“Wir lassen das Salz von der Decke rieseln”

Seit wann gibt es das “Salzhaus” und wie ist es entstanden?
Andreas Groeber: Das Kulturlokal Salzhaus an der Unteren Vogelsangstrasse 6 beim Bahnhof Winterthur öffnete im Herbst 1996 seine Türen. Eine Gruppe von Musikfans suchte einen Raum für Konzerte und Partys, die nichts mit dem damaligen Techno-Hype zu tun hatten. Vorzugsweise wurde Musik aus den Bereichen Funk, Acid Jazz, Big Beatz, Trip Hop etc. gespielt, welche zu diesem Zeitpunkt in Winterthur nicht angeboten wurden.
 

Wer hatte die Idee und welche Ziele werden verfolgt?

Das waren etwa zehn Personen im Alter von 25 bis 35 Jahren aus dem Nachtleben von Winterthur. Zum Teil aus dem Umfeld der MusicBox. Dies war ein LP/CD-Laden an der Marktgasse in Winterthur, aus dem später CeDe.ch hervorgegangen ist und der heute als Laden nicht mehr existiert.  

Wozu diente das “Salzhaus” früher?

Das Salzhaus war das Salz-, Korn und Kaufhaus der Stadt Winterthur. Heute ist es ein belebtes und beliebtes Konzert- und Kulturhaus. Bekannt ist es für seine vielseitigen Konzerte von Funk, über Acid Jazz bis Rock und World Music, aber auch für seine legendären Partyreihen wie die kultige Pulp Fiction Party  


Welches Publikum möchtet ihr erreichen, wie sieht euer Programm aus?

Winterthur ist zu wenig gross, um einen Club mit dieser Kapazität auf nur einer Programmschiene fahren zu lassen. Wir versuchen einen guten Mix aus Partys und Konzerten im Bereich Pop/Rock zu machen. Einmal pro Jahr ist das Band it (www.band-it.ch) im Salzhaus zu Gast. Das Band it ist das Nachwuchsband-Festival des Kantons Zürich. Dieses Festival bietet jungen Bands die Chance, sich unter professionellen Bedingungen einem breiten Publikum zu präsentieren.  

Seit der Eröffnung hat sich vieles verändert, wieso?

Nachdem der Erfolg der Funk- und Acid- Jazz-Anlässe nachliess, mussten neue Programminhalte gesucht werden, die ins Salzhaus und ins kulturelle Umfeld passten. Zudem hat sich seit dem Jahre 1996 viel getan in der Club-Landschaft in Winterthur. Wir sind nun etwa die dritte oder vierte Generation, die das Salzhaus leitet. Die Organisation wurde stark professionalisiert und auch die Infrastruktur ständig verbessert.

Welche Vorschriften habt ihr und welche Bedingungen müsst ihr erfüllen? Zusammen mit den andern drei Musikclubs von Winterthur (Albani, Gaswerk und Kraftfeld) müssen wir pro Jahr eine bestimmt Anzahl von Konzerten im Bereich Pop/Rock organisieren. Eintritt haben bei uns Menschen ab 18 Jahren. Zudem sind wir bei Safer Clubbing dabei und halten uns an deren Vorgaben. Safer Clubbing setzt sich aktiv für eine lebendige Tanzkultur ein, sowie für Clubs mit hohen Qualitäts- Standards bezüglich Komfort, Sicherheit, Prävention und Erlebnis. 

Für alle die das “Salzhaus” nicht kennen, was ist speziell und wie würdest du es beschreiben?

Das Salzhaus ist Winterthurs erste Adresse für Pop- und Rock-Konzerte. Internationale Stars wie Einstürzende Neubauten, Steve Earle oder Gogol Bordello lassen regelmässig die Salzhaus-Balken krachen und für Schweizer Bands wie Züri West, Stress oder Sina ist das Salzhaus fester Bestandteil jeder Tour. Dazwischen sind auch unbekanntere Künstler, besondere Überraschungen und kulturelle Perlen auf der Salzhaus-Bühne anzutreffen. Am Wochenende öffnet das Salzhaus seine Türen für Partys mit verschiedensten stilistischen Schwerpunkten. HipHop-Beats, Dancehall-Riddims, Eurodance, Electro, Rock und 60’s-Sounds lassen in der besonderen Club-Atmosphäre das Salz von der Decke rieseln.

