Gesellschaft | 12.05.2009

Identitätskrise am Muttertag

Text von Patti on tour | Bilder von Patti on tour
Alles schon einmal dagewesen? Auf der mühseeligen Suche nach Sinn und Zweck fällt es Patti on tour schwer eine eigene Nische zu finden. Vielleicht hilft ja ein Kind.
Kinderwunsch in der Identitätskrise: Patti on tour.
Bild: Patti on tour

Ich habe eine Identitätskrise. Einfache Gemüter würden dies natürlich sofort mit meinem 33sten Geburtstag in Verbindung bringen, welcher am Muttertag stattfand, ausgrechnet, und die biologische Uhr tickt etwas lauter an solchen Tagen. Doch das ist nicht der Grund. 33 Jahre lebte ich im Glauben originell zu sein. Um jetzt einsehen zu müssen, dass ich eine billige Kopie bin. Oder noch schlimmer, dass ich kopiert werde. Unwissentlich natürlich, denn woher sollten sie mich kennen, all jene, die es gleich, aber irgendwie doch besser zu machen scheinen?

Schaffenskrise bei der Lizarbeit – wie Michèle Roten

Michèle Roeten, hervorragende Kolumnistin, drischt dreist in dieselbe Bresche wie ich. Wie oft schon setzte ich mich an mein Laptop mit einer wunderbaren Idee, surfte aber noch kurz durch’s Magi, und da sah ich ihren Text. Sie hatte mir frech mein Thema geklaut und damit auch noch Erfolge verbucht. Immerhin verrät sie in ihrer Kolumne, dass sie eine Schaffenskrise bei ihrer Liz-Arbeit habe. Sie, die immerhin dieselben Nebenfächer an derselben Uni studiert wie ich. Recht geschieht ihr. Hoffentlich kann sie in Bälde auch keine Kolumnen mehr schreiben.

Dann wäre da Max Küng, der andere Magi-Kolumnist. Etwas verschroben, aber liebenswert. Macht gerade mal eine 5-Tägige Fastenkur und schreibt drüber einen Artikel, als ob’s ein Wunder sei. Klaut mir meine Terminologie von wegen Fastenopfer. Phah! Mit meinen 40 Tagen kann er nicht mithalten. Ich dafür mit seinen 40’000 Lesern nicht. Immerhin bin ich doch herkunftsmässig ein Originl. Eine Bauerntochter. Ein Landei. Wie beispielsweise Mona Vetsch. Oder Renzo Blumenthal.  Sogar diese Nische ist also bereits besetzt.

Übergewichtige Behäbigkeit – wie Mike Müller

Meine übergewichtige Behäbigkeit kann ich auch nicht ausspielen.  Mike Müller macht das weit besser. Oder die Cindy von weiss ich nicht wo, die mit künstlichem Fettgewand und plattem Humor ein Olympiastadion zum Brodeln bringen kann.  Mit tatkräftiger Unterstützung von deutschen Privatsendern.

Wenigstens beim Cabaret könnte ich auftrumpfen. Als schrullige Professorin oder verklemmte Hausfrau. Aber ach: Alles schon gehabt. Acapickles und Duo Fischbach sind auch langsam vorbeit. Und was Slam Poetry angeht: In Szene-Kreisen wird sie bereits zu Grabe getragen und dieBadener haben einen Publikums-Preis-Poeten. Auf mich haben sie nicht gewartet.

Vielleicht sollte ich doch ein Kind machen. Das ist zwar auch nicht sonderlich originell, aber zumindest kopiergeschützt. Ich frag mal den Bärtigen, was er dazu meint.

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