Gesellschaft | 25.05.2009

Ein Berner in der Ostschweiz

Text von David Naef | Bilder von Nando Bosshart
David Naef wohnt in Bern und moderiert regelmässig beim Schülerradio Kantipark.ch. Dafür nimmt er sogar in Kauf, lange Zug zu fahren, den Bus knapp zu verpassen und in der St.Galler Innenstadt herumzuirren.
Kunst oder vergessene Werbung? Tink.ch-Kolumnist David Naef wundert sich.
Bild: Nando Bosshart

Wenn Herr und Frau Berner ein Ziel mit Namen „St. Gallen“ vor Augen haben, gibt’s einige Hindernisse zu überwinden. Wie so oft nehme ich den Weg über die Gleise von Bern nach St. Gallen. Der Schnellzug bringt mich ohne Halt direkt nach Zürich und mit Spielen auf meinem Mobiltelefon geht alles etwas schneller. Dass Zürich einen so genannten Kopfbahnhof besitzt, ist kein Geheimnis. Und dennoch bleibt meine Orientierung stecken und begleitet mich nicht weiter nach St. Gallen. Schon bei der Station nach Zürich Flughafen lassen meine Geographie-, oder eben Deutschkenntnisse, zu wünschen übrig: Wintherthur, Winthertur, Wintertur oder doch Winterthur? Und schon die nächste Blamage: Uzwil, Flawil oder einfach nur Wil? Doch glücklicherweise nutzt die SBB eine altbekannte Stimme. Sie soll den Passagieren die Station ankündigen: „Nächster Halt, Biel“. Da soll einer noch die Welt verstehen.
 
Sind die Schriftzüge, die an der Überdachung des Bahnhofs St. Gallen hängen, teuer bezahlte Kunst – in der Bahnhofshalle in Zürich hängt schliesslich auch ein Engel – oder alte vergessene Schokoladenwerbung? Es bleibt vorübergehend ein Geheimnis und ich lasse mich vom Menschenstrom in die Unterführung treiben. Sofort wird klar: Die St. Galler sind sauber, keine Zweifel. Nebst einigen Bierflaschen vom letzten Fussballmatch ist die ehemals weisse Kaugummischicht blitzblank geputzt. Aus der Unterführung aufgetaucht mache ich mich an die Suche nach dem richtigen Bus. Kaum habe ich meine Nummer gefunden, fährt ein ganzes Busquartett los, ohne mich. Weshalb die Busse immer im Zweier-, Dreier- oder Viererpack fahren, verstehen Mann und Frau mit langsamer Aussprache nicht: Gibt’s in St.Gallen randalierende Autofahrer oder besteht bei den St.Galler Verkehrsbetrieben die Angst, den Passagieren könnten häufige Fahrgelegenheiten auf den Wecker gehen? Das nächste Transportmittel lässt auf sich warten und das Geschehen am Bahnhof  nimmt seinen Gang. Leute kommen und gehen, stellen Fragen und geben Antwort, suchen Busse und finden sie (oder auch nicht). Der Omnibus fährt heran und ich steige ein. Das Billet kostet für Hunde, Velo, unter 16 Jährige und halbe Leute stolze 2 Franken. Natürlich nur wenn man den Touchscreen im stark schwankenden Bus bedienen kann. Und ansonsten läuft es sich ja ganz gut in der autofreien Zone. Wenn ich bloss wüsste, in welche Richtung.