Gesellschaft | 06.04.2009

Mit Mampf zum Kampf

Ab von der Zivilisation und in einer anderen Welt: Unser Redaktor berichtet in einer dreiteiligen Serie von den Erlebnissen und Aktivitäten aus einem militärischen Wiederholungskurs.
Still gestanden! In einem dreiteiligen Erlebnisbericht fängt unser Autor die Erlebnisse seines dreiwöchigen WK`s ein.
Bild: www.uefa.com Essen gehört zu den spannendsten Aktivitäten während eines WK`s. www.20min.ch So ein Paket gibt es zu gewinnen. Mehr Infos am Ende des Textes. www.retorte.ch

Drei Wochen im Wiederholungskurs im Militär; das bedeutet drei Wochen abgeschnitten von der zivilen Basis. Eingepfercht mit 100 anderen Mannen in einem Zvilischutzbunker in einem fern-östlichen Teil der Schweiz, wo die Bratwurst noch ohne Senf gegessen wird.

Ursprünglich plante ich diese Zeit ja als dreiwöchiges Trainingslager, in dem möglichst viel im Dreck gerobbt und möglichst wenig auf der faulen Haut gelegen wird. Körperlich komplett durchtrainiert, sollte ich nach den drei Wochen als gefeierter Kriegsheld in die geschützten Mauern meiner zivilen Vertrauensbasis zurückkehren. Es kam anders. In Wahrheit lag, sass oder stand ich fast immer auf der faulen Haut. Genauer gesagt bin ich jeden Morgen um fünf aufgestanden um danach meinen Tag mit Nichtstun zu verbringen. Der „Sicherungszug“ in dem ich eingeteilt war, erhiehlt die ehrvolle Aufgabe über die gesamte Zeit irgendwelche Dinge zu bewachen. Unseren mit Pefferspray und scharfer Munition gewürzten Beschützerinstinkt setzten wir mehrheitlich zum Schutz unserer eigenen Unterkunft ein. Aber auch dafür, dass keine Rucksäcke, Gamellen, Panzer oder Kaderleute von verdächtigen „Figuranten“ geklaut wurden.

Ab ins Ruheelement

Zwischen den 2-stündigen Bewachungseinheiten in denen weder telefoniert, gegessen noch gelesen werden durfte, zog man sich ins 4-stündige „Ruheelement“ zurück – in die Pause der Pause, könnte man so sagen. Diese Zeit wurde dafür genutzt, um sich zu Reinigen, sich mit anderen Soldaten einem Kartenspiel („Arschlöchle“ oder Poker) zu widmen, den „Blick“ (alles andere hätte die stillgelegten Geister zu diesem Zeitpunkt überfordert) zu lesen oder – und das war meistens der Fall – sich zu verpflegen. Die Kompanie hatte ein paar kochwütige Männer am Start, die es wirklich gut mit uns meinten. Grosse Fleischstücke an Bratensauce mit viel Beilage (meistens irgendeine Art von stopfendem Brei) gab es fast täglich: Insgesamt eine gut-bürgerliche Küche, welche verwundete Männer wieder kampfbereit machen soll. Die knapp 30 verbrannten Kalorien, die beim einmaligen Patroulien-Gang durch den Wagenpark drauf gingen, wurden so jeden Mittag und Abend mit 1000 neuen kompensiert. Das Credo: Mit Mampf zum Kampf! Und wälzten sich die dicken Köche für einmal selbst in ihrem Ruheelement, stand uns zu jeder Tageszeit ein „Zwipf“ (Zwischenverpflegung) zur Verfügung. Militärschockolade, Farmerstengel der Geschmacksrichtungen Honig, Zitrone oder Aprikose, Biscuit, Äpfel und Mandarinen brachten auch die am lautest knurrenden Mägen zum Schweigen.

Robben und Jodeln

Dass die drei Wochen WK zur kulinarischen Ferienreise verkamen, wäre doch etwas übertrieben formuliert. Zum Dessert durften wir uns schon manchmal durch den Schlamm robben oder unsere Kriegsfertigkeit mit Schiesseinheiten oder Nahkampf unter Beweis stellen. Und zugegeben: Der 15 Kilometer lange Leistungsmarsch bescherte mir den ersten und einzigen Muskelkater dieses WK’s, sowie eine fies-zündende Blase am rechten Fuss. Hier wurde das Credo für einmal gekehrt: Mit Kampf zum Mampf – nach der Wanderung über verschneite Hügel am Fusse des Säntis verköstigen wir uns darauf üppig in einem ehrenwerten Appenzeller Landgasthof, inklusive Ländlermusik und Jodelgesang, performt von den rotwangigen Servierdüsen, die wahrscheinlich allesamt Rösli oder Vreneli hiessen. Der Mob tobte und alle bekamen nebst einem dicken Cordon-Bleue eine grosse Portion Volkstümlichkeit, von der alle locker bis zum nächsten WK zehren können. Wie übrigens auch von den angegessenen Fettreserven.

Mehr über den Autor & ein Wettbewerb


Der Autor verbrachte die vergangenen drei Wochen im Wiederholungskurs des Militärs. Zwecks Erlebnisverarbeitung und um langwierigen psychischen Schäden zuvorzukommen, berichtet er in einer dreiteiligen Serie über seine Taten und Untaten während dieser Zeit.

 

Ausblick: Der WK als Theaterkabinett für die unterschiedlichsten Charaktere: Vom dicken Weichei, über den wirr sprechenden Psychopathen bis hin zum laut schreienden Vorgesetzten. Der Autor hat vieles beobachtet und einiges notiert. In zwei Wochen schildert er auf Tink.ch seine berührendsten, denkwürdigsten aber auch merkwürdigsten (a-)sozialen Begegnungen.

 

Wettbewerb: Tink.ch verlost ein Fresspäckli (Zwipf). Für eine Teilnahme sende Name und Adresse an martin.sturzenegger(at)tink.ch