Kultur | 19.05.2009

Keine Frage des Alters

Text von Martin Sigrist | Bilder von Joseph Ilanes
Er mag zwar erst 22 Jahre alt sein, doch Steve Forrest, der neue Drummer von Placebo, harmoniert bestens mit Brian Molko und Steven Olsdal. Mit Tink.ch sprach der Kalifornier über hohe Erwartungen und die Arbeit am neuen Album "Battle for the Sun".
Gibt alles: Steve Forrest, der neue Drummer von Placebo. Fotos: placeboworld.co.uk Vor 80'000 Menschen hat der Kalifornier zwar bis jetzt noch nicht gespielt, aber dank der Erfahrung seiner Bandkollegen wirds schon gut gehen, sagt er. Die Band komplett, von links nach rechts: Steve Forrest, Sänger Brian Molko und Bassist Steven Olsdal.
Bild: Joseph Ilanes

Placebo werden am 5. Juni ihr sechstes Studioalbum „Battle for the Sun“ veröffentlichen. Für eine Showcase im X-tra weilte die Band am 18. Mai in Zürich. Es ist das erste Album und die erste Tour mit dem neuen Drummer Steve Forrest. Tink.ch traf den erst 22-jährigen Kalifornier in Zürich und sprach mit ihm über seinen schnellen und steilen Aufstieg.

Steve, du bist seit einigen Monaten Drummer von Placebo. Bist du glücklich mit deiner neuen Band?
Ja, klar. Anfangs wusste ich überhaupt nicht, was ich zu erwarten hatte. Ich kannte sie nur flüchtig, weil meine frühere Band mal mit ihnen auf Tour war. Es hat sich jetzt aber herausgestellt, dass wir uns sehr gut verstehen, wir haben die tollsten Konzerte, die ich mir vorstellen kann.


Es wird bereits viel über dich geschrieben: Etwa, du seist zu jung oder als Surfer unpassend für die Band.

Mein Alter und meine Leidenschaft fürs Surfen sind Fakten. Aber mich deswegen zu kritisieren zeugt doch von einem sehr schnellen Urteil. Man sollte bewerten, wie wir auf der Bühne sind und was für Alben wir veröffentlichen, das sind doch die entscheidenden Qualitäten. Es gab Gründe, warum mich Brian und Steven in der Band haben wollten, gewisse Fähigkeiten musste ich also haben.


Brian Molko meinte, sie hätten jemanden gesucht, dessen Enthusiasmus auf sie abfärben könne. Das ist eine sehr hohe Erwartung.

Ja, ich muss viel beweisen. Aber mein Enthusiasmus färbt tatsächlich auf sie ab. Was sie machen, machen sie seit vielen Jahren und die Gefahr ist gross, dass man dabei abstumpft und sich nicht mehr begeistern kann. Für mich ist aber noch alles neu. All die Orte und Konzerte sind für mich noch aufregend und ich freue mich jedes Mal riesig. Ich erinnere damit auch den Rest der Band daran, welches Privileg es ist, das tun zu dürfen, was wir tun. Dafür kann ich von ihrer Erfahrung profitieren, um mich wieder zu beruhigen, denn die grossen Auftritte im Sommer, davor habe ich Angst. Ich habe noch nie vor 80’000 Menschen gespielt. Wir gleichen uns in der Band gut aus, der oft kritisierte Altersunterschied ist für uns eine gute Sache.

 
Hattest Du schon Krisen, seit Du bei Placebo bist?
Bis jetzt ist alles ziemlich glatt gelaufen. Das Album, die Promo, die Konzerte. Keine Krisen, nur kleine Streitereien, aber das ist nicht wichtig. Allerdings habe ich noch nicht vor 80’000 Menschen gespielt, wir werden sehen, was dann passiert.


Brian Molko und Stefan (Steven) Olsdal sind der feste Kern der Band seit dem Anfang, du bist bereits der dritte Drummer. Handelt es sich beim Drummer eher um einen „Wegwerfartikel“ innerhalb einer Band?

Wenn Bands ihre Drummer verlieren, kann die Band schon eher weiter existieren, aber oft fällt mit dem Drummer auch ein grosser Teil der Band weg. Stell Dir vor, Tommy Lee hätte Mötley Crue verlassen! Led Zeppelin wollten sich auflösen, nachdem ihr Drummer 1980 gestorben war. Da zeigt, wie wichtig ein Drummer für eine Band sein kann. Es kommt echt drauf an, wie sehr man sein Instrument und seine Musik zu charakterisieren vermag. Aber klar, auch ein Sänger mit einer einzigartigen Stimme ist unmöglich zu ersetzten. Mein Ziel ist es jedenfalls, dass ich der dritte und letzte Drummer der Band bin, dass neben dem Spiel aber auch meine Persönlichkeit für die Band unersetzlich wird.


Wie machst du dich unersetzlich?

Eigentlich wurde ja alles schon mal gemacht. Aber ich habe Lust, immer wieder neue musikalische Experimente zu wagen, neu Rhythmen ausprobieren und mehr mit Dynamik arbeiten. Ich möchte nicht nur der Hintergrund sein sondern von meiner Position aus auch die Band dirigieren und damit die Laune und die Dynamik der Musik kontrollieren. Mit meiner Persönlichkeit möchte ich die Sache leicht halten. So macht das Arbeiten mehr Spass und die Resultate sind schlussendlich auch besser. Unser Album beispielsweise haben wir in nur zwei Monaten aufgenommen und wir sind sehr stolz darauf.

Steve und Brian sind schon so lange zusammen in der Band. Hast Du als Neuer trotzdem deine Freiheiten?
Ich hatte Angst, dass die lange Zusammenarbeit der beiden ein Problem für mich sein könnte, doch sie wollten ja gerade etwas Neues. Vorher hat in der Band jeder für sich gearbeitet, niemand hat dem anderen reingeredet, das war für die Band nicht sehr gesund. Nun arbeiten wir mehr als Gruppe, wir machen uns gegenseitig Vorschläge und animieren uns, neues zu versuchen und erarbeiten so unsere Songs gemeinsam. Brian und Steve sind auch sehr offen, wenn ich die alten Songs von Placebo auf meine Art auffrische.



Wie begegnen dir die Medien als „der Neue“?

Manche Journalisten sind persönlich grosse Fans von Placebo und mögen mich nicht und können dabei sehr aggressiv sein, denn sie machen mich dafür verantwortlich, dass nicht mein Vorgänger vor ihnen sitzt. Doch ich habe damit überhaupt nichts zu tun. Placebo brauchte einen Drummer, ich eine Band, so haben wir uns gefunden und es läuft super. Ich weiss, dass Steve Hewitt (Der vorherige Drummer, Anm. d. Red.) zehn Jahre hart für die Band gearbeitet hat und ich respektiere das. Viele fürchten sich auch tatsächlich, dass ich als Kalifornier die Band zu glücklich machen könnte. Kein Grund zur Sorge: Die Musik ist zwar heller geworden und hat mehr Hoffnung, aber der dunkle traurige Unterton ist noch immer da. Wir lieben es, wie „Battle for the Sun“ herausgekommen ist. Bei unserer Zusammenarbeit machte es einfach klick und da waren die Songs. Es ist, als wären wir alle miteinander verheiratet, mit dem Unterschied, dass wir noch guten Sex haben.

 

Wettbewerb


Da das neue Album von Placebo erst in zwei Wochen erscheint, verlost tink.ch stattdessen Fan-Packages. Einfach bis zum 24. Mai eine E-Mail an martin.sigrist[ät]tink.ch schicken, Postadresse nicht vergessen!

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