Politik | 10.05.2009

„Vermissen werde ich die Begegnungen“

Text von David Naef | Bilder von Rafael Koller
Am letzten Samstag trat Ruedi Lieberherr von seinem Amt als Präsident des Jugendparlaments zurück. Mit Tink.ch sprach er über Jugendpolitik, Städtereisen und Sport.
Ruedi Lieberherr ist seit letztem Samstag ehemaliger Jupa-Präsident.
Bild: Rafael Koller

Am vergangenen Samstag hast du dein Präsidentenamt vom Jugendparlament in St. Gallen abgegeben. Verspürst du nicht etwas Wehmut?
Ruedi Lieberherr: Wehmut packt mich im Moment noch nicht. Vermissen werde ich aber sicherlich die Begegnungen mit Politikern, Experten und Verwaltungsangestellten sowie die Möglichkeit des Einblickes in die reale Politik, die einem sonst nicht möglich sind. Dazu gehören unter anderem Kommissionssitzungen, Treffen mit Regierungsräten sowie auch Workshops mit Fraktions- und Parteipräsidenten.

Ganze acht Jahre warst du im Jugendparlament aktiv und hast einiges auf die Beine gestellt. Was kannst du aus dieser Zeit mitnehmen und wie hast du die Jahre empfunden?
Die fünf Jahre im Vorstand und drei Jahre als Präsident waren interessant. Zum einen konnte ich im Jugendparlament in Sachen Jugendpolitik im Kanton St.Gallen und Appenzell Ausserroden etwas bewegen und ins Rollen bringen, zum anderen ergaben sich während dieser Zeit viele gute Begegnungen mit Politikern und auch Jugendlichen. Die Erkenntnis, dass die Jugendlichen die Möglichkeit zur Einflussnahme und zum Einbringen ihrer Ideen haben, wenn sie denn wollen, werde ich sicherlich mitnehmen. Lehrreich war die Zeit auch im Bezug auf die Koordination, Führung und die Organisation von Grossanlässen.

Du hast es kurz angesprochen: Jugendliche sind nicht immer sehr interessiert in politischen Themen. Wie würdest du jemandem Politik näher bringen?
Ich würde ihm aufzeigen, in welchen Themenbereichen er von der Politik betroffen ist und dass für ihn Möglichkeiten zur Mitsprache bestehen. Beim Thema Abstimmungen würde ich ihn konkret auf die Informationsplattform «Vimentis« aufmerksam machen.

Du hast an vorderster Front für das Mitspracherecht von Jugendlichen gekämpft. Was wurde erreicht?
Das Jugendparlament konnte in den letzten Jahren durch die tolle Arbeit des Vorstandes einiges erlangen. Kontakte mit der Verwaltung, der Regierung, Kantonsräten, Fraktions- und Parteipräsidenten wurden geknüpft und regelmässig gepflegt. Mit dem Projekt „Schwätzclub“ konnte auf die Situation der Jugendlichen aufmerksam gemacht und Lösungsvorschläge präsentiert werden. Das Jugendparlament wurde um Stellungnahme zu jugendrelevanten Themen gebeten und an Kommissionssitzungen eingeladen. Natürlich bleibt für meine Nachfolger noch einiges zu tun. Vor allem müssen die angefangenen Projekte und Kontakte weiterverfolgt und zu Ende gebracht, wie auch neue Ideen entwickelt und vorgetragen werden.

Nebst dem Gang an die Universität treibst du ab und zu Sport. Was gibt dir den grösseren Adrenalinkick: Politische Diskussionen oder Klettern in schwindelerregender Höhe?
Im Moment stellt sich diese Frage nicht, weil ich keine Zeit zum Klettern habe. Aber das Klettern gibt schon einen grösseren Adrenalinkick. Sport, also Rennen und Biken, brauche ich zum Abschalten und Erholen von meinem Wirtschaft- und Rechtstudium oder den Vereinsaktivitäten.

Immer wieder findet man dich in verschiedenen Städten Europas. Träumst du von einer Weltreise?
Den Traum einer Weltreise habe ich nicht, ich bereise lieber gezielt Länder und Städte. Weil ich kein Strandlieger bin und zum anderen hier in Europa innerhalb kurzer Distanzen eine grosse Vielfalt an unterschiedlichen Kulturen und Gesellschaften existiert, finde ich Städtereisen besonders interessant.

Welche Ambitionen besitzt du für die Zukunft, politisch und persönlich?
Im politischen Bereich lasse ich die Zukunft auf mich zukommen und strebe keine Karriereplanung an. Im persönlichen Bereich steht nach meinem Rücktritt wieder die Universität vermehrt im Zentrum. Des Weiteren möchte ich noch viele Eindrücke und Erfahrungen sammeln sowie interessanten Personen begegnen.

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