Gesellschaft | 06.04.2009

Entspannt, nicht chaotisch

Durch das EU-Programm "Jugend in Aktion" kamen in Portugal kürzlich 35 junge Menschen aus ganz Europa zu einem Kurs zum Thema "The Power of Non-Formal Education" zusammen. Auch eine Schweizerin war dabei.
Neue Möglichkeiten: Diese wurden den Teilnehmenden durch das non-formelle Lernen eröffnet. Fotos: Anna Lena Aeschlimann Auch Spiele gehörten zum vollen Programm. Portugal trifft Europa. Viele Sprachen, viele Kulturen, viele Charakterköpfe: Und trotzdem konnte sich die Gruppe bestens austauschen.

Die Konzentration nimmt ab, der Kopf dröhnt, und vom Gelernten bleibt nichts hängen. Vielfach erweisen sich unsere Lern- und Arbeitsmethoden als ungeeignet und anstrengend. Die Ergebnisse sind dementsprechend unbefriedigend. Im Rahmen des europäischen Programms „Jugend in Aktion“ haben junge Menschen aus ganz Europa die Möglichkeit, an einem viertägigen Trainingskurs über die Bedeutung des non-formellen Lernens teilzunehmen und einen tieferen Einblick in eine immer stärker aufkommende Methode zu gewinnen. Eine Teilnehmerin eines solchen Trainings war auch unsere Reporterin.

Bereits der aussagekräftige Titel des Trainings, „The Power of Non-Formal Education“, liess die Bedeutung dieser Methode erahnen. Obwohl von den meisten schulischen Institutionen heute fast ausschliesslich formelle Lernmethoden angewendet werden, nimmt das Non-formelle einen zunehmend wichtigeren Platz in unserer Gesellschaft ein. Besonders bei ausserschulischen Aktivitäten kann mit gezielten Übungen, Spielen oder Simulationen ein mindestens so grosser Lernerfolg erzielt werden, wie wenn auf traditionelle Methoden zurückgegriffen würde.


„Non-formell“ heisst nicht „unorganisiert“

Gemeinsam mit rund 35 Teilnehmenden aus ganz Europa wurden wir von der für das Programm „Juventude em Acção“ (dt.: „Jugend in Aktion“) verantwortlichen portugiesischen Nationalagentur in der Küstenstadt Porto im Norden Portugals willkommen geheissen. Drei Trainer sowie ein kompetentes Team im Hintergrund sorgten für einen reibungslosen Ablauf des Kurses. Die Tage waren ausgefüllt und liessen die meisten Teilnehmenden Nachts in einen tiefen Schlaf versinken. Auch wenn der Inhalt des Seminars eine gewisse Lockerheit vermuten lässt, war das tatsächliche Programm von A bis Z durchorganisiert und formelle Methoden kamen keinesfalls zu kurz. Zuhören sowie analysieren bildeten einen wichtigen Bestandteil.

Wer vermutet, dass non-formelles Lernen mit dem Fehlen von Struktur und Organisation zu tun hat, irrt sich. Im Vergleich zum informellen Lernen, einem Prozess, bei dem wir Fähigkeiten, Erkenntnisse oder Wissen durch alltägliche Situationen erwerben, zeichnet sich das non-formelle Lernen durch eine klare Struktur aus. Ganz im Gegensatz zu der formellen Bildung ist die non-formelle Bildung aber auf das Individuum ausgerichtet und vereint bestimmte Lernziele mit einer Methode, die sich für die betroffene Person als geeignet erweist. Bereits die Bezeichnung selbst weist darauf hin, dass die offizielle Definition als Negation von formell gesehen werden kann. Dies lässt den bisher sekundären Rang des Non-formellen in unserem Alltag erahnen.

Europa als Organisator und Teilnehmer

Das von der EU lancierte Programm „Jugend in Aktion“ fördert den Austausch unter Jugendlichen in Europa. Trainingskurse wie jener in Portugal sind jeweils ein spannendes Aufeinandertreffen verschiedenster Kulturen und Charaktere. Dabei stellt man immer wieder fest, wie weit der Prozess einer gemeinsamen europäischen Identität bereits fortgeschritten ist. So wurden auch Teilnehmende aus der Schweiz und anderen Nichtmitgliedstaaten der EU keineswegs als Aussenseiter behandelt.

Was man aus dem Training „The Power of Non-Formal Education“ mitnehmen kann? Vor allem das Bewusstsein für eine andere Art von Organisation, den Mut, neue Elemente in ein bestehendes Projekt einzubringen und gleichzeitig aber auch bereits existierende Strukturen zu überdenken und abzuändern. Nebst dem erworbenem Wissen kehrte unsere Reporterin natürlich noch mit etwas genauso Wichtigem im Gepäck in die Schweiz zurück: Mit neuen Freundschaften, neuen Menschenkenntnissen. Ein ganz informeller Prozess eben.

Jugend in Aktion


Willst auch du an einem Seminar, Trainingskurs oder einer Jugendbegegnung teilnehmen oder selber ein Projekt durchführen? Mehr Infos dazu findest du auf der Homepage der Schweizerischen Koordinationsstelle Jugend für Europa unter www.jugendfuereuropa.ch oder info@jfeuropa.ch.

Links