Gesellschaft | 21.04.2009

Mit oder ohne Schöggeli?

Text von Daniel Grunder | Bilder von Flickr.com/giz72
Die Banker reut's, doch den Matadorjournalist freut's: Die Krise will kein Ende nehmen. Was Banken mit Schoggiherzen zu tun haben, erklärt der Kolumnist.
Das war mal: Schoggiherzli.
Bild: Flickr.com/giz72

Angesehen waren sie. Und sie genossen einen ausgezeichneten Ruf. Und wer bei ihnen angestellt ist (oder war), der genoss ebenfalls einen ausgezeichneten Ruf. Und war angesehen. Dieses Bild hat sich aber gewandelt. Der Banker wurde zur Hassfigur. Und mit ihm und der gesamten Weltwirtschaft geht eine Branche bachab, die vor der Bankenkrise Jahr für Jahr immer noch höhere Gewinne ausweisen und ihren Topleuten Jahr für Jahr immer noch höhere Boni auszahlen konnte. Doch jetzt hat sich-˜s „ausgefinänzelt“ und die Weltwirtschaft kämpft ums Überleben.

Ja, und jetzt stehen sie alle da, mit offenen Mündern und feuchten Augen. Und sie alle stellen sich die gleiche Frage: Wie konnte es bloss soweit kommen? Wie ist so etwas möglich? Wer ist Schuld an dem Ganzen? Und sie alle suchen und diskutieren und reden und gestikulieren. Im Fernsehen, im Radio, in der Presse. Und auch der Matadorjounalist vom Bündner Tagblatt oder sonst einem Käseblatt vom Land hat in der Bankenkrise sein Fressen gefunden und findet es toll, dass er jetzt auch mal zu einem grossen Thema was kommentieren darf. So, und während sich also alle Fachleute und Journalisten gegenseitig die Buchstaben aus ihren Nasen ziehen, um sie kurzum in einer neuen Suppe wieder aufköcheln und auftischen zu können, wird gleichzeitig am WEF eifrig über Lösungen diskutiert, und natürlich nur über Lösungen. Und die Grossbanken nehmen sich alle an ihren grossen Nasen und geben Versprechen ab und verschicken parfümierte Bettelbriefe mit Kleeblatt-Stickern und Schoggiherzli drauf, die werte Kundschaft möge ihnen doch ihr Vertrauen wieder entgegenbringen. Doch ist Papier geduldig und die werte Kundschaft nicht blind. Oder vielleicht doch?

Während das Schöggeli bei den Einen noch im Munde zergeht, werden bei den Banken wieder die Boni verteilt. Schliesslich war es ja auch ganze Arbeit, die gesamte Wirtschaft in eine Krise nie dagewesenen Ausmasses zu stürzen. Nicht unbemerkt von der Öffentlichkeit allerdings, die beim Wort „Boni“ aufschreit und mit dem Finger auf die Banken zeigt und sagt: Ha, wir habens gewusst! Und das mit unseren Steuergeldern ist eine Frechheit! Und die vom Staat geretteten Grossbanken schauen auf, ganz erschrocken über die öffentliche Aufruhr, und verschicken abermals parfümierte Brieflis mit Herzlichläberli an ihre werte Kundschaft. Diesmal nur ohne Schoggiherzli, weil jetzt heisst es sparen, nicht klotzen. Herzig in diesem Zusammenhang auch, dass am diesjährigen WEF die Grossbanken nicht mehr die Kaviar- und Cüplipartys schmissen, sondern die Morgenessen sponserten. Man zeigt sich also einsichtig.

Die Bankenkrise als solches ist weder als Phänomen oder Irgendetwas, sondern schlussendlich als Resultat menschlicher Habgier zu werten. Ein Phänomen wird daher viel eher die (leider noch nicht gefundene) Lösung zu diesem Problem sein. Und da sich Habgier leider (noch… Roche?) nicht medikamentös behandeln lässt, ist davon auszugehen, dass sich unser Matadorjournalist und alle anderen Wirtschaftsfachleute noch lange und immer wieder an dieser Problematik die Zähne ausbeissen können und müssen (oder sich darüber freuen, je nach Schreibtischgrösse halt).