Kultur | 21.04.2009

„In England hat man wenigstens was davon“

Die Luzerner Indie-Rocker 7 Dollar Taxi reisen weit mit ihrer Musik - seit einigen Monaten verhandeln sie um einen Plattenvertrag in London. Tink.ch sprach mit ihnen über die neue Herausforderung.
Sänger Tizian von Arx. Fotos: Tatjana Rüegsegger Bassist César beim Proben. Ob in London oder Luzern: 7 Dollar Taxi spielen sich Gig um Gig zum Erfolg.

Zuerst unterschrieben 7 Dollar Taxi einen Plattenvertrag in Japan und stiegen damit als eine der hoffnungsvollsten Schweizer Exporte in den Indie-Himmel auf. Doch die vier  Luzerner sahen das Land der Samurai nie von nahem. Nun starten sie einen erneuten Versuch in England. Was in Japan nur gering läuft, sollte in London abgehen wie eine Rakete: 7 Dollar Taxi gehören, vom Genre her, zu der Art Musik, die dort auch in Radios gespielt werden, was hierzulande kaum denkbar wäre.

Doch bringt es wirklich was, nach England zu gehen, wenn da so oder so schon so viele „Indie“-Bands herumschwirren? Ha! Natürlich, denn sie haben etwas, was alle anderen nicht haben: sie kommen aus der Schweiz und haben damit einen Exotenbonus. Und seit das „Tagi-Magi“ 7 Dollar Taxi offiziell zu den „500 Beiträgen der Schweiz zur Verbesserung der Welt“ gezählt hat, kann sie eh nichts mehr bremsen. In London soll es also für die Jungs richtig losgehen. Doch so einfach ist das Ganze nicht. Der Plattenvertrag, den sie momentan am verhandeln sind, wird ihr Leben verändern: Die Hauptbedingung des Labels ist der feste Standort der Band in London.

London, ein grosser Schritt. Ist der Druck nicht riesig dort durchzustarten, vor allem als nicht-englische Band?

Christoph: Am Anfang dachten wir es sei ein Nachteil. Unterdessen ist es eigentlich ein Vorteil. Wenn du einen Haufen englischer Bands hast, die alle gleich tönen und du den Überblick verlierst, dann kommt eine Band von aussen gerade recht. Zuerst sagten wir uns: „Komm, wir sagen nicht dass wir Schweizer sind.“. Doch wir haben es uns anders überlegt, wir wollten uns abgrenzen von den Andern, denn sonst verkommst du zu einem dieser Massenprodukte. Wir denken es ist gut, dass wir Schweizer sind. Wir sind „unverbraucht“, stammen aus dem „exotischen“ Ausland, aus dem Land wo sie Uhren und Schokolade machen.

Tizian: Druck verspürten wir eigentlich nicht. Abgesehen von der Tatsache, dass wir Schweizer sind, was ein kleines Hindernis sein kann, haben wir ein Team, das uns unterstützt, an uns glaubt und auch Geld investiert wo es nötig ist. Wir gaben das Ganze mehr oder weniger aus den Händen und müssen nicht mehr viel tun.

Christoph: In der Schweiz ist es ziemlich einfach, einen gewissen Bekanntheitsstatus zu erreichen. Wenn du dran bleibst hast du das recht schnell. Meist wird dir aber irgendwann gesagt, dass dein Sound nicht massentauglich ist und es ist schwerer etwas zu erreichen, wenn man sich nicht anpasst. Wenn du in England den Durchbruch schaffst, hast du mehr davon.

Werdet ihr dann zur englischen Band?

César: Was heisst schon englische Band? Nur weil man ernsthaft Musik macht, spielt man auch nicht gerade zwei Mal in der Woche in London.

Tizian: Abgesehen von den Vocals klingen wir auch zu wenig britisch, um uns als Engländer auszugeben. Unser Sound ist teilweise ziemlich amerikanisch, Garage, beeinflusst durch Namen wie „The Standelles“, „The Sonics“ oder „The Kinks“.

The Kinks? (The Kinks sind Briten)

Tizian: Eben, Standelles und Sonics. Wie gesagt, werden wir definitiv nicht versuchen, uns als englische Band zu verkaufen.

Christoph: Es gibt auch Bands die nachdem sie in Berlin waren, plötzlich zu „Berliner Bands“ werden. Das ist einfach lächerlich.

Tizian: Schlussendlich ist auf dem Pass halt immer noch das rote Kreuzchen drauf.

Christoph: Du meinst das weisse Kreuzchen.


Mehr zur Band


Tizian und César von Arx sind Brüder, was man, Tizians Meinung nach nur schon wegen den unüblichen Vornamen erraten kann.

Tizian arbeitet auch an einem schon erfolgreichen Soloprojekt "One Lucky Sperm" (www.myspace.com/oneluckysperm). Anhören: Naked or Undressed.

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