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Wir bauen ein Team auf

Tink.ch will in Luzern ein Redaktionsteam aufbauen und sucht dafür junge Leute aus der Zentralschweiz, die ein Flair für Journalismus haben. Die Plattform steht, die Bühne ist frei für viele neue Ideen.

Wir lancieren die Redaktion offiziell am 6. Mai mit einer Sitzung der offenen Tür in der Regionalstelle von Infoklick.ch Zentralschweiz in Luzern, Zürichstrasse 73. Komm vorbei und bring deine Ideen mit. Wir sind von 19 bis 21 Uhr vor Ort, informieren über das Projekt, beantworten Fragen und laden zur gemeinsamen Diskussion.

Wenn du sicher weisst, dass du kommen wirst, sind wir froh, wenn du dich kurz über folgendes Formular anmeldest. Danke.

Anmeldung Redaktionseröffnung

Sitzung der offenen Tür


Wann: Mittwoch, 6. Mai, offene Tür zwischen 19 und 21 Uhr
Wo: Regionalstelle Infoklick.ch Zentralschweiz, Zürichstrasse 73, Luzern
Was: Infos über Tink.ch, Ausblick auf die Lokalredaktion Luzern, Ideen sammeln, Leute kennen lernen.
Wer: Vor Ort sind Janosch Szabo, Verlagleiter von Tink.ch und Yvonne Bissig, Leiterin der Regionalstelle Zentralschweiz von Infoklick.ch, und Weitere.

Psychologische Feldforschung

Wer die letzten beiden Abhandlungen meiner WK-Erlebnisse gelesen hat, der könnte sich nun beim unchristlichen Gedanken ertappen, das Schweizer Militär sei nur ein Ballungsraum für sozial benachteiligte junge Männer mit einem Aufmerksamkeitsdefizit und dem durchaus nachvollziehbaren Verlangen, mehr als eine warme Mahlzeit pro Tag in den Teller – in diesem Fall Gammele – zu kriegen. Was das erste dieser drei aufgezählten Identifikationsmerkmale betrifft, kann ich nicht mit Sicherheit sagen ob es zutrifft. Die jeweilige soziale Kaste ist bei Militaristen jeweils nur schwer zu identifizieren. Der Grund: Die einheitliche Kleidung – es sehen alle gleich aus, ob Emo, Homo oder Homöopath.

Charakterliche Überraschungen

Nach zwei Wochen gemeinsamen Bunkerurlaubs glaubte man sich gegenseitig gut zu kennen. Die Hierarchien und Rollengefüge unter den Soldaten waren längst so eingefahren, wie Ueli Maurers unerschütterlicher Glaube an die beste Armee der Welt, da offenbarte sich mir noch die eine oder andere Überraschung: Den dick bebrillten Vetterlin*, den ich persönlich und mithilfe meines sozialen Einstufungsrasters, als stotternden Bäckersbuben mit Hang zur Legasthenie eingestuft hatte, entpuppte sich als allwissender Bücherwurm. Belesen und überaus adäquat in seiner Wortwahl. Wenn er zur Abwechslung gerade mal nicht von Wachtmeister Dimic in den Schwitzkasten genommen wurde, stand mir Vetterlin ab sofort als überaus erfrischende Gesprächsalternative zur Verfügung, wollte ich gerade mal nicht an den handelsüblichen Themen des “Soldaten-unter-sich-Jargons” teilnehmen: Frauen (nackte), Autos (schnelle) und – paradoxerweise – Militär.

Das Militär als Gesprächsthema

Obwohl viele Soldaten den ganzen WK über nicht müde werden, über das Militär herzuziehen, liessen es sich einige nicht nehmen, 95 Prozent ihres Wortschatzes über ebendiese Institution zu verlieren. Geschichten über zündende Blasen und sadistische Vorgesetzte erzählten sie mit einem Glanz in den Augen, der die Freude an das Erlebte heimlich aufblitzen liess. “Während des 50Km-Marsches musste ich zwecks Schmerzvertilgung eine ganze Packung Ponstan schlucken und am Ende lag ich mit Infusionen verkabelt in einer Ecke des feuchten Luftschutzkellers”, sagte Soldat Schrepfer* während er aussah, als ob er sich nach diesem abenteuerlichen Erlebnis zurücksehnen würde. Soldat Schrepfer ist im wahren Leben Buchhalter.

