Politik | 04.05.2009

Weg aus der Krise

Text von Melanie Pfändler | Bilder von Nathalie Kornoski
Freie Marktwirtschaft oder zentrale Planwirtschaft? Der goldene Mittelweg liegt irgendwo dazwischen. Doch konkrete Lösungsansätze müssen erst noch gefunden werden.
Der Mammon darf nicht rücksichtslos schalten und walten.
Bild: Nathalie Kornoski

Folgende Worte sind eine Replik auf einen kürzlich erschienenen Artikel in der NZZ.

 

Ich habe Herrn de Jasays Lobgesang an den lieben Mammon mit Interesse gelesen. Besonders bemerkenswert erscheint mir die sarkastische Umschreibung des Dritten Weges: „Feinfühlig kontrolliert“, „frisch zusammengesetzt“ – das klingt, als basierten die Forderungen seiner politischen Gegner nicht auf Fakten, sondern auf Esoterik-Ratgebern oder einem Werbeprospekt für einen Bioladen. Dabei bewegt sich der Autor selbst auf dünnem Eis, wenn er von „nie dagewesenem Wohlstand“ spricht: Laut Weltbank und IWF stürzt die Wirtschaftskrise in den Entwicklungsländern zusätzlich 90 Millionen Menschen in extreme Armut; die Zahl der Hungernden wird bald auf mehr als eine Milliarde steigen. Soviel zur offensichtlichen Effizienz von Marktmechanismen.

 

Die Welt ist kein starres Gebilde

Die Ironie des freien Marktes ist, dass er nicht frei ist, sondern willkürlich: Ein Fussballspiel nach dem Anything-goes-Prinzip führt gezwungenermassen dazu, dass die stärkere Mannschaft ihre Gegner ungehindert und mit allen Mitteln niederwalzt. Umgekehrt liefert ein Match, bei dem die Tore nicht gezählt und an alle Spieler dieselben Medaillen ausgeteilt werden,  kaum Antrieb zu Höchstleistungen. Der Drang nach Macht, Besitz und Anerkennung liegt in der Natur des Menschen. Ein System, das uns zu gerechten, altruistischen Wesen glorifiziert, ist naiv. Eines, das unseren Trieben freien Lauf lässt, ebenfalls.

 

Die Suche nach einem dritten Weg ist keine okkulte Rosinenpickerei, sondern die Abkehr vom wirtschaftspolitischen Extremismus. Woran es derzeit noch mangelt, sind konkrete Vorschläge – oder zumindest die Fähigkeit, diese als solche zu erkennen. Dazu braucht es Offenheit, Lernbereitschaft und den Mut, die Welt nicht als ein starres Gebilde anzusehen. Vielleicht wäre es dann auch nicht mehr nötig, den Begriff „soziale Gerechtigkeit“ in zynische Anführungszeichen zu setzen.

Laut einer Umfrage der OECD sind zwei von drei Bewohnern der westlichen Welt der Ansicht, dass der Wachstum der letzten Jahre nicht fair verteilt wurde. Diese Menschen sind nicht länger bereit, sich vors Schienbein treten zu lassen.  Das zeugt nicht von Naivität oder esoterischem Harmoniebedürfnis – sondern schlicht und einfach von gesundem Menschenverstand.

 

Links