Politik | 12.05.2009

Wie wichtig ist uns der Datenschutz wirklich?

Text von Elias Maier | Bilder von Nathalie Kornoski
Kurz vor dem Abstimmungswochenende hat sich doch noch ein Komitee gebildet, das sich gegen die Einführung von biometrischen Pässen einsetzt. Zu Recht? Ein Kommentar.
Bild: Nathalie Kornoski

Die Jungparteien der Schweiz (Junge Grüne, Junge SVP, Juso, Jungfreisinnige und Junge EVP) haben überparteilich ein Komitee gegründet, weil sie glauben, dass die in einer zentralen Datenbank gespeicherten biometrischen Daten (Fingerabdrücke des Zeigefingers und ein Passfoto) eine grosse Gefahr darstellen. Ein Argument, das ich als Jungpolitiker nicht verstehen kann. So sind doch gerade wir Jungen heute komplett vernetzt und leben in einer Welt, umgeben von Datenbanken.
Viele jungen Schweizerinnen und Schweizer haben einen Facebook- Account oder sind Mitglied bei einer anderen Social Networking-Plattform. Auf solchen Plattformen geben wir Fotos weiter, die durchaus viel privater sind als ein Passfoto und ein Fingerabdruck. Dazu kommen jegliche Daten über uns selbst, beginnend bei Geburtsdatum über die politische Gesinnung, aber auch Lieblingsbücher oder Lieblingsfilme, bis hin zum Standort wo wir uns gerade befinden oder was wir tun. Dazu besitzt jeder ein Handy, das man relativ einfach orten kann.

Sicherheitslücken wie ein Emmentaler

In unserer heutigen Welt kann praktisch alles übers Internet gelöst werden. Rechnungen zu bezahlen oder über das Internet ein paar Bücher oder gar ein Auto zu bestellen ist nichts Neues. All diese Aktionen bergen die Gefahr, dass Daten gestohlen oder ausspioniert werden. Die Privatdatenbanken auf dem Internet sind leider nicht in Gold- Tresors bei der Schweizerischen Nationalbank angelegt, vielmehr haben sie Sicherheitslücken wie ein Emmentaler Käse. Der Diebstahl von Privatdaten von Computern kommt heute häufiger vor als ein Taschendiebstahl. Doch die Jugend stört dies anscheinend nicht, es wird weiter „gepostet“, auf dem Internet Dinge bestellt und gehandelt, und Meinungen ausgetauscht.

Doch nicht nur die „naiven“ Jugendlichen werden ausspioniert. Auch Herr und Frau Schweizer sind davon betroffen. Die meisten besitzen eine Cumulus- oder eine eine Supercard: Alles gespeicherte Daten auf einer Datenbank bei einem privaten Detailhändler. Trauen wir Migros und Coop mehr als unserem Staat? Auch dieser hätte im Falle eines „Ja“ für den biometrischen Pass eine zentrale Datenbank. Gut geschützt wäre diese auf jeden Fall. Laut dem Abstimmungsbüchlein ist nicht mal die Polizei befugt, die gespeicherten Daten für eventuelle Fahndungen zu benützen.

Die Vorteile, die für den biometrischen Pass sprechen, liegen auf der Hand: Mehr Freiheit beim Reisen, weniger grosse Grenzkontrollen im Europäischen Raum und eine gut zusammenarbeitende Polizei dank den Schengener Verträgen. Und nicht zuletzt tiefere Kosten für alle, die einen Pass benötigen. Dieses Argument gilt für alle, die gelegentlich in die USA reisen und dabei bisher jedes Mal ein 180 Franken teures Visum beantragen mussten.

Natürlich ist es allen Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern selbst überlassen, wie viel sie von sich preisgeben möchten. Ich bin mir jedoch sicher, dass wir auf unseren täglichen Spaziergängen durchs World Wide Web mehr von uns offenlegen, als wir dies tun würden, wenn wir einen Pass mit einem Chip und einem Foto von uns besässen.

Über den Autor


Elias Maier (19 Jahre) ist Präsident der Jungfreisinnigen Burgdorf.

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