Sport | 06.04.2009

Wo Rennfahrerkarrieren ihren Anfang nehmen

Text von Mario Caviezel
Nicht jede Sportart kann Millionen von Menschen begeistern. Doch wenn es um Autos und Geschwindigkeit geht, lassen sich einige mobilisieren.
Boxengasse, Fotos: Mario Caviezel Basteleinheit Rennbahn

Samstag, 4. April 2009, sonniges Wetter: Die Frisur hält – noch. Schon von weitem hört man die dröhnenden Motoren der Gokarts, die auf der 750m langen Strecke der Kartbahn Lyss von Amateurfahrern auf Hochtouren gebracht werden. Die gesamte Kulisse um der Kartbahn gleicht einer riesigen Motorshowanlage. Wo einst Kühe und Ziegen weideten, befinden sich nun aufgetürmte Reifenstapel, kilometerlange Leitplanken, leistungsstarke Schlitten auf vier Rädern, Umkleidekabinen für die Fahrer, Festzelte inklusive Grillanlagen für die Apèro- beziehungsweise Partys und auf dem Dach der Zentrale Aussichtspunkte für die mitgeschleiften Zuschauerinnen und Zuschauer. Eine solche Atmosphäre lässt auch das ungeschulte Motorherz höher schlagen, spätestens dann, wenn man selber Teil dieses Spiels wird.

Mittendrin, statt nur dabei

Der Gedanke, selber einmal einen solchen Mini-Boliden zu lenken, muss sehr verlockend sein. Schliesslich mussten Sportlergrössen wie Fernando Alonso oder Lewis Hamilton auch ganz klein anfangen und ihre Sporen auf solchen Pisten abverdienen. Sie gehören zurzeit zu den bekanntesten und beliebtesten Rennfahrern der Gegenwart. Die Vorstellung, wie diese nun ausgewachsenen Männer als Jugendliche ihre Runden auf ähnlichen Kartbahnen drehten und in ihren Overalls mit Schweissperlen auf der Stirn nur den Tagessieg vor dem geistigen Auge hatten, ist das beste Doping für jeden Nachahmer. Ruhm und Ehre wollen alle Amateure in der Motorwelt erlangen – auch diejenigen auf der Kartbahn Lyss. Sie nehmen die Chance wahr, an ihrem Berühmtheitsstatus zu schrauben und sich unter Freunden zu profilieren, auch wenn stets der Spass- vor dem Ernstfaktor steht.

Gas-Gefühl

Die meisten von den unerfahrenen Gokart-Rennfahrern, waren, nachdem sie ihre x-Runden auf der Kartbahn Lyss gedreht haben, vom Parcours hellauf begeistert. Sie stiegen nach der gelungenen Fahrt aus ihren Boliden, nahmen den Helm ab und schwärmten lachend über das unbeschreibliche „Fahrfeeling“, über die gelungenen Überholmanöver oder einfach über ihre Fahrkünste. Das Spiel mit der Bremse und dem Gas hätten sie nach wenigen Sekunden beherrscht und den glutheissen, zum Teil mit Öl beschmierten Asphalt unter ihren Sitzen konnten sie aufgrund der sehr tiefgelegten Fahrzeuge regelrecht riechen. Ihnen allen war klar, dass ein Wiedersehen mit dieser Gokartbahn vorprogrammiert war, spätestens dann, als beim Feierabendbier und der Bratwurst vom Grill ein Gefühl der Vollkommenheit aufkam; ein Gefühl, das möglicherweise auch einst der junge Alonso und der junge Hamilton verspürten.