Sport | 06.04.2009

Zwischen Brauchtum und Spitzensport

Text von Mathias Leuenberger | Bilder von www.ehv.ch
Das laufende Jahr ist für die Hornusser ein ganz spezielles. Findet doch im August in Höchstetten (BE) das Eidgenössische Hornusserfest statt, welches nur alle drei Jahre abgehalten wird. Ein Tink.ch Reporter möchte diese faszinierende Sportart der Leserschaft näher bringen.
Hornusser am Werk,
Bild: www.ehv.ch

Erstmals erwähnt wird das Hornussen in der Literatur von Jeremias Gotthelf im 19. Jahrhundert. Es ist jedoch davon auszugehen, dass bereits viel früher im Emmental gehornusst wurde. Ausserdem existierten zahlreiche Vorformen des Hornussens, welche zum Teil noch heutzutage ausgeübt werden (z.B. Tsan, Hürnen). In den Anfängen des Hornussens  gingen vor allem junge, ledige Bauern dem Hornussen nach. Sie trafen sich im Spätsommer/Herbst, um auf abgeernteten Feldern gegen Bauern anderer Dörfer zu spielen. Es ist überliefert, dass solche Anlässe, nebst dem Kräftemessen unter den Spielern, auch dazu dienten, bei den unverheirateten Frauen Eindruck zu hinterlassen. Andere Quellen gehen noch weiter: Das Hornussen sei dagewesen, um Streitigkeiten zwischen den einzelnen Dörfern zu regeln. Da aber die Regeln zu dieser Zeit vor jedem Spiel neu festgelegt wurden, wurde dieser Zweck wohl nur selten erfüllt. Überlieferungen zufolge sei es fast nach jedem Spiel zu wüsten Raufereien gekommen.

Schritt zur Professionalität

Im Jahre 1902 wurde der Eidgenössische Hornusserverband gegründet, zweifellos ein Schritt zu mehr Professionalität. Fortan gab es festgeschriebene Regeln, vereinzelt wurden auch schon regionale Meisterschaften abgehalten. Die Mitgliederzahlen des Verbandes wuchsen bis zum 2. Weltkrieg stetig. Während dem Krieg kam der ganze Wettkampfbetrieb zum Erliegen, da viele Hornusser im Aktivdienst weilten. Nach dem Krieg normalisierte sich die Lage allmählich, der Spielbetrieb wurde wieder aufgenommen und die Mannschaften erfreuten sich regen Zulaufs neuer Mitglieder. Heute liegt die Zahl aktiver Hornusser in der Schweiz bei rund 6000. Es wird zudem seit 1993 jedes Jahr eine Schweizer Meisterschaft in 7 Ligen durchgeführt. In den obersten zwei Ligen wird ein beträchtlicher Trainingsaufwand betrieben, um an der Spitze mitspielen zu können. In diesen Ligen hat sich in den vergangenen Jahren ein Wandel vom Spiel zum Leistungssport vollzogen. In den unteren Ligen ist der zeitliche Einsatz und der sportliche Ehrgeiz nicht im selben Ausmass vorhanden wie in den Nationalligen. Das Hornussen wird mehr nur aus Freude am Spiel ohne hochgesteckte sportliche Ziele betrieben. Hornusser sind heute in jeder Bevölkerungsschicht zu finden. Der Hauptanteil stammt zwar immer noch aus der ländlichen Bevölkerung, im Gegensatz zu früher sind jedoch nicht mehr nur Bauern unter den Hornussern auszumachen.

Dies war ein kurzer Überblick über das Hornussen in geschichtlicher Hinsicht. In der Folge werden an dieser Stelle auch noch die Regeln, die Spielgeräte und andere interessante Aspekte des Hornussens vorgestellt.