulaufen. Man ist ein wenig sparsamer geworden. Einige hat eine kleine Vorwelle bereits getroffen und sie mussten ihre Posten räumen, die Gastronomie beklagt Ertragsrückgänge, was aber schon lange keine Neuigkeit mehr ist und nicht zwingend direkt mit der Krise in Verbindungen stehen muss. Ladenbesitzer verkünden einen dezent geringeren Umsatz und das Kleingewerbe befindet sich schon seit ein paar Jahren im nackten Überlebenskampf.

Doch wo ist sie nun die Krise? Wird sie uns noch ereilen? Finanzmarktanalytiker sehen schwarz für 2010. Deutlich spürbar werde die Krise, meinen sie. Schaut man sich allerdings Länder wie Brasilien an wird klar, wer die ersten und wirklichen Leidtragenden der globalen Krise sind. Nämlich all diejenigen, die nichts mit der Börse und dem Finanzmarkt zu tun haben, die meistens nicht mal wissen, wie man Aktienkapital schreibt. Oder Diejenigen, die gar nicht schreiben können. Es sind die niedrigen sozialen Schichten der Schwellen- und Entwicklungsländern, die unsere Fehler ausbaden müssen. Der Geldwert in diesen Ländern sinkt, während die Preise steigen. Über die Krise spricht dort trotzdem keiner. Es ist halt die Situation, die gerade schlecht ist. Den globalen Zusammenhang sehen sie nicht. Solange das Geld noch reicht, um bei einem kalten Bierchen zusammen zu sitzen ist der Status Quo ertragbar. Und während sich viele Länder schon mit der Krise abgefunden haben, stehen wir  Schweizerinnen und Schweizer immer noch am Strand, manche sogar mit Feldstechern, um ja die Ersten zu sein, die das angebliche Unheil zu sehen bekommen.