Gesellschaft | 11.05.2009

Warum Studis immer Tütensuppen essen

Seit einiger Zeit besucht die Tink.ch-Reporterin ihre Uni-Vorlesungen nicht mehr in der Schweiz, sondern in Berlin. Welche Auswirkungen dies auf ihren Alltag hat, erzählt sie hier.
Mit dem Fahrrad ist es leider zu weit zur Uni. Fotos: Stephanie Sonderegger Abendstimmung in der Grosstadt.

Als Stadtmensch – oder sollte ich besser sagen, als Studentin in der Stadt – hat man seinen festen Rhythmus: Morgens um halb neun klingelt der Wecker, dann wird erstmal gemütlich aufgestanden, geduscht und in aller Ruhe gefrühstückt.
Gegen Mittag wird die knallvolle Bahn genommen und in Richtung Stadtmitte gefahren. Da angekommen, bemerkt man, dass man wohl doch etwas spät dran ist und rennt zur U-Bahn, die genau in diesem Moment losfährt – ohne einem mitzunehmen! Die vier Minuten Wartezeit erscheinen dann als gefühlte drei Tage, und ist man endlich drin in der U-Bahn, wird einem Sitzplatz auch noch von einer älteren Dame im Pelz streitig gemacht.

Die Laune ist spätestens dann auf dem Tiefpunkt. Irgendwann an der Uni angekommen, versucht man sich doch noch einmal zu motivieren und dem unterrichtenden Professor zu folgen. Nach ganzen zehn Minuten hat die Motivation allerdings endgültig weg und man legt sich erstmal schlafen. Das Interesse am akademischen Fach döst dabei friedlich mit. Die Gedanken hängen inzwischen irgendwo in den nächsten Terminen wie zum Beispiel: Schaffe ich es heute, rechtzeitig meine Freunde anzurufen? Wann fängt das Konzert morgen an?  Wie soll ich denn noch packen, wenn ich gar nicht mehr zu Hause bin? Und wann soll ich meine Wohnung noch putzen?

Zu Hause angekommen, bemerkt man schnell, dass nichts im Kühlschrank ist, was zur Folge hat, dass man sich vielleicht doch einfach eine Tütensuppe aufmacht, die seit Monaten im „Notfallschrank“ vor sich hingammelt. Wasserkocher an, Pulver in die Tasse, Wasser rein – fertig! Kaum will man sich dann endlich mal aufs Sofa setzen, um sich den neusten Klatsch und Tratsch im TV anzusehen, klingelt auch schon das Telefon: «Und wie lebt es sich so in Berlin als Studentin?« Die Grossmutter mal wieder.