Kultur | 05.05.2009

„Direkt auf der Bühne Neues ausprobieren“

Text von Ramona Duss | Bilder von fornoise.ch
Man kann Züge oder Treffen verpassen, aber zu einem Konzert von Evelinn Trouble sollte man auf keinen Fall zu spät kommen . Die 20-jährige Musikerin war kürzlich an den Stanser Musiktagen und rockte das "Chäslager" mit einer gewaltigen Sound-Kombination.
Diesen Sommer spielt sie am Paléo Festival: Evelinn Trouble.
Bild: fornoise.ch

 Wenn Evelinn Trouble als Singer-Songwriterin angekündigt wird, ist Vorsicht geboten. Denn, was man sich darunter vorstellt, wirft sie zu Beginn ihrer Konzerte gerne gleich mal über den Haufen. Laut und mit E-Gitarre lässt sie Dampf ab. Selbst würde sie sich nie als Singer-Songwriterin bezeichnen, schon nur der Schubladisierung wegen. „Das ist ein grosses Missverständnis. Es stört mich aber auch nicht sonderlich.“ Es komme wohl daher, dass sie früher viele Solokonzerte gespielt habe, nur sie mit Gitarre und Stimme auf der Bühne. Daneben sei sie schon immer eher auf der lauten Seite gewesen. Trouble mag sich einfach nicht in irgend eine Sparte einteilen lassen: „Es ist doch nicht natürlich, genau festzulegen, welche Musik man nun spielt“, sagt sie; „Einteilungen in Genres spielen für mich keine Rolle. Man macht neue Songs und die klingen dann eben so, wie sie gerade herauskommen.“

Flüstertöne und Geschrei

Die ersten paar Tracks des Abends sind gespielt. Das Publikum löst sich langsam aus der Überraschungs-Starre. Evelinn Trouble und ihre Band Trespassers experimentieren während des ganzen Konzertes immer wieder und spielen bezaubernd mit der Dramatik. Von leisen Flüstertönen bis hin zu raumfüllendem Geschrei kommt alles einmal vor. „Mir ist es wichtig, direkt auf der Bühne etwas Neues auszuprobieren, etwas zu riskieren“, sagt die Musikerin nach dem Konzert. Das seien dann die ganz speziellen Momente. „Wir wollen einfach nicht, dass es langweilig wird. Deshalb entwickeln wir uns von Konzert zu Konzert. Es ist immer anders. Es geht auch darum, nicht zu stagnieren.“

 
Man kann auch bei Troubles aktuellen Songs den Einfluss des Punks noch gut hören. Sie erzählt von ihrer früheren Band Lorry In Space. Grunge hätten sie gespielt, aber auch damals schon diverse Genres dazugemischt. Später schrieb Trouble eine beträchtliche Anzahl Songs und nahm alleine ein Album auf. Den Traum einer Musikkarriere trägt sie aber schon viel länger mit sich. Ihre Mutter sei Jazzsängerin, sagt Trouble. So habe sie früh begonnen, Musik zu machen und zu lieben. „Manche sind Sprachgenies, andere sind richtig gut in Mathe, und mir war es schon immer ernst mit der Musik.“

Das Konzert ist fast zu Ende. Mit einem kleinen Banjo tritt die Band noch einmal auf die Bühne, um das tobende Publikum mit einer Zugabe zu verabschieden. Gesungen und gespielt wird nun ohne technische Verstärkung. Als Evelinn Trouble tanzend die Bühne verlässt, um näher beim Publikum zu sein, klatschen die Leute laut mit. Ein letztes Furioso. Dann ist der Zauber vorbei.

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