Gesellschaft | 21.04.2009

Die Segnungen kreativen Denkens

Text von Edith Truninger | Bilder von Stefan Wallimann.
Manchmal ist der Blick auf die beste Lösung einfach verstellt, weil wir uns angewohnt haben, dass alles kompliziert sein muss. Die Amazone sinniert über kreatives Denken.
Bild: Stefan Wallimann.

Es ist leider eine menschliche Tatsache, dass wir unserem Glück häufig selbst im Weg stehen. Interessanterweise sind es jedoch meistens nicht die äusseren Grenzen; sondern unsere inneren Barrieren, die uns zum Verhängnis werden. Eingefahrene Denkmuster schränken unseren Handlungsradius ein, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Ob wir an eine neue berufliche Ausrichtung denken, einen Wohnortwechsel vornehmen möchten oder nur schon ganz simple, einfache Problemlösungsprozesse im Alltag anstreben… immer orientieren wir uns an anerzogenen oder gelernten Denkmustern.

Anhand des «Starbucks»-Cafés im Flughafen lässt sich das Prinzip des kreativen Lösungsprozesses wunderschön illustrieren. Der Flughafen ist ein Ort des Transits und oftmals sind Leute dazu gezwungen, langweilige Stunden in der Transitzone zu verbringen, nicht selten auch über Nacht. Besonders beliebt sind dabei die «Starckbucks»-Cafés, weil sie mit bequemen Sofas ausgestattet sind. Da diese aber eigentlich nicht zum Liegen, sondern zum Sitzen gedacht sind, krümmen sich die Reisenden jeweils zu Dutzenden in unschöner Weise darauf zusammen, um unter grösster Mühe in einen unruhigen Schlaf zu fallen. Nur ein einziger, erzählte mir ein langjähriger Flughafenmitarbeiter, kam je auf die Idee, die Sitzpolsterung wegzunehmen – denn die lässt sich ganz einfach abnehmen – und diese auf dem Boden auszubreiten… er muss geschlafen haben wie ein König. 

In der Fachwelt nennt sich dieses offene, unsystematische Denken «konvergentes Denken». Konvergentes Denken ist Denken, das sich über die inneren Grenzen hinauswagt, den inneren Zensor ausschaltet. Es ist im besten Sinne kreatives Denken. Meine Freundin Lockenkopf gehört zu jenen Menschen, die dieses konvergente Denken bereits als Kind verinnerlicht haben. Das lässt sich anhand einer schönen Geschichte illustrieren: Mangels normalem Papier hat Lockenkopf einmal ihre Hausaufgaben auf Packpapier geschrieben. Warum auch nicht, muss sie sich gedacht haben. Auf Packpapier lässt sich schliesslich genauso gut schreiben wie auf normalem A4-Papier, und ich muss ihr da zustimmen. Dummerweise hatte ihre Lehrerin nicht ganz so viel Verständnis für diese Art des kreativen Lösungsprozesses: Als Klein-Lockenkopf stolz ihre Hausaufgaben auf einem Fetzen Packpapier präsentierte, wurde die Lehrerin fuchsteufelswild und schleuderte ihr folgenden legendären Satz ins Gesicht: «Chaschs ja grad so guet uf Schiisiipapier schribä!»

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