Mut zum Kampf

Vielleicht ist es Thrill und Abwechslung, was gewisse Männer in Vierfruchtgewändern alljährlich zu kleinen, mit Waffen hantierenden Kindern macht. Vielleicht ist es eine durch temporären Individualverlust und Konformität ausgelöste Enthemmung, die Bürohengste innert Tagen in masochistische Kampfbestien verwandelt, ähnlich dem bünzligen Mitteleuropäer, der einmal im Jahr nach Ibiza fährt, um dort so richtig die Sau rauszulassen. Das Militär ist eine Lebensschule fernab des realen Lebens, das Militär ist Himmel und Hölle zugleich (Einrücken = Hölle, Abtreten = Himmel), das Militär ist voller Widersprüche und trotz der lähmenden Monotonie niemals langweilig. Abtreten.

*Alle Namen geändert

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Martin Sturzenegger verbrachte diesen Frühling drei Wochen im Wiederholungskurs des Militärs. Zwecks Erlebnisverarbeitung und um langwierigen psychischen Schäden zuvorzukommen, berichtete er in einer dreiteiligen Serie über seine Taten und Untaten während dieser Zeit.

Ziel Guisanplatz

Ein Tram eines älteren Baujahres mit der Aufschrift Guisanplatz biegt langsam und leicht quietschend um den Wendeplatz bei der Haltestelle Wabern. Ich begebe mich in den hinteren Teil des Trams, welches nicht mit modernem Luxus, jedoch mit viel altem Charme ausgestattet ist. Die Sitze sind aus Holz, statt der üblichen Stangen hängen Bügel von der Decke, welche während der Fahrt herumzutanzen beginnen werden. Ich fühle mich in der Zeit zurückversetzt, doch die digitale Anzeigetafel und die Behälter für die Gratiszeitungen holen mich in die Gegenwart zurück. Von der aufdringlichen Werbung ist dieses Tram-Schmuckstück aus vergangenen Zeiten relativ verschont geblieben. Von aussen erstrahlt es im für Bern gewohnten Rot. Aber auch in diesem Tram hat die Moderne Einzug gehalten, denn die vielen Gratiszeitungen auf dem Boden sind ein Ärgernis des 21. Jahrhunderts. Doch die meisten einsteigenden Passagiere sind froh über den Lesestoff im Tram. Sie kommen von den umliegenden Bürogebäuden und sind wohl auf dem Weg in den Feierabend, wobei die leichte Lesekost aus den Zeitungen gerade richtig kommt. Die meisten meiner Mitpassagiere sind allein unterwegs. Die Stille im auf weitere Fahrgäste wartenden Tram wirkt beruhigend auf mich.

Kurze Zwischenhalte

Die Türen schliessen sich, die zweiteilige Wagenkombination setzt sich in Bewegung. Im hinteren, separierten Wagen, hat sich ein junger Mann eingefunden, der in sein Buch vertieft ist und um die Ruhe im Abteil sehr froh ist. Das Tram zählt einige Fahrgäste, ist jedoch nicht überfüllt. Wir befinden uns auch noch am Stadtrand, denke ich mir und bin gespannt auf den Menschenandrang, der am Bahnhof zur Feierabendzeit auf uns warten wird. Währenddessen ziehen wir am Naherholungsgebiet der Stadt Bern vorbei, dem Eichholz und der Gurtenbahn. Es steigt noch kein Aareschwimmer ein, dafür sind die Badetemperaturen im April wohl noch zu kalt. Bei der Gurtenbahn-Talstation wartet ein Downhiller, welcher das prächtige Wetter genutzt hat und die eine oder andere Abfahrt gewagt hat. In geschützter Bikermontur steht er an der Tramhaltestelle. Da er noch mit einer jungen Frau spricht, wird er sich wohl entschieden haben, das nächste Tram abzuwarten. Wir fahren ohne die beiden weiter. Die Tramschienen sind auf diesem Streckenteil von sattem Grün umgeben. Bei den einzelnen Stationen werden nur kurze Halte eingelegt, einige Leute steigen ein und für andere endet die Fahrt. Bei der Haltestelle Sulgenau steigt die erste grössere Menschenmenge ein. Wir nähern uns dem Stadtzentrum.

