Kultur | 25.05.2009

Nagelfeile als Retter eines Konzertes

Dem Pianisten Gil Goldstein eine Nagelfeile bringen oder dem Weltberühmten Jazzsänger Bobby McFerrin einen Tee servieren: Ein Blick hinter die Kulissen der Gala Night des internationalen Jazzfestivals Bern.
Als Helfer kann man den weltberühmten Jazzsänger und Dirigenten Bobby McFerrin hinter den Kulissen des Jazzfestivals Bern persönlich kennen lernen.
Bild: www.bobbymcferrin.com/presskit

„Ich habe einen aufgerissenen Fingernagel“, jammerte der Pianist Gil Goldstein durch die Garderoben, allerdings mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht – so ernst schien die Lage nicht zu sein. Trotzdem machte sich ein Backstage-Mitarbeiter gleich auf die Suche nach einer Nagelfeile. Maniküre-Utensilien zu besorgen gehört eher zu den selteneren Aufgaben von Mitarbeitern der Gala Night des Jazzfestivals Bern, welche am Freitag im Stadttheater Bern über die Bühne ging. Mitarbeiter im Backstage, bei der Ticketkontrolle oder der Platzanweisung – sie alle arbeiten ehrenamtlich, sowohl im März an der Blues Night zur Eröffnung als auch im Mai an der Gala Night zum Abschluss des Festivals. Als Entlöhnung können die restlichen Konzerte im Mariann’s Jazzroom gratis besucht werden. Es sind jazzbegeisterte, meist junge Leute, die unentgeltlich arbeiten, um dafür die Grössen der Jazzwelt live erleben zu können. Besonders nah kommt man den Musikern wenn man Backstage zur Künstlerbetreuung eingeteilt wird.

 

Bescheidene Wünsche

Mit besonderer Spannung wurde Bobby McFerrin, der grosse Star der diesjährigen Gala Night, erwartet. Wer denkt, der weltberühmte Jazzsänger und ausgebildete Dirigent, der auch schon die Wiener Philharmoniker geleitet hat, würde das Personal mit Starallüren und Sonderwünschen durch die Gegend hetzen, irrt: Höflich begrüsste der 59-Jährige die Mitarbeitenden des Festivals und sein einziger Wunsch bestand in einer Tasse Tee, für die er sich auch herzlich bedankte. So ruhig und sympathisch wie hinter den Kulissen blieb Bobby McFerrin auch, als er auf der anderen Seite des Vorhangs auf der Bühne des bis auf den letzten Platz ausverkauften Stadttheaters stand. Mit seiner lockeren, humorvollen Art und vor allem mit seinem genialen Gesang begeisterte er das Publikum, animierte es mit kleinsten Gesten zum Mitsingen und riss auch die anderen Musiker des Abends in seinen Bann. Auch die Betreuer, die das Konzert auf der Bühne stehend hinter den Vorhängen versteckt von ganz Nah genossen, waren fasziniert. Ihnen wird jedoch nicht nur die Musik in Erinnerung bleiben, sondern vor allem auch der Kontakt mit den Künstlern vor dem Auftritt – wie mit Gil Goldstein, der glücklich seine Fingernägel pflegte und dem Helfer, der ihm soeben die verlangte Nagelfeile gebracht hatte, zuzwinkerte: „You just saved the concert“.