Kultur | 12.05.2009

Tanzmusik ohne Tänzer

Vor einem Jahr kam die Indie-Rock-Band The Rakes ins Abart und brachte den Zürcher Club zum kochen. Am letzten Mittwoch kehrten die Londoner zurück. Doch dieses Mal war alles anders.
Frontsänger Alan Donohoe gab alles. Doch der Funke sprang nicht über. Fotos: Philip Wiederkehr Bassist Jamie Hornsmith. Wo bleibt die Stimmung? Alan Donohoe wundert sich ob des verhaltenen Publikums.

20 Minuten waren gespielt. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Atmosphäre im gut gefüllten Abart einem Indie-Rockkonzert nicht würdig. Dann blies Frontsänger Alan Donohoe zum grossen Angriff um die Gunst des Publikums. Mit dem Ohrwurm „We Dance Together“ wollte er das Zürcher Publikum endlich zum Tanzen bringen. Und tatsächlich, ein paar Teenager wagten sich in die bis dahin nicht existente vorderste Reihe. Mehr passierte  nicht. Anstatt nach vorne drängte das Publikum immer weiter nach hinten. Hatten die Leute Angst vor den Rakes?

„D Räche“ blieben im Werkzeugschuppen

Gerade angsteinflössend wirkt das Quartet mit ihren schmalen Körper nicht. Das geben sie mit ihrem Bandnamen The Rakes sogar selber zu. Wären The Rakes nämlich Schweizer, müssten sie sich „D Räche“ nennen, also die schmalen Dinger mit denen man im Garten die Erde lockert. An diesem Abend hätten The Rakes aber besser das Publikum ein bisschen aufgelockert. Das aber blieb am Boden und lauschte gebannt den dreckigen Gitarrenriffs und dem melodiösen Gesang des charismatischen Alan Donohoe. Das passte dem Frontsänger und dem Rest der Band nicht wirklich: Denn die Rakes spielen Tanzmusik – jedes Lied eine Einladung zum Poltern und Feiern. Als das Quartett „1989“, das bekannteste Lied aus dem neuen Album „Klang“, anstimmte, nahmen zumindest Teile des Publikums die Einladung zum Tanzen und Mitsingen an.  Donahue sang „Lalalalalala“ und das Publikum grölte mit. Ansonsten kam vor allem bei den älteren Rakes-Liedern wie „Reatreat“ oder „Strassbourg“ Stimmung auf. Trotzdem war es kein Vergleich zu ihrem letzten Schweizer Auftritt, als das Publikum glücklich und schweissgebadet das Abart verliess.

Müdes Publikum und unglückliche Fussballer

Warum dieses Mal der Funke nicht sprang ist schwierig zu beantworten. Zumal die Show, abgesehen von ein paar neuen Liedern, fast identisch mit der im Vorjahr war. Vielleicht hat der Indie-Rock à  la Rakes seine besten Zeiten hinter sich oder das Publikum war an diesem Mittwochabend von einer Frühlingsmüdigkeit geprägt. Ein Gutes hatte die mässige Stimmung: Der Kollege mit dem I-Phone konnte einem ohne Störung die Zwischenresultate vom Champions-League-Halbfinale Chelsea-Barcelona durchgeben. Chelsea, die Mannschaft aus London, kassierte in der Nachspielzeit einen Treffer und flog aus dem Turnier. Das passte irgendwie zu diesem Abend. Denn ratet mal aus welcher Stadt The Rakes stammen. Genau.

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