Abendprogramm

Bergauf geht es weiter über Monbijou zum Hirschengraben. Auch hier ist der Ansturm auf das Tram gering. So bleibt mir die Zeit, einer Frau beim Füttern von Tauben neben einem Pavillon zuzuschauen. Während der gesamten Fahrt beobachte ich durch die Tramfenster die Leute, welche auf den Trottoirs vorbeischlendern und den milden sonnigen Frühlingstag geniessen. Weiter geht es über den Bahnhof bis zur Zytglogge, überall sind Leute unterwegs. Ich könnte stundenlang Tram fahren und die Leute beobachten: Die einen kommen vom Shopping aus den Läden, andere sind in Eile und drängen durch die Menschenmasse, und wieder andere sitzen gemütlich auf den Treppen vor den Lauben und lassen es sich gut gehen. Wir fahren weiter über die Kornhausbrücke. Ich schaue zurück auf die Stadt, und versuche meine Gedanken wieder ein wenig zu ordnen. Mein Ziel der Guisanplatz rückt immer näher. Beim Viktoriaplatz werde ich unsanft aus meinen  Gedanken gerissen. Eine jüngere Frau, ihr Mobiltelefon an ihr Ohr gedrückt, steigt ein und setzt sich neben mich. Aus dem Gespräch kann ich vermuten, dass sie das Abendprogramm am Planen ist, vermutlich mit einer Kollegin. Ob eine Frau mit einer Kollegin oder einem Mann telefoniert, kann ich sehr gut unterscheiden. Ihre Abendplanung begleitet mich durch den Breitenrain, denn sie steigt erst mit den anderen Passagieren an der Parkstrasse aus. Als sich die Türen schliessen, merke ich, dass ich das Tram für mich alleine habe. Zur Endstation Guisanplatz fahre ich mit dem Tramchaffeur allein. Als wir die letzte Kurve in Angriff nehmen, ist wieder dieses leichte Quietschen zu hören. Mit einem Lächeln drücke ich auf den Halte-Knopf und verlasse das Tram.

“Ich muss hier raus”

Proseminar heisst heute Kernmodul und wird vor allem der Credits wegen besucht. Ich für meinen Teil besuche Proseminare nur noch, wenn es unerlässlich ist. Ein wandelnder Anachronismus mit meinen 7, 8 Semestern und mindestens so vielen Seminararbeiten im Unirucksack. Wenn man mein Methusalem-Alter und mein (sogenanntes) Erststudium mitrechnet, so könnte ich ohne weiteres auch die Dozentin, statt die Rezipientin sein.

Ich sitz also im überfüllten Hörsaal:

Dozent: Sie sind ja nun quasi, hehe, frisch ab Presse, direkt von der Matur, jaja, so junge Gesichter, hehehe …

Ich (in Gedanken): Schön wärs, gopfnonmol, muss dringend mal wieder meine Haare färben gehen wegen der Grauhaarabdeckung, und grins nicht so blöd, ich könnt’ im Fall weder deine Tochter noch deine Geliebte sein, eher deine Ehefrau

D: Und natürlich haben Sie keine Ahnung von Disziplinen wie Wirtschaft, Psychologie, Soziologie, Kommunikation… Sie kennen ja nur die Schulfächer, hehehe…

I: Wir leben im 21. Jahrhundert. Sogar meinen Sek-Schülern lehr ich Kommunikationstheorien und Wirtschaftskunde. Apropos, shit, muss noch die Steuererklärung fertig machen

D: Deshalb sollte dieser Kurs dazu dienen, dass Sie sich überlegen können, ob Sie dieses Fach wirklich studieren wollen…

I: Irgendein Nebenfach muss ich ja wohl studieren, meinst du, ich änder das jetzt noch?

D: Und dann können Sie tatsächlich ein erstes Mal eine richtige wissenschaftliche Arbeit nach wissenschaftlichen Standards schreiben. Ohne zu plagiieren, versteht sich. Wissen Sie, was das ist, ein Plagiat? Abschreiben aus dem Netz beispielsweise. Damit hatten wir viele Probleme…

I: Mach hinne, Mann. Ich plagiiere noch nicht mal in meinem Blog. Man hat ja seinen Stolz. Solange ich davon überzeugt bin, dass eh niemand besser schreibt als ich selbst, käm ich wohl kaum auf die Idee… Daher bietet eine gewisse Arroganz durchaus auch einen Schutz vor solchen Peinlichkeiten.

