Gesellschaft | 11.05.2009

Hurra, die Krise ist da!

Und es gibt sie doch: Die Krisengewinnler! Kaum fallen die Aktien nach unten, zieht es ihnen die Mundwinkel nach oben. Nicht draussen in den Medien, sondern drinnen im Büro, im Gemeindezentrum, hinter dem Barfüsserplatz. Aber was sind denn das für Leute? Ein Kurzporträt.
Hurra, die Krise ist da!
Bild: youthmedia.eu / Marie Frenzel

1.    Die echten Staatsmänner: Lange neoliberale Jahre lang ging ihnen die Kundschaft aus. Keiner wollte ihr Geld oder gar ihren Einfluss in seinem Betrieb wissen. Doch seit letztem Herbst konnten die Staaten dieser Welt wieder neue Kunden anfixen und verteilen seither grosszügig Finanzspritzen und Krisenpäckli, damit auch keiner Bank der Stoff ausgeht. Und auch wenn die Staatsmänner böse Miene zum guten Spiel machen, spüren sie den kleinen Superman in sich: Nur wir können den Karren aus dem Dreck ziehen!

 

2.    Die Basler: Die Läckerli blieben ihnen fast im Hals stecken, als sie ins Ostgebiet zum Paradeplatz herüberblickten, wo die Gewinne und der Champagner en masse flossen. Die Titel des FCZ, durch Zürcher Geld zustande gekommen, brachten den Rhein ganz zum Überlaufen. Die Finanzkrise kam da gerade recht! In ganz Zürich zeigen sich die Risse und Löcher: Auf dem Bankenplatz, unter dem Bahnhofplatz und ganz besonders in den Geldbeschaffungstheorien der GC-Funktionäre. Eine aber ist sicher gut gefüllt: Die Ideenkiste der Basler Schnitzelbänggler!

 

3.    Die Nachwuchsökonomen: Alles lief gut, alle Modelle funktionierten und es gab keinerlei Bedarf nach neuen Geldmarkt- oder Portfoliotheorien. Niemand litt sosehr darunter wie die jungen Dozenten der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten, denn es gingen ihnen die Doktorarbeiten aus. Wer will denn über das schreiben, was sowieso schon alle wissen? Dank der Krise gibt’s neues, unvorhergesehenes Zahlenfutter, welches die hungrigen Professoren nun analysieren, verwerten und erklären dürfen. Mit etwas Glück überleben sie damit sogar die nächsten kargen Boomjahre.

 

4.    Die Sekten: Gott gefiel unsere Gier nicht, darum liess er Lehman Brothers pleite gehen und bescherte uns sintflutartige Verluste! Gebt euer Geld nicht weiter den selbstsüchtigen Managern, sondern dem bescheidenen Führer, der euch von den materiellen Lasten dieser Welt befreit! Seit jeher verstanden es die Sekten dieser Welt, die kollektive „Warum nur?“-Stimmung auszunützen, um sich neue Mitglieder zu angeln. Und auch wenn bei Fiat Lux bald die Lichter ausgehen, nehmen sich die verbliebenen Medien, Gurus und Halbgötter gerne der verunsicherten Menschheit an.