Gesellschaft | 27.04.2009

Von Null auf Hundert in vier Sekunden

Text von Nando Bosshart
Grüne Mobilität ist in: Seit März 2008 wird der von einem Elektromotor betriebene "Tesla Roadster" in Serie produziert und findet nun seinen Weg nach Europa. Tink.ch hat ihn getestet.
Sowohl von Aussen... ...als auch von Innen macht der "Tesla Roadster" eine gute Figur. Im Heck des Wagen sind über 6800 Akkus versteckt. Fotos: Nando Bosshart

Das Elektroauto „Tesla Roadster“ wird von vielen Green-Mobility-Enthusiasten als wahres Wunderwerk gefeiert und soll den Beginn einer neuen automobilen Ära einleiten. Was der edle Batterie-Flitzer wirklich leistet, durfte ich selbst anlässlich einer Testfahrt in Zürich hautnah hinter dem Steuer erleben.

Vor der Testfahrt gab es von Craig Davis ein kurzes Tech-Briefing zum Roadster – übrigens in einwandfreiem Deutsch vorgetragen – und kompetente Auskunft. Sowohl die für uns Alpenländler wichtige Frage, ob das Auto auch bei minus 20 Grad Celsius noch funktioniert als auch die Sorge, ob man unterwegs auf Besuch bei den lieben Verwandten die Batterie mal rasch an der Haussteckdose aufladen kann, wurde von Craig mit einem deutlichen Ja beantwortet.

Beeindruckende Beschleunigung
Nach der Schlüsselübergabe durfte ich endlich im Cockpit des Boliden Platz nehmen. Es ist schon ein seltsames Gefühl, wenn man bei einem Auto den Motor anlässt und überhaupt nichts davon mitbekommt ausser einer grünen Leuchtanzeige im Tacho. Mit den rund 6830 Lithium-Ionen Akkus hinter meinem Sitz rollten wir vollkommen lautlos vom Parkplatz.
Dass diese Testfahrt nicht bloss eine zahme Spazierfahrt blieb, war angesichts der rund 245 Pferdestärken (185 Kilowatt Leistung) nicht verwunderlich. Bereits die erste rote Ampel durfte als Startsignal für einen Vollgas-Kickdown herhalten – der Elektromotor des mit einem Gewicht von 1260 Kilogramm nicht ganz leichten Fahrzeuges liess die Tachonadel nach nur 3.9 Sekunden die 100 km/h-Markierung passieren. Innert Sekundenbruchteilen werden die nachfolgenden Autos im Rückspiegel mikroskopisch klein. Ein Auto mit einer derartigen Beschleunigung zu fahren macht eindeutig süchtig.  

Rekord-Reichweite
Mit der zur Verfügung stehenden Batterie-Kapazität wurde vor Kurzem bei der Monte Carlo e-Rally eine Strecke von 390 Kilometern am Stück gefahren, man kann also durchaus mit einer einzigen Ladung ein ganzes Wochenende auf der Strasse verbringen. Der Fahrspass ist angesichts der beschriebenen Leistungsdaten extrem hoch, der Tesla Roadster liegt ausserordentlich gut auf der Strasse und fährt wie auf Schienen durch die Kurven. Da ich an diesem Wochenende nicht der Erste (und auch nicht der Letzte) war, der mit dem Roadster fahren durfte, war es nicht weiter erstaunlich, dass ich bei der Rückkehr auf dem Parkplatz mit den Worten „another smiling face“ empfangen wurde. Das breite Grinsen klebt selbst Stunden nach der Fahrt noch in meinem Gesicht. Ich will es aber gar nicht so schnell loswerden.

Der Fahrspass hat seinen Preis
Der überaus positive Gesamteindruck vom „Tesla Roadster“ wird aus meiner Sicht nur durch einen einzigen Schönheitsfehler gemindert: Für Öko-Geeks mit kleinem Geldbeutel wird der umweltfreundliche Supersportler wohl ein Wunschtraum bleiben, denn wer den Tesla Roadster sein Eigen nennen möchte, muss dafür mindestens 89’000 Euro abgeben – somit bleibt diese Testfahrt für mich vorläufig nicht mehr als eine wunderbare Erinnerung. Wesentlich budgetfreundlicher und damit auch für die breite Masse interessant wird das voraussichtlich ab 2012 erhältliche „Modell S“ sein, welches basierend auf der gleichen Akku- und Motorentechnologie bis zu sieben Personen Platz bieten und die Insassen rund 480 Kilometer weit transportieren soll. Hier liegt der von Tesla Motos angepeilte Verkaufspreise bei circa 40’000 Euro. Das Sparkonto habe ich auf jeden Fall schon eingerichtet.