Gesellschaft | 04.05.2009

Das etwas andere Frühlingserwachen

Text von Céline Graf
Wer diesen Sommer die Matura bestehen möchte, geniesst die ersten Frühlingstage besser nicht zusehr. Denn der Bücherstapel ruft.
Von Kleist bis Capote: Die Bücherliste für die Eidgenössische Matura hat noch so manche Gymischüler an den Rand der Verzweiflung getrieben.

Die Sonnenstrahlen sind noch etwas zaghaft. Es riecht nach Regen. Hallo neuer Tag! Guten Morgen… Welt? Denkste. Bücher heisst das Zauberwort für hiesige Primaner. Denn die Reifeprüfung steht kurz bevor und das Motto lautet: Mensch denkt, Matur lenkt.

Frühlingserwachen? Statt an Blümchen zu schnuppern und unter blühenden Bäumen zu wandeln, lockt eine Kindertragödie (Frank Wedekind, „Frühlings Erwachen“). Schmetterlinge im Bauch? Nein, aber ein Erdbeben in Chili (Heinrich v. Kleist, „Das Erdbeben in Chili“). Frühstück am Bett? Breakfast at Tiffany’s mundet besser (Truman Capote, „Breakfast at Tiffany’s“). Zwitschernde Vögelchen? Katzen sind viel poetischer (E.T.A. Hoffmann, „Lebens-Ansichten des Katers Murr“). Undsoweiterundsofort.

Vor lauter Klassiker darf die Gegenwart nicht vergessen werden. Also Zeitung lesen. Schweinegrippe, Afghanistan, Sri Lanka – halt! Wo geht es hier bitte zur nächsten Schatzinsel (Robert Louis Stevenson, „Treasure Island“)?