Kultur | 18.05.2009

„Du musst leben, um Musik zu schreiben“

Text von Joël Thommen
Fünf Wochen sind vergangen seit dem Release des Albums "Des Rois, des Pions et des Fous" des Schweizer Hip-Hoppers Stress. Tink.ch traf ihn exklusiv auf seiner Tour, vor seinem Konzert im Krempel in Buchs und sprach mit dem gebürtigen Estländer über sein neues Album.
"Musik darf nicht mein ganzes Leben sein." Fotos: Johannes Reich Stress im Gespräch mit Joël Thommen.

Welche Message willst du mit deinem neuen Album vermitteln? Was möchtest du bewirken?
Stress: Ich denke, es ist wichtig, dass die Leute verstehen, dass wir nicht nur Bauern („des pions“) sind wie im Schachspiel, sondern dass wir unsere Leben und unser Umfeld mit unserer Meinung und unseren Aktionen ändern können.

Also geht es dir hauptsächlich darum, dass die Leute erkennen, dass sie Einfluss auf ihre Lebenssituation haben können?
Ja und auch, dass du nicht gefangen bist in dem Leben, das du momentan führst.

Denkst du, du kannst das auch bewirken bei den Zuhörern, also dass sie sich wirklich darüber Gedanken machen?
Ich weiss es nicht, das musst du die Zuhörer fragen.

Nach dem Erfolg deines letzten Albums „Renaissance“ werden bestimmt hohe Erwartungen in dein neues Album gesetzt. Jetzt, da es schon eine Weile in den Läden steht, denkst du, dass du diese Erwartungen erfüllt hast?
Weisst du, auf das letzte Album haben wir eineinhalb Jahre hingearbeitet, mit der Tour und den verschiedenen Singles. Und jetzt sind fünf Wochen seit dem Release des aktuellen Albums vergangen und wir sind viel weiter als letztes Mal. Ich denke schon, dass es erfolgreicher ist. Die Sache ist einfach die, dass die Erwartungen kein Limit mehr haben, wenn du so erfolgreich bist.

Also hab ihr euch deiner Meinung nach noch mehr gesteigert?
Ja, es sieht ganz so aus, es läuft super! Die Shows sind ausverkauft, also denke ich, dass das Album den Zuhörern wirklich zusagt. Das Album ist seit fünf Wochen erhältlich und ständig Nummer drei in den Charts, das Airplay ist gut und die Konzerte sind voll. Jetzt müssen wir das, was wir machen, noch weiterbringen und generell weitergehen.

Bestehen denn grosse Unterschiede zwischen den zwei Alben?
Meiner Meinung nach ist das neue Album besser, es ist auch reifer und wir sind musikalisch besser geworden. Lieder wie beispielsweise „Saint Profit“ haben wir vorher noch nie gemacht und es sind wirklich starke Tracks im Album.

Vielleicht noch eine allgemeinere Frage: Gibt es für dich Gründe, weshalb du mit der Musik aufhören würdest?

Wenn ich keinen Spass mehr an der Musik hätte oder keine Ideen. Für mich muss das Ganze wirklich Sinn machen. Ich muss das Bedürfnis verspüren, Musik zu machen und wenn das nicht da ist, dann mache ich auch keine mehr, denn es gibt so viele andere Sachen, die du in deinem Leben machen kannst, ich will mich einfach weiterentwickeln.

Also muss die Musik Bestandteil deines Lebens sein?
Musik ist immer ein Teil meines Lebens. Du hast immer sehr viele andere Sachen im Leben, Musik ist nie das ganze Leben, das kann sie nicht sein. Und das muss und soll sie auch nicht sein. Natürlich ist sie ein grosser Teil meines Lebens, aber ich will nicht, dass sie mein ganzes Leben ist, denn wenn das der Fall ist, lebe ich nicht mehr. Du musst aber leben, um Musik zu schreiben! Du musst auch ausserhalb der Musik Erfahrungen sammeln in deinem Leben, nur so kannst du all diese Teile in deine Musik einbringen und sie zu etwas Besonderem machen.

Und natürlich darf auch der Spass an der ganzen Sache nicht fehlen. Vorhin beim Soundcheck schien es beispielsweise als hättet ihr grossen Spass an dem, was ihr macht.

Ja, wir haben Spass. Aber es gibt natürlich auch technische Schwierigkeiten, es ist nicht immer alles perfekt. Es geht aber auch nicht alleine um die Tracks, sondern auch um das Zusammenwirken zwischen den verschiedenen Personen. Es ist wichtiger, dass wir 15 Minuten Spass haben, wie vorhin beim Soundcheck, und einfach Scheisse reden und etwas tun, als einfach nur stur die Tracks zu spielen.

Dann bedanke ich mich für dieses Interview und wünsche euch viel Spass und Erfolg heute Abend und natürlich auch auf der ganzen Tour!
Super! Ich danke euch!

Spass und Erfolg schien er dann auch tatsächlich zu haben, der rockende Rapper begeisterte am Abend die Massen. Der vergleichsweise kleine Club „Krempel“ platzte aus allen Nähten, als der Hip-Hop Star kurz nach elf Uhr die Bühne betrat. Bereits zuvor wurde dem Publikum kräftig von „M.A.M.“ eingeheizt, der ebenfalls mit französisch sprachigem Hip Hop aufwartete. Mit scheinbar unermüdlicher Energie performten danach Stress, seine Band, Karolyn und Nega sowohl Hits von früheren Alben, als auch vom aktuellen Album „Des Rois, des Pions et des Fous“. Die Menge sang trotz den französischen Texten unbeirrt mit und quittierte jeden Song mit tobendem Applaus. Nach circa zwei Stunden Spielzeit verschwanden die Musiker dann von der Bühne, um unter grossem Gejubel der Fans wieder aufzutauchen und noch eine Zugabe zu spielen. Dann war aber endgültig Schluss. Stress und seine Mitstreiter liessen sich danach noch persönlich auf der Party blicken und scheuten sich nicht, mit jedem noch so stürmisch dahergesprinteten Fan in die Kamera zu blinzeln und Autogramme zu verteilen.

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