Kultur | 20.04.2009

Näkkälä

Text von Céline Graf
Die finnische Tundra: Sümpfe und Eis, glasklare Seen, riesige Wälder, endlose Weiten. Irgendwo dort befindet sich Näkkälä - ein Dorf mit etwas mehr als 30 Einwohnern, vorwiegend Rentierhirten. Diese Filmkulisse liess sich eine Tink.ch Reporterin nicht entgehen.
Rentierherde aus dem Dokfilm "Näkkälä", Fotos: www.cineman.ch Filmfigur: Iisakki-Matias Syväjärvi

Einer der Einwohner von Näkkälä, einem Dorf in der finnischen Tundra, ist Iisakki-Matias Syväjärvi. Er ist Same, wie alle in Näkkälä. Fast alle, denn zeitweise wohnt Hans Ulrich Schwaar bei Syväjärvi. Der Emmentaler hat in Näkkälä neben einer zweiten Heimat auch eine Freundschaft fürs Leben gefunden. Sein Wissen über die Kultur des indigenen Volkes Nordskandinaviens und darüber, wie ein Leben in der Tundra aussieht, hat Schwaar in zahlreichen Büchern festgehalten. Es seien Zeitdokumente, so Schwaar. Ein weiteres solches Dokument der Zeit ist der gleichnamige Dokumentarfilm „Näkkälä“ (2005) von Peter Ramseier. In grossartigen Bildern schildert er die Freundschaft der beiden Männer, die aus so unterschiedlichen Kulturen stammen. Im Zentrum stehen aber, nach Schwaars Wunsch, die Samen – das Volk der Rentierhirten.

Leben mit der Natur

Ramseier vermag die Schönheit der Natur in stimmungsvollen Bildern wiederzugeben. Nie kitschig, sondern ruhig und poetisch. Mit respektvoller Distanz porträtiert er auch die Menschen. Er lässt sie erzählen und auf den Zuschauer wirken, mit Blicken, Gesten, einzelnen Interviewsequenzen. Dank uralten Traditionen, von Generation zu Generation weitergereicht, haben die Samen gelernt, mit der Natur zu leben. Diese bestimmt den Lebensrhythmus der nordischen Ureinwohner. Sie bildet die Lebensgrundlage, bietet ihnen Nahrung und Schutz. Der Alltag eines Rentierhirten birgt viele Herausforderungen: Kälte (im Winter kann es bis Minus 40 Grad kalt werden), körperlich anstrengende Arbeit mit den Rentieren, aggressive Mückenplagen – und manchmal die Einsamkeit der unendlichen Tundra-Ebenen. Man merkt jedoch bald, dass der wahre Feind Globalisation heisst. Ihre Folgen, wie fallende Preise, führen zusammen mit den klimatischen Veränderungen zur existenziellen Bedrohung des indigenen Volks.

Eigene Charaktere

„Näkkälä“ ist ein beeindruckender Film über eines der letzten indigenen Völker dieser Erde und über die Freundschaft, welche wie ein Pflänzchen viel Pflege und Feingespür bedarf, um zu blühen. Die einzelnen Filmsequenzen erinnern uns an die erstaunlichen Geheimnisse der Natur – und lehren somit viel über den Menschen selbst. So sagt Syväjärvi einmal, jedes Rentier habe einen eigenen Charakter, genau wie wir Menschen.

Zum Film


"Näkkälä" ist auf DVD in Fachgeschäften oder auch online bei cede.ch erhältlich.