Gesellschaft | 11.05.2009

Was ich an dir (nicht) mag

Text von Mitzu | Bilder von Michael Baumann
Mit einer Liste, schwarz auf weiss - so möchte Mitzu Klarheit in die Beziehung zwischen ihm und Baba bringen. Zudem stellt er uns seine neue Geschäftsidee vor: Ein Nachtfahrveloguide.
Der eine in Londen, der andere in Solothurn: Baba und Mitzu.
Bild: Michael Baumann

Solothurn, 10. Mai 2009

Dear Baba,

Kein Schlussstrich, nur eine vorläufige Waffenruhe um des Leser’s Willen. Verschiedene Ideen habe ich diese Woche gehabt, wie mein Text geartet sein sollte. Aber als ich deinen Text öffnete um ihn noch einmal zu lesen, brandet in mir schon wieder Unmut auf. Ich fühle mich wie Zahnfleisch, entzündet, wenn du die Zahnbürste bist. Du bist das Sandkorn unter meiner Vorhaut, mein Fusspilz.

Aber etwas hat es doch, dieser Ärger. Ich denke über mich nach, und über dich auch. Und ach sieh selbst:

Was ich (an dir) mag:

Die Art, wie du deinen Hut trägst. Deinen Charme. Deine Art mit Menschen umzugehen, deinen Respekt vor Menschen. Dass du das Herz am richtigen Fleck hast. Deinen Extremismus, deine aktive Lebensart. Deinen Humor. Dass du Wissen und Wissende schätzt. Ich glaube, im Ernstfall… (nicht dem der Schweizer Armee, sondern dem von Hollywood. Also den, von dem man glaubt, dass es ihn im richtigen Leben nicht gibt. Es gibt ihn schon, er ist einfach viel leiser als im Kino)…also ich glaube in diesem Moment wärest du ein Held und würdest die richtige Entscheidung im heroischen Augenblick treffen. Ich glaube du hast Rückgrat. Deine Art Freundschaft zu zeigen. Das du nicht aufgibst. Dass du richtig Scheisse labern kannst. Dass du eine multiple Charakter(so schreibt man dieses Wort übrigens) Deformation dein Eigen nennst. Ich mag deine Familie. Ich mag deine Freundin (schönen Gruss im Übrigen)

Deine Badekultur. Deine Bücher. Dein Realitätsverständnis. Wie du lachst. Flussbaden im Sommer – mit Baba ein Genuss!

Deinen Zorn. Deine Begeisterungsfähigkeit und deine Fantasie. Dass du, wie ich, alle Filme die es gibt schon zweimal gesehen hast. Dein Französisch.

Dein Lebenswille!

Zwischendrin:

Dein Englisch.

Was ich nicht mag (an dir):

Dass du nicht aufstehst am Morgen. Wenn man dich wecken muss. Diese Unart der babarischen Rückangriffstaktik. Dass du das Gefühl hast, du seist der Beste. Deine unordentliche Art. Wenn du viel und laut sprichst, nur wenn du recht haben willst. Allmachtgefühl=Rücksichtslos. Dein Werteverständniss, Bezug zu materiellen Dingen. Dein Zorn. Sifffaktor! Excellent Party-time, Wayne’s World etc. Deine Empfindlichkeit auf mich (Sandkorn, Vorhaut, nicht gut) Das Arschloch in dir. Wenn du mich nicht mehr liebst. Dass dein Vorstellungsvermögen, für Dinge, die du nicht verstehen willst, sehr knapp bemessen ist. Deine Ungeduld!

Ich könnte glaub ich noch lange hier sitzen und mir Sachen in Erinnerung rufen. Und es macht Spass, das einmal zu formulieren. Soweit man das formulieren kann. Freundschaft. Liebe. Schnaps und Tod. Da verstehen wir uns alle.

Ich habe übrigens endlich ein Hobby. Hat jetzt 29 Jahre gedauert aber jetzt habe ich eins. Und ich bin sehr glücklich auch diese Lücke in meinem Leben geschlossen zu haben. Ich fahre nachts in unseren schönen Vorortquartieren Velo und den Flüssen entlang im Wasseramt, Biberist, Deitingen, Derendingen, Gerlafingen usw. Wie schön still und beruhigend das ist, es ist ein Traum. Und man kann sich vorstellen, es wohnen alles gute und nette Menschen in den Häuser und die Nacht riecht im Sommer besonders gut. Wow. Ich habe mir sogar schon überlegt, ein Nachtvelofahrguide für unsere Region herauszugeben. Ich denke das sollte es noch nicht geben.

In diesem Sinne. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne

Mitzu