D: Die Arbeit wird dann etwas sechs bis acht Seiten umfassen …

I: So lange ist doch normalerweise die Bibliographie?

D: Das Thema bekommen sie dann im Dezember, damit Sie während der Semesterferien …

I: Wie soll ich mit sechs Seiten die Semsterferien füllen? Eine Seite pro Woche?

D: Doch nun: Sagen Sie mir mal, weshalb Sie überhaupt dieses Fach studieren wollen?

I: Bestimmt nicht, um solch doofe Fragen zu beantworten. Ich muss hier raus. Tschüss Sitznachbarin. Bis nächste Woche.

D: Ja, Sie da, Sie müssen nicht aufstehen. Hehehe, wir sind ja modern, nicht wahr. Sprechen sie ruhig. Nur frisch heraus, Sie müssen nicht nervös sein. Ich verstehe das, als Erstsemestrige sind Sie noch nicht gewohnt, vor Leuten zu sprechen. Nun sagen Sie, weshalb besuchen Sie diesen Kurs?

I (laut): Um ehrlich zu sein, stelle ich mir diese Frage auch. Die Antwort finde ich vielleicht bei einem Glas Bier. Ich geh dann mal. Prost.

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Von Null auf Hundert in vier Sekunden

Das Elektroauto “Tesla Roadster” wird von vielen Green-Mobility-Enthusiasten als wahres Wunderwerk gefeiert und soll den Beginn einer neuen automobilen Ära einleiten. Was der edle Batterie-Flitzer wirklich leistet, durfte ich selbst anlässlich einer Testfahrt in Zürich hautnah hinter dem Steuer erleben.

Vor der Testfahrt gab es von Craig Davis ein kurzes Tech-Briefing zum Roadster – übrigens in einwandfreiem Deutsch vorgetragen – und kompetente Auskunft. Sowohl die für uns Alpenländler wichtige Frage, ob das Auto auch bei minus 20 Grad Celsius noch funktioniert als auch die Sorge, ob man unterwegs auf Besuch bei den lieben Verwandten die Batterie mal rasch an der Haussteckdose aufladen kann, wurde von Craig mit einem deutlichen Ja beantwortet.

Beeindruckende Beschleunigung
Nach der Schlüsselübergabe durfte ich endlich im Cockpit des Boliden Platz nehmen. Es ist schon ein seltsames Gefühl, wenn man bei einem Auto den Motor anlässt und überhaupt nichts davon mitbekommt ausser einer grünen Leuchtanzeige im Tacho. Mit den rund 6830 Lithium-Ionen Akkus hinter meinem Sitz rollten wir vollkommen lautlos vom Parkplatz.
Dass diese Testfahrt nicht bloss eine zahme Spazierfahrt blieb, war angesichts der rund 245 Pferdestärken (185 Kilowatt Leistung) nicht verwunderlich. Bereits die erste rote Ampel durfte als Startsignal für einen Vollgas-Kickdown herhalten – der Elektromotor des mit einem Gewicht von 1260 Kilogramm nicht ganz leichten Fahrzeuges liess die Tachonadel nach nur 3.9 Sekunden die 100 km/h-Markierung passieren. Innert Sekundenbruchteilen werden die nachfolgenden Autos im Rückspiegel mikroskopisch klein. Ein Auto mit einer derartigen Beschleunigung zu fahren macht eindeutig süchtig.  

Rekord-Reichweite
Mit der zur Verfügung stehenden Batterie-Kapazität wurde vor Kurzem bei der Monte Carlo e-Rally eine Strecke von 390 Kilometern am Stück gefahren, man kann also durchaus mit einer einzigen Ladung ein ganzes Wochenende auf der Strasse verbringen. Der Fahrspass ist angesichts der beschriebenen Leistungsdaten extrem hoch, der Tesla Roadster liegt ausserordentlich gut auf der Strasse und fährt wie auf Schienen durch die Kurven. Da ich an diesem Wochenende nicht der Erste (und auch nicht der Letzte) war, der mit dem Roadster fahren durfte, war es nicht weiter erstaunlich, dass ich bei der Rückkehr auf dem Parkplatz mit den Worten “another smiling face” empfangen wurde. Das breite Grinsen klebt selbst Stunden nach der Fahrt noch in meinem Gesicht. Ich will es aber gar nicht so schnell loswerden.

