Gesellschaft | 06.04.2009

Bleiche Manager hinterm Rednerpult

Hoffen wir, dass wir bald wieder unbeschwert feiern können. Auch wenn der ersehnte Retter nicht auftauchen sollte. Ein Kommentar zur Bankenkrise.
Die Kirse spürt man auch hier.
Bild: Julian Berger /youthmedia.eu

Trendwellen aus Amerika kennen wir. Ohne Fast-Food würde das europäische Leben heute langsamer funktionieren. Das letzte Jahr hat einen neuen Trend mit sich gebracht, der auch noch 2009 in Mode bleibt. Die „Financial Crisis“ – auf Deutsch; die Bankenkrise.

Einst war es noch ein Crash, ein Absturz, doch nachdem jetzt auch die Spritzen, all die finanziellen, wenig Besserung brachten, haben wir die Krise. Dennoch verlangen Krisen nach Besserung. Und der, welcher es verbessert, sollte möglichst der gleiche sein, der für den Schaden verantwortlich ist. Also geht die Suche nach dem Sündenbock los. Sind es die, welche mit bösen Hedge-Fonds gespielt haben oder die, welche immer nach noch mehr Bonus lechzten? Da wird es schwierig. Denn das Grauen hat sich auf der ganzen Welt ausgebreitet. Nachrichtentechnisch lässt sich Paris Hilton weitaus besser verfolgen. Die lächelt auch schön weiter. Immer nur die Bilder von den Börsianer, die ihr Gesicht vor flackernden Bildschirmen in den Händen vergraben oder die bleichen, burn-out-gefährdeten Manager vor dem Rednerpult schaut sich auch keiner lange an.

Doch der durchschnittliche Konsument ist bereits infiziert und schiebt jetzt auch die Krise. Er flaniert am Samstagmorgen einmal weniger durch die Bahnhofstrasse, zieht M-Budget all den schön arrangierten Sélection-Serien vor, häufelt sein Geld nun lieber bei der Migrosbank als der UBS an und schiebt all seine persönliche Probleme, auf die allgemeine miese Lage der Welt ab.

Also warten wir alle auf den Retter. Irgendeiner, der ausnahmsweise mit einem strahlenden Lächeln ans wirtschaftliche Rednerpult steht und die Lösung auf das Rätsel „Finanzkrise“ kennt. Schon alleine die Verbreitung guter Stimmung wäre Anlass dazu, wieder mal ein Glas Wein mehr zu trinken. Ob die neue Finanzkonzeption dann an Adam Smith oder Maynard Keynes anlehnt, interessiert zweitrangig. Doch der Name dieses Genies wird bestimmt zu einem neuen Trendwort.