Gesellschaft | 11.05.2009

Gedankensprünge zum Thema Ordnung

Text von Gioia Manzone | Bilder von jetzt.de
Eine Tink.ch-Kolumnistin springt mit ihren Gedanken zwischen Ordnung und Chaos, zwischen Vernunft und Phantasie.
Affentheater oder Ordnungssinn?
Bild: jetzt.de

Heutzutage muss man sich ordnungsgemäss kleiden, den Ordnungssinn der Mitmenschen respektieren, ordnungsliebende Personen chaotisch nicht überstrapazieren und natürlich niemals ordnungswidrig handeln und sich plötzlich in krumme Dinge verwickeln lassen. Krumme Dinge haben aber auch durchaus was positives, so beispielsweise liebt Dongo krumme Dinge: Bananen. Er schwingt sich von seinem schön gestuften Baum direkt rüber zum parallelstehenden Futtertisch, welcher mit seiner Höhe genau den beiden identischen Kletterpflanzen, rechts und links in der Ecke des Geheges, entspricht. Dongo nimmt dies nicht wahr, wir Menschen jedoch fühlen uns nun auch im Zoo geborgen, da wir von einer ganzheitlichen Ordnung und somit Sicherheit ausgehen können.

Wunderbare Begriffe, Ordnung und Sicherheit, assoziativ treffen wir nun automatisch auf Kompetenz und Disziplin. Genau die Welt, nach der wir streben, oder?

Dongo spielt Bongo, ziemlich unrhythmisch das Ganze. Unrhythmisch, harmonielos, chaotisch, unorganisiert, planlos.Unser Puls steigt, das Blut beginnt zu brodeln, affenstark findet dieses Durcheinander wohl auch nur Max, der sich schreiend und mit grossen Augen am Gehege festhält, während seine Mutter wie wild an ihm zieht und brüllt: „Schluss mit diesem Affentheater Max! Ich hab dir gesagt, wir müssen noch zuhause aufräumen, bevor Oma kommt!“ Trug und Schein, vorgeben jemand zu sein, der man nicht ist, schlicht und einfach die Oma übers Ohr hauen, sie glauben lassen, man habe alles im Griff, führe das perfekte Leben. „Selbst Papa sagt, Ordnung sei das halbe Leben, komm schon Max!“ Was Papa jedoch eigentlich damit meinte, war, dass er in der anderen Hälfte lebe. Er ist mehr so der Künstlertyp, frei nach dem Motto „Ordnung ist die Lust der Vernunft, aber Unordnung die Wonne der Phantasie.“

Papa geht davon aus, dass Ordnung dort ist, wo nichts ist, nichts dahintersteckt, denn dahinter steckt überall dort etwas, wo Phantasie mit im Spiel ist. Wer jedoch Ordnung hält, spart sich eindeutig die Phantasie. Er findet Aufräumen Zeitverschwendung, Pünktlichkeit spiessig und Sauberkeit doch eher zweitrangig. In seinem Atelier herrscht das bunte Chaos und alles überbordet. Er pflegt es, das Ganze ein „überlegtes Chaos“ zu nennen und behauptet auch, sich, mit zwar geraumer Zeitverzögerung, gut zurechtzufinden. Kein Wunder möchte Mama den unzivilisierten Mann manchmal zu den Affen in den Dschungel schicken, aber selbst Dongo aus dem Kongo spielt nicht nur Bongo, er trägt auch einen kieferorthopädischen Korrekturapparat, damit seine Zähne bald in Ordnung sind.