Der Fahrspass hat seinen Preis
Der überaus positive Gesamteindruck vom “Tesla Roadster” wird aus meiner Sicht nur durch einen einzigen Schönheitsfehler gemindert: Für Öko-Geeks mit kleinem Geldbeutel wird der umweltfreundliche Supersportler wohl ein Wunschtraum bleiben, denn wer den Tesla Roadster sein Eigen nennen möchte, muss dafür mindestens 89’000 Euro abgeben – somit bleibt diese Testfahrt für mich vorläufig nicht mehr als eine wunderbare Erinnerung. Wesentlich budgetfreundlicher und damit auch für die breite Masse interessant wird das voraussichtlich ab 2012 erhältliche “Modell S” sein, welches basierend auf der gleichen Akku- und Motorentechnologie bis zu sieben Personen Platz bieten und die Insassen rund 480 Kilometer weit transportieren soll. Hier liegt der von Tesla Motos angepeilte Verkaufspreise bei circa 40’000 Euro. Das Sparkonto habe ich auf jeden Fall schon eingerichtet.

“Ich bin hier eine Art Papafigur”

Der 40-jährige Res Graf ist ein Mann mit vielen Berufen: Kellner, Koch, Securitas-Wächter, Chef de Service oder Landstreicher. Wobei ihm die Rolle des Kellners – “des Unterhunds”, wie er selbst sagt – am besten liegt. “Er erweicht alle Frauenherzen im Alter von 7 bis 77”, sagt Graf scherzhaft, der eigentlich nicht Kellner, sondern Schauspieler ist. Dabei ist nicht nur seine Rollenwahl vielfältig, sondern auch sein richtiges Leben. Angefangen hatte alles im unbekümmerten Leichtsinn der Jugend. Damals machte sich der im Kanton Bern aufgewachsene Res Graf mit Kollegen einen Spass, Leute an der Nase herumzuführen. Ob im Ausgang, in Hotels, im Dorf – jeder musste dran glauben, sogar die Polizei. Eines Nachts stellte sich ein Kollege nach verlorener Wette vor dem Polizeiposten auf und schrie: “Ich habe kalt, sperrt mich ein, ich habe kalt …” Die Polizei zeigte sich verwirrt, die Realsatire war gelungen.

Gärtnern und Schauspielern

Das Leben ging weiter, indem sich Res Graf für unbestimmte Zeit nach Schottland verabschiedete. Dort fand er Unterschlupf auf dem Bauernhof eines Verwandten. Graf erinnert sich: “Erstmals kreuzten sich die beiden Welten, die mich heute noch prägen: das Gärtnern und die Schauspielerei.”

Auf dem schottischen Landhof stand ein kleines Zirkuszelt, in dem regelmässig Künstler und Schauspieler vorbeischauten. Res Graf fühlte sich sofort angezogen und vertrieb fortan seine Zeit nicht mehr nur mit biologischem Gärtnern, sondern auch mit Clownerie und Pantomimen. Diesbezüglich hat sich im Leben von Res Graf wenig verändert. Auf dem Hof Wagenburg in Seegräben, wo er heute lebt und arbeitet, ist Graf als Betreuer tätig. Menschen mit Downsyndrom und schwer erziehbaren Jugendlichen bringt er das Handwerk der Biogärtnerei bei und nimmt gleichzeitig erzieherische Funktionen war. “Ich bin hier eine Art Papafigur”, sagt Graf, der selbst Vater von drei Kindern ist. Und oftmals, wenn die Arbeit getan ist, taucht er in seinem Atelier im Untergeschoss des Hofs ein in die Welt der Schauspielerei.

Der ordinäre Koch

Mit dem Duo-Senf – “dem grössten Duo der Welt” – hat sich Graf auf Inszenierungstheater spezialisiert. Das Ensemble ist bei seinen Missionen “undercover” unterwegs. An Firmenanlässen oder Geburtstagspartys übernehmen die Schauspieler die Aufgabe des Gastroservices: Res Graf in seiner Rolle als unbeholfener Kellner “René” und an seiner Seite der streng agierende “Chef de Service” – meistens gespielt von einer Frau. Manchmal übernimmt Graf auch gleichzeitig die Rolle des Kochs, dann zeigen sich die Partygäste vollends verwirrt und fragen: “Und wer hat jetzt diesen ordinären Koch gespielt?” “Manchmal gibt es Leute, die bis zum Schluss nicht merken, dass alles nur gespielt ist. Dann weiss ich, ich habe meine Arbeit gut gemacht.”

