Gesellschaft | 18.05.2009

Abtanzen im Regenwald

Text von Matthias Kempf
Nur zwei Bootsstunden von der brasilianischen Stadt Slavador entfernt befindet sich ein Paradies ohne Autos, dafür mit Clubs, mitten im Dschungel. Ein Reisebericht.
Auch die Pousadas auf der Halbinsel sind schöner als anderswo. Fotos: Matthias Kempf Postkartenstrände, und weit und breit keine Touristenmassen.

 Ermüdende und für Seekranke fürchterliche zwei Stunden Bootsfahrt erwarten einem, wenn man von Salvador,  der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaats Bahia, nach Morro de São Paulo hinüberschippert. Morro de São Paulo ist eine Halbinsel, die vor allem für ihre wunderschöne Landschaft und das verkehrsfreie Leben bekannt ist. Deshalb ist die Gegend mit Auto und Bus gar nicht erst zu erreichen. Endlich angekommen und noch ein wenig torkelnd und benommen von der Überfahrt wird man sogleich angehauen, einen Eintritt von 7 Reais (etwa 3 Franken und Fünfzig Rappen) zu bezahlen. An wen das Geld geht oder für was es verwendet wird, kann mir Keiner so recht erklären. Ich belasse es einfach im guten Glauben, dass das Geld genutzt wird, um die prächtige Umgebung so zu erhalten. Nach einem kurzen Nickerchen in der luxuriösen Pousada  (so werden kleine Hotels in Brasilien genannt) steigen wir hinauf zum Morro (Morro bedeutet „Hügel“ oder „kleiner Berg“ auf Portugiesisch und die Insel heisst wörtlich übersetzt „Hügel von São Paulo“). Tiraleza heisst der höchste Punkt, von welchem man eine fantastische Übersicht über drei der fünf Strände des Ortes geniesst.

Bungeespringen  kann man ebenfalls, jedoch sind die Instrukteure seit dem letztjährigen tödlichen Unfall einer Frau ziemlich unterbeschäftigt.  Die weitere Erkundung der Insel führt mitten in den Dschungel. Auf Trilhas, wie die Trampelpfade auf Portugiesisch genannt werden, wandern wir immer mehr ins  Gestrüpp. Hin und wieder können wir Häuser erkennen, die mitten in den Wald gebaut worden sind. Zum Teil mächtige Villen, die wohl über private Zugangswege oder gar Helikopterlandeplätze verfügen. Raus aus dem tropischen Wald geraten wir direkt an einen wunderschönen Strand. Von dort aus machen wir uns auf den Weg zum alten Fort, einer Festung aus dem 17. Jahrhundert. Erbaut von den Portugiesen, um Angriffe der Spanier und Holländer abzuwehren. Die Festung ist ziemlich heruntergekommen, es scheint fast, als sei seit dem Baujahr nichts daran gemacht worden. Die Aussicht auf das Meer ist trotzdem sehr ergreifend und fühlt sich ein wenig zurückversetzt und kann sich durchaus vorstellen gerade im 17. Jahrhundert zu sein, und Wache zu schieben.

Tanzfläche im Wald
Auf dem Rückweg zur Pousada entdecken wir plötzlich einen Club, mitten im Dschungel. Wir wissen nicht genau, ob er privat ist oder nicht, nehmen dann, aufgrund seines Erscheinungsbildes an, dass er einem Drogenkönig gehören muss. Zur Sicherheit fragen wir in der Pousada nach. Es wird uns mitgeteilt, dass der Club öffentlich zugänglich sei und, dass noch am selben Abend eine Party stattfinden soll. Wir können uns nicht vorstellen, dass jemand mitten in der Nacht den Weg zu diesem verborgenen Club findet und die Ersten und Einzigen wollen wir auf keinen Fall sein.

Wir warten also erst einmal ab. Um ein Uhr morgens dann, wird es plötzlich lärmig. Herrschaften von Leuten machen sich auf den Weg in den Wald. Wir beschliessen, sie zu begleiten und gelangen zu dem besagten Club, in dem die Party schon in vollem Gange ist. Die Pulgar Disco, wie der Club heisst, ist Openair und hat eine grosse Tanzfläche, eine kleine Bühne und verschiedene Balkons auf verschiedenen Stockwerken. Die hohen Temperaturen lassen einen zwar noch mehr schwitzen als in einer üblichen Disco, aber die ungewöhnliche Umgebung ist es allemal wert. Es gibt Sambashows und Electro mit aus Europa eingeflogenen DJs. Einen besseren Abschluss dieser Reise Morro de São Paulo hätten wir uns nicht vorstellen können.