Politik | 11.05.2009

Weg mit dem Nachtzuschlag!

Auch die Jugend muss zum Zug kommen! Acht JungparlamentarierInnen im Workshop "Öffentlicher Verkehr" erarbeiteten Forderungen zu Problemen von Jugendlichen in Zug und Bus. Ziel war, aus den persönlichen Anliegen und Bedürfnissen der Jungen konkrete politische Forderungen zu erarbeiten.
Jugendliche fordern günstigere Fahrten mit dem Nachtzug.
Bild: youthmedia.eu / Felix Becker

Gleich zu Beginn gaben die Workshopteilnehmerinnen und -teilnehmer den Tarif durch und trugen Wünsche zur Verbesserung des öffentlichen Verkehrs zusammen. Diese reichten vom Erlass des Nachtzuschlages bis zur besseren Erschliessung des Rheintals. Kantonsrat Felix Gemperle, Regionenleiter Vertrieb der SBB, nahm Stellung zur Kritik und zeigte auf, wo die technischen Grenzen der Machbarkeit liegen. Gleichzeitig erläutert er den Zielkonflikt, der hinter den Problemen steht. So wäre es beispielsweise mit hohen Fixkosten verbunden, extra für die Stosszeiten neues Rollmaterial anzuschaffen, welches höchstens für vier Fahrten täglich gebraucht wird.

Die Teilnehmer nahmen die Erklärungen interessiert entgegen und begannen daraufhin, in Gruppen die allgemeinen Wünsche in konkrete Forderungen zu formulieren. Die Diskutierenden blieben sachlich, schweiften selten ab. Der Einsatz von Securitas-Personal in Zügen wurde erwähnt, ebenso wie die Verlagerungspolitik von der Strasse auf die Schiene und die leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe LSVA.

Nicht alle Forderungen angenommen
Die Schlussforderungen, über welche später im Plenum entschieden werden sollte, beinhalteten die Abschaffung des Nachtzuschlags, eine weitergehende Ermässigung der Abonnemente für Lehrlinge und Studenten, sowie regelmässigere Verbindungen für alle Haltestellen. An Wochenenden sollen zudem Ortschaften ab etwa 2’000 Einwohnern garantierte Nachtverbindungen um 2 und 4 Uhr erhalten.

Die Jugendlichen haben ihre Forderungen zusammengetragen und aufgegleist. Nicht in allen Punkten sprang das Plenum am Nachmittag auf den Zug auf. Die Forderungen der Preissenkung und eines vergrösserten Angebotes wurden angenommen. Dass er Staat den Nachtzuschlag übernehmen soll, wurde jedoch abgelehnt.

Auf dem Abstellgleis der Mittagspause unterhielt sich Tink.ch mit Felix Gemperle (Kantonsrat SP) über die allgemeine Bedeutung von Zug und Bus für die Jugend.

Warum ist es wichtig, dass Jugendliche für den öffentlichen Verkehr sensibilisiert werden? Die meisten können sich ja noch nicht an Abstimmungen beteiligen.

Felix Gemperle: Der öffentliche Verkehr nimmt an Bedeutung zu, er ist längerfristig für einen Standort sehr wichtig. Die Bedürfnisse im Bereich Mobilität verändern sich, was sich zum Beispiel am Nachtnetz sehen lässt, welches heute bereits viel stärker ausgebaut ist als vor 20 Jahren. Gerade an diesem Punkt müssen die Jugendlichen in die Diskussion eingebaut werden, denn sie sind stärker auf solche Angebote des öffentlichen Verkehrs angewiesen als die restliche Gesellschaft.

An der Jugendsession treffen oft verschiedene Meinungen aufeinander, trotzdem gibt es selten laute Töne. Sind die Jugendlichen hier denn kompromissbereiter als Ihre Ratskollegen?

Nun, die Jugendlichen haben meist eine weniger gefestigte Haltung und sind daher auch kompromissbereiter. Auf der anderen Seite stellen sie oft unrealistische Forderungen. Bei ihnen steht oft der persönliche Aspekt im Zentrum, während es im Rat meist um grundsätzliche Fragen geht. Ich möchte den Jugendlichen daher aufzeigen, wo ihre Probleme im stark vernetzten Gesamtsystem der Verkehrspolitik stehen. Beispielsweise hat der Bau der Durchmesserlinie in Zürich (Anm. d. Red. Eine neue Tunnelstrecke vom Zürcher Hauptbahnhof nach Oerlikon) grosse Auswirkungen auf den Fahrplan bis ins Rheintal.

Welche Erkenntnisse gewannen Sie selbst an diesem Tag für Ihre Arbeit?

Mir wurde bewusst, dass die Diskrepanz zwischen der persönlichen Meinung der Jugendlichen zum öffentlichen Verkehr und dem Gesamtkonzept von Seiten der SBB oder der Kantone oft grösser ist, als man meint! Die starke Vernetzung innerhalb der Verkehrspolitik, aber auch zwischen Verkehr und Siedlungsplanung wird oft nicht gesehen. Das ist aber nicht nur bei Jugendlichen der Fall.