Gesellschaft | 09.03.2009

Zum Zuhause nachmachen

Text von Patti on tour | Bilder von Patti on tour
Xsünder, gesünder wollen alle werden. Und wenn's nicht anders geht, dann eben mit Katholizismus. In diesem Sinne bringt Patti on tour ein 40-tägiges Fastenopfer dar. Diese Woche: Tag 6 - 12.
Bild: Patti on tour

Jede Frau hat Freundinnen. Best friends forever nennen sie sich zärtlich-pubertär. Dumme Sau nannten die Blonde und ich uns gegenseitig. In unseren Ohren mag das wohl rebellisch geklungen haben. Die dumme Sau ist die Bitch von gestern.

Die Blonde hat inzwischen ins medizinische Fach gewechselt und jegliche schweinischen Attribute verloren. Natürlich ist sie meine Ernährungsberaterin, momentan in dieser Funktion eher unterbeschäftigt, was gibt es schon zu beraten bei Wasser und Fruchtsaft? Deshalb wird nun die grosse Artillerie aufgefahren, die Blonde verschreibt mir zur Entgiftung, als idealer Einstieg in eine Fasten- und Entschlackungskur kurzerhand einen Einlauf. Eine Darmspülung. Diese ist noch weit weniger sexy als sie sich anhört.
Na, gute Frau, bei Ihnen müssen wir wohl zweimal drüber, meint der Arzt und tätschelt mir beschwichtigend die nackten Hinterbacken. Dann lacht er diabolisch, rammt den Schlauch in meinen Unterleib und pumpt mich voll. Ich fühle mich wie ein brennendes Hochhaus, bei dem alle Leute zur kleinen Hintertür herausdrängen, weil das Hauptportal verstopft ist.
Nun liege ich auf dem Bauch, defloriert, gespült, gefoltert, gedemütigt und die nächsten drei Tage krankgeschrieben. Der Arzt war ein sadistisches Monster, der wohl in Abu Ghraib ausgemustert worden war. Die Blonde aber verdient nur einen Titel. Dumme Sau. Forever.

6. Tag
Tagesbilanz:
Zu viel Speck am Leib: 33,5 kg
Zum leiblichen Wohl: Rohe Frucht- und Gemüsestücklein
Zur Leibesertüchtigung: War beim Zahnarzt. Aber kein Sex diesmal.
Sünden: Nach der Mund-Tortur torkelte ich mit gefühlloser Zunge durch den Coop an die Käsetheke und schnupperte. Schnüffelte. Zog mir diesen Geruch, irgendwo zwischen Schweissfüssen und Ziegenstall, in meine bebenden Nüstern (Fortsetzung hier).
7. Tag
Tagesbilanz:
Zu viel Speck am Leib: 32,5 kg
Zum leiblichen Wohl: Rohkost in Form von saucenfreien grünen Salatblättern (und siehe Sünden)
Zur Leibesertüchtigung: Velo gefahren, auf den Zug gesecklet, an die Uni, in der Schule herumgesecklet, den Schülern hintendreingesecklet, (Sie Frau Lehrerin, was riecht hier so stark? Mein Deo. Warum? Ohne würd’s noch stärker riechen, darum.)
Sünden: Frevel, Tod und Teufel! Nie habe ich ein einziges, sündhaftes Falavel-Kügelchen in so viele kleinste Teile zerlegt. Höllisch himmlisch! …
8. Tag
Tagesbilanz:
Zu viel Speck am Leib: 31,5 kg
Zum leiblichen Wohl: Saft, Saft, Saft
Zur Leibesertüchtigung: Nichts, aber dabei gelitten wie ein Schwein.
Sünden: Keine Sünden, aber Vergeltung. Abbitte. Busse. Strafe. Für mein frevelhaftes Falafel gestern. Der Rücken hat mir gemeldet, dass auch ein 32-Kilo-Rucksack eindeutig zu schwer ist. Zumal er nicht am Rücken hängt.
9. Tag
Tagesbilanz:
Zu viel Speck am Leib: 31,5 kg
Zum leiblichen Wohl: Gemüsesaft. Wääk.
Zur Leibesertüchtigung: Ausrede: Immer noch intensive Rückenschmerzen
Sünden: Tatsächlich vor Schmerzen 1 Stunde Schule ausfallen lassen. Weichei?
10. Tag
Tagesbilanz:
Zu viel Speck am Leib: 31,5
Zum leiblichen Wohl: Kenne inzwischen jeden Saftladen der Stadt …
Zur Leibesertüchtigung: Hmm ..
Sünden: Müssiggang ist aller Laster Anfang.
11. Tag
Tagesbilanz:
Zu viel Speck am Leib: 31,5
Zum leiblichen Wohl: Suppe aus Biotta-Saft. Die einzige Möglichkeit, das Zeugs runterzuwürgen.
Zur Leibesertüchtigung: Powershopping.
Sünden: Im Kino ein Säftli MIT Zucker getrunken.
12. Tag
Tagesbilanz:
Zu viel Speck am Leib: 31kg
Zum leiblichen Wohl: Rohkost-Salätchen
Zur Leibesertüchtigung: Spazieren. Mindestens eine Dreiviertelstunde.
Sünden: 10 Tassen Kaffee bei der Mutter des Bärtigen. Die hatte Geburtstag und es gab Kuchen, Chips, Torte, Guetsli, Schoggi. Für mich gab’s Kaffee. Immerhin …

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