Gesellschaft | 11.05.2009

Tram 5 mit farbigen Tupfen

Text von Claudio Herger | Bilder von Claudio Herger
Ein weisses Tram mit farbigen Punkten, ein rosarotes, das für Pralinés wirbt. Zurzeit verkehren sieben Bernmobil-Trams nicht im für Bern typisch roten Style. Ein Tink.ch Reporter auf der Fahrt mit dem 5er Tram und seine Gedanken rund um Werbetrams.
Ein Tram wirbt für das 175-jährige Jubiläum der Universität Bern,
Bild: Claudio Herger

Das weisse Tram mit den farbigen Punkten wartet bereits an der Endhaltestelle Fischermätteli. Ich erreiche es noch knapp und bereits geht die Fahrt los. Die weisse Aussenlackierung macht auf das 175 Jahre Jubiläum der Universität Bern aufmerksam. Das gesamte Tram ist diesem Thema gewidmet. Das hier ein sonst rotes Tram weiss umgestylt wurde ist nur die offensichtlichste Veränderung. Die Werbung durchzieht das gesamte Tram. Im Innern hängen Plakate für die verschiedensten Jubiläumsveranstaltungen, welche dieses Jahr anstehen. Auch kleine Programmhefte können aus einem Stapel entnommen werden, damit sich die Leute auch nach der Fahrt noch genauer über die verschiedenen Veranstaltungen informieren können. Als bei der Haltestelle Pestalozzi noch ein paar Fahrgäste einsteigen, beobachte ich wie die Werbung auf die Leute wirkt. Wird sie überhaupt wahrgenommen? Nach kurzer Zeit erkenne ich, dass es für die meisten egal ist, dass dieses Tram für ein Jubiläum wirbt. Sie scheinen viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt zu sein. Der Blick wandert ins Leere und nicht zu den informativen Plakaten. Zwei Kleinkinder, welche mit Ihrem Vater unterwegs sind, entdecken die Programmheftchen. Leider sind sie jedoch zu klein, um solche Veranstaltungen besuchen zu können. Ihr Vater ist mit dem Kinderwagen beschäftigt, so dass auch er nicht viel von der Werbung aufnimmt. Ich schaue durch das Fenster und beobachte die Reaktionen von Passanten beim Anblick des weissen Trams. Die Leute bleiben nicht stehen und bewundern das weisse Tram. Die Frage, ob das rosarote Tram, das für einen Confisseur wirbt und uns beim Brunnhof kreuzte, mehr Aufmerksamkeit erhält, geht mir durch den Kopf. Als wir beim Bahnhof einfahren, gebe ich es auf, nach weiteren Reaktionen auf die Werbung Ausschau zu halten. 

Ganzwerbefahrzeuge und Kulturtrams

Doch als die Fahrt weiter geht, holt mich das Thema Werbung bereits wieder ein. Beim Helvetiaplatz kommt uns ein weiteres Werbetram entgegen, in roter Farbe wirbt es für einen Heimwerkermarkt, und beim Thunplatz erspähe ich ein weiteres weisses Tram, das auf ein Einkaufszentrum im Westen Berns aufmerksam machen soll. Ich stelle mir die Frage: „Wie viele dieser auf Schienen fahrenden Werbetafeln sind in Bern eigentlich unterwegs?“ Die Antwort darauf erhalte ich Tags darauf auf Anfrage bei BernMobil von Annegret Hewlett, die für die Unternehmenskommunikation zuständig ist. Es fahren derzeit sieben solcher Ganzwerbefahrzeuge auf dem Berner Tramnetz. Dazu kommen die zwei Kulturtrams, wie dieses für das 175 Jahre Uni-Jubiläum und eines für das Naturhistorische Museum, welches derzeit auf die Ausstellung C’est la vie wirbt. Die Kulturtrams werden von BernMobil kostenlos zur Verfügung gestellt. Auf der Weiterfahrt Richtung Ostring stelle ich mir die Frage: „Wer ist denn für die Gestaltung dieser Werbetrams verantwortlich?“ Auch hier erhalte ich von Frau Hewlett eine Antwort: Die Kunden entwerfen die Gestaltung für das Tram, Wobei gewisse politische und religiöse Vorgaben eingehalten werden müssen.Die Gestaltungsvorschläge müssen von Bernmobil genehmigt werden. Für die zahlenden Kunden ist die Laufzeit der Werbung meist ein Jahr, die Kulturtrams sind bis zum Veranstaltungsende als Werbebotschafter unterwegs. Die Trams werden nach der Vertragszeit auf Kosten der Kunden wieder in den Originalzustand zurückgeführt. Als auf der Anzeige die Endstation Ostring aufleuchtet, mache ich mich bereit, das Tram zu verlassen. Bevor ich aussteige ergattere ich mir noch ein Programmheft. Somit ist die Werbung doch bei einem Fahrgast angekommen.