Welten überschneiden sich

In Res Grafs Leben gibt es auch Momente, in denen sich die beiden Welten – das Schauspielern und die Arbeit auf dem Hof – überschneiden: Als Regisseur inszenierte er schon Stücke, in denen er die Hofbewohner von Wagenburg auf die Bühne holte. Dann erntet er mit ihnen für einmal nicht Gemüse, sondern Applaus beim Publikum. “Viele Menschen mit Downsyndrom stehen sehr gerne im Rampenlicht”, sagt Graf. Oder anlässlich der Expo 02 in Murten, als er mit Bauern aus der ganzen Schweiz ein Theaterstück über die Entwicklung des Biolandbaus inszenierte – die Verschmelzung der beiden Welten funktionierte auch da. Ähnliches präsentiert er jedes Jahr am Wetziker Open Air “Schlauer Bauer” – auch diesen Sommer wieder.

Einmal rund um die Welt

In Res Grafs Leben gibt es nicht viel Freiraum für Hobbys. “Mit Bauernhof, Familie und Schauspielerei bin ich vollständig eingebunden.” Trotzdem plant er für die Zukunft eine Auszeit: Im Alter von 55 Jahren möchte er innerhalb von zehn Jahren einmal um die Welt reisen. Zu Fuss und mit Familie, Freunden, Esel und Karre. “Ich möchte den Leuten mit einem Wanderzirkus Freude spenden.” Damit würde sich der Kreis schliessen, indem Graf zu seinen schauspielerischen Wurzeln zurückkehrte: In der Zeit nach Schottland war er schon einmal mit einem Wanderprojekt namens “Zirkus Dr. Eisenbarth” unterwegs. “Das war eine aufregende Zeit”, sagt er, der all seine Rollen im Leben anscheinend perfekt unter einen Hut bringt. 

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Ein Tintenfisch erklärt die kapitalistische Welt

Da ist ein grüner Tintenfisch und die grosse Frage: Wie funktioniert Geld? Oder anders ausgedrückt: Wie schaffe ich es, den Planeten zu beherrschen? Natürlich kann man einfach hinfliegen und die Bevölkerung unterwerfen (oder fressen), aber das wäre nur halb so lustig. Wenn man es ein bisschen schlauer anstellt, kann man die halbintelligenten Wesen, die dort leben, auch für seine eigenen Zwecke arbeiten lassen und so noch viel mehr Spass haben. So einfach ist das. Und – wir haben es alle geahnt – Geld ist das beste und einfachste Mittel, dieses Ziel zu erreichen.

Der grüne Tintenfisch ist es also, der uns die Welt erklärt. Und das Geld. Was genau genommen so ziemlich dasselbe ist. In Zeiten, in denen die Zeitungen voll sind mit Weltwirtschaftskrisen und geplatzten Kreditblasen, da wäre es doch einmal Zeit, sich von einem solchen Tierlein das ganze Schlamassel erklären zu lassen. Kann zumindest nichts schaden.

Der grüne Tintenfisch stellt sich dabei bemerkenswert clever an, er benutzt hübsche Animationen und eine tiefe, beruhigende Stimme, die einem unterschwellig ein trügerisches Alles-wird-gut-Gefühl gibt, allerdings zeitgleich genau das Gegenteil behauptet. Wem die ersten fünf Minuten Apokalypse nicht reichen, kann sich auch noch Teil 2 und Teil 3 reinziehen, die im Übrigen nicht minder lustig sind. Zumindest wer ernsthafte Diktaktorallüren pflegt, sollte sich diese Art Weiterbildung nicht entgehen lassen.

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“Wie ein Kolibri auf Speed”

Solothurn, 26. April

Lieber Baba,

In dieser zornigen Gewitternacht schreibe ich dir meine Replik auf deinen letzten Brief, den du 3 Wochen nicht geschrieben hast, um mir eins auszuwischen. Das hast du auf jeden Fall mir gegenüber so gesagt. Also hier auch ein bisschen mehr Konzentration.

