Gesellschaft | 25.05.2009

Destination WG Teil 2: Die Jagd

Die WG-Zimmer Suche in Zürich kann anstrengend und manchmal auch fristrierend sein. Die Nachfrage ist gross und das Angebot klein. Interessante Erfahrungen sammelt man trotzdem.
Für die Jagd auf ein WG-Zimmer braucht es meistens viel Geduld.
Bild: Bastian Stoermus/youthmedia.eu Verschlägt es unsere Kolumnistin dereinst noch in eine typische Männer-WG? Wir werden sehen. www.dasa-jugendkongress.de

Der Auszug nahm in meinem Kopf immer konkretere Formen an. Innerhalb kürzestmöglicher Zeit angelte ich mir meinen Job (official ghostwriter of her Majesty the Queen) und konnte so offiziell zur WG-Jagd aufbrechen. Zimmergrösse und Lage weiss man ja schon vorher aufgrund der netten Anzeigen. Die Aussicht aus dem Fenster ist relativ irrelevant, der Waschplan ist ziemlich egal, wie hoch schon wieder die Miete ist, kann man getrost noch danach Zuhause nachgrübeln – vorausgesetzt, man hat ein gutes Gefühl. Denn das eigentliche Jagdziel ist die Kommune selbst. Die vordergründig lockerflockigen WG-Bewohner gilt es zu sezieren, denn sie sezieren auch dich.

„Also, ähm, tschüss“

Eine Tatsache ist zuerst absurd und dann belustigend, und zwar, dass der als nicht-der-Norm-entsprechende  Szeni-WG-Bewohner mit seinen Röhrlijeans sich nicht um weitere Diskussion mit dem potenziellen WG-Mitglied bemüht, wenn letzteres solch einen ausserordentlichen Fauxpas begeht, wie etwa die Businessklamme nach der Arbeit, huch!!, anzubehalten, sich NICHT!!, nochmals huch!!, extra in einer winzigen Toilette umzieht, und dann gar – sehr frevelhaft – in dieser Kleidung bei der Besichtigung aufzukreuzen. Kleider machen Leute und zwar so sehr, dass die durchschnittliche as-if-WG-Kommune nicht sehr bemüht war, hinter die brave Fassade zu blinzeln.  Nach einer Viertelstunde eisigem Schweigens in der Küche, an etwas lieblos in die Schüssel geschütteten Paprika-Zweifel-Chips und ein paar vagen „Ähm, ihr ruft dann also nächste Woche an, also, ähm, tschüss“ wurde jedem Kandidaten klar, nicht besonders erwünscht zu sein. Nur weil man im „Kreis Cheib“ wohnt, ist man offensichtlich nicht automatisch etwas aufgeschlossener. Wie schade, dass sich das knapp verpasste WG-Bewohnerli nun als Kolumnenschreiberin entpuppt und sich jetzt mal Luft macht.

Künstlertypen und Sportskanonen

Eine ziemliche Schlacht war die Erfahrung, die ich aus einer Besichtigung einer runden WG machen konnte. Nicht die Bewohner waren rund, es lief auch nicht besonders rund; vielmehr  folgte die Wohnung den Konturen der Tankstelle, über der sie sich befand und fiel deshalb ziemlich uneckig aus. Im gemütlichen Esszimmer lieferten sich WG Kandidatin „sportlich-verschrobene Schneiderin“ und ich uns ein erbittertes rhetorisches Gefecht. Die WG bestand aus einer gemütlichen durchschnittlichen Frau, Typ lustige Lehrerin, einem Künstlertyp der abstrakte nackte Frauen und Katzen malt, zwei Sportskanonen und einem durch Abwesenheit glänzenden Architekturstudenten (wie denn auch sonst, der läuft wahrscheinlich den ganzen Tag mit dem Abdruck seines ETH-Atelier -Spannteppichs im Gesicht herum). Die gemütliche zukünftige Lehrerin hatte ich auf meiner Seite, doch die sportliche Fraktion konnte ich nicht für mich gewinnen. Fing doch die Verschrobene an, von Kletterwänden und vom Snowboard erschrecktem Wild im Wald zu reden. Ich will nun nicht jammern und deshalb sage ich einfach, dass ich mit meiner Figur niemandem ein A für ein U vormachen kann und so ging ich mit dem beruhigenden Gefühl, eine weitere WG von meiner Liste zu streichen, Richtung hohe Instanz.

Denn morgen ist ein neuer Tag und jeder Tag ist ein guter Tag für die Jagd.

Fortsetzung


Nächstes Mal in Destination WG: "Die Jagd geht weiter"

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