Schön, wenn du siehst, dass ich mich gerade sehr fokussiere. Schade, wenn du denkst ich hätte was gegen andere Meinungen und damit andere Menschen. Aber gerade wenn du mir einen Satz von Daniel Kehlmann zitierst, indem er sagt Identität habe enorm viel mit Konzentration zu tun, kannst du nicht ernsthaft – und glaube mir, ich weiss auf welche Gegebenheit du anspielst – sagen, du machest dir Sorgen, dass ich mich immer mehr zurückziehe.

Ich fokussiere. Und gerade sehr fest. Ich probiere mich in dieser Welt voller bunter Freizeitbeschäftigungen und Konsumblabla und gaga zu konzentrieren. Und konzentrieren tut man sich auf Menschen und Dinge, die einem am Herzen liegen, wo man sieht, dass Geben und Nehmen gut zueinander passen. Man konzentriert sich darauf weiterzukommen. Und da muss man schon konsequent sein. Sonst bringt das alles nichts. Und leid tut mir das nicht.

Es ändert nichts an meiner Freundschaft, aber die gelebte Art ist anders. Ich komme nicht mehr schnell “eins ziehen”, weil ich weiss, worin das meistens endet. Ich habe jetzt lange genug vom Tresen aus, das Geschick der Welt gelenkt. Ich kann nicht mehr. Und Freunde, die Inhalt haben, und sich nicht zuerst füllen müssen, kümmert es nicht, wenn sie mich nicht mehr so oft sehen. Denn jeder ist allein auf dieser Welt und jeder ist, was er macht. Das und enorm viel Konzentration gibt Identität.

Und das ist, was ich bei dir ein wenig vermisse, lieber Baba. Die Male, die wir uns gesehen haben, als du im Ländle weiltest, kamst du mir vor, wie ein Kolibri auf Speed. Ein Feuerwerk von guten Ideen, von Witz und Charme. Ein Belmondo in einem Film von Jean-Luc Godard, aber nicht fassbar. Und nicht auf einen Punkt zu bringen. Keine Realität, dafür eine Champagnerpyramide, die sehr fragil ist.

Mich verwirrt das. Ich bin schweizerisch langsam, misstrauisch und bodenständig. Und Struktur ist für mich mehr als alles Blitzen und Blenden. Ich kenne das nur zu gut und ich weiss auch, dass davon nicht viel entspringt ausser Chaos und Unzufriedenheit. Und angehäufte Versprechungen, die sich unter dem Teppich, wo sie nämlich liegen,  zu einer Stolperfalle entwickeln.

Lass uns gemeinsam Projekte verwirklichen. Drücken wir der Welt unseren Stempel auf. Aber mit Arbeit und Fachkraft.

Ich habe einen Spruch für dich:

Kunst kommt von Können und nicht von Wollen, sonst hiesse sie Wunst!

In diesem Sinne hoffe ich bald von die zu hören.

Dein Joe Dalton

Mehr zu den Brieffreunden:


  • Mein Name (Michael) stand 2007 in der Vornahmen-Hitparade auf Platz 40. Heute genannt Baba, hab ich mein Leben nach London getragen, um Fotografie und die Rätsel einer Beziehung zu erlernen. Davor war ich – nach Flucht aus Solothurn – in Zürich beschäftigt und sesshaft. Trage Schuhgrösse 44. Aufgewachsen in einer modernen Komune, wo ich neben vielen Menschen auch Mitzu kennen lernte. Unser Verhältnis ist, und war, immer lebhaft, inspirierend und fordernd. Was unsere Briefe auch sein werden.
  • Ich, Mitzu,  war ein House-Hörer, Hip-Hop-Gangster, geniessender Korporal, Hippie. Zu anderen Zeiten fühlte ich mich auch als Philosoph, genoss Drogen, scheiterte am Studieren, bin unterwegs Zimmermann geworden und spiele nun Schreiberling. Der Baba war mein Lebensschüler, wurde von mir gequält. Ich hab mit ihm gewohnt und ihn eingeführt in die Welt der verlogenen Prinzipien und des Wahnsinns. Nun ist er weit – weg und doch sehr nah. Entstanden ist eine Gute Freundschaft und wir wechseln uns ab im Lehren und Lernen, wie auch im Briefe